Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1863)
- Date
- 1863-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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113 Im Juli 1855 erschien Eiwonides in Leipzig nnd bot eine Anzahl seltener Handschriften zum Verkaufe aus, von denen er auch einige an die Universität zu Leipzig absetzte. Darauf brachte Simonides ein anderes Manuskript hervor, 72 Blätter einer egyptischen Königsgeschichte des Alexandriners Uranios. Die Handschrift war ein Palimpstst. Es möge uns vergönnt sein, die Erklärung dieses Fremdwortes hierhcrzusetzkn: Im Alterthume wurde bekanntlich Alles, was für die Dauer bestimmt war, auf Pergament geschrieben. Ganze Bibliotheken solcher Pergamentrollen befanden sich während des Mittelalters in den Klöstern. Wenn nun die Mönche Litaneien, Ritualien und dergleichen schreiben wollten, so fehlte es ihnen oft an Pergament; sie nahmen dann die alten Rollen, löschten die darauf befindliche Echrift aus und beschrieben dieselben aufs Neue. In neuerer Zeit nun hat man ein Verfahren gefunden, die neuere Echrift zu löschen und die alte wieder herzusicllen. Ein auf diese Weise gewonnenes altes Manuscript nennt man ein Palimpscst. Da das erwähnte Palimpsest für die egyptische Geschichte von größter Wichtigkeit erschien, so kaufte Herr Professor Dindorf in Leipzig dasselbe dem Simonides für 2W0 Thlr. ab, um es sofort der Berliner Akademie um den Preis von 51i00 Thlr. anzubieten. Diese Körperschaft ließ durch eine Anzahl ihrer Mitglieder eine Untersuchung vornehmen. Zwei große Männer zerlegten die Sache chemisch, ein berühmter Forscher untersuchte sie mikroskopisch, mehrere große Gelehrte beleuchteten sie kritisch und das Ergebniß war, die Akademie erklärte die Handschrift für echt und beschloß deren Ankauf zu befürworten. Da die hiezu nöthige Geldbewilligung nicht sofort zu erlangen war, und Dindorf wenigstens auf eine Anzahlung drang, so schoß Lepsius, der berühmte Kenner egyptischer Alterthümer und Geschichte, der unter den Prüfern der Akademie gewesen war und das kostbare Manuskript herauszugeben dachte, die erforderliche Summe vor und empfing dafür den Uranios. Mit freudigem Eifer macht sich der große Gelehrte an die Arbeit, um aus dieser werthvollen Urkunde feine Kenntniß der egyptischen Geschichte zu vervollkommnen. Wer aber beschreibt fein Erstaunen, da er findet, daß eine kühne Muthmaßung des deutschen, damals noch lebenden Forschers Bunsen, die eine Lücke in unserer Kenntniß Uregyptens ergänzen sollte, von dem alten Griechen Uranios wörtlich in seine Geschichte ausgenommen war! Hatte Bunsen den alten Uranios, oder Uranios Bimsen „zugetroffen"? Während noch diese Zweifel den Herrn Professor beschäftigten, kömmt eine telegraphische Depesche von Leipzig des Inhalts, die Handschrift sei unecht. Herr Simonides hatte sich mit seinem bisherigen Freunde und Mitstrebcnden Alexander Lycurgos entzweit, und dieser hatte den ehemaligen Freund verrathen. Herr Professor Lepsius eilte mit einigen Polizciosfizianten nach Leipzig und die Haussuchung bei dem schon zur Abreise gerüsteten Simonides ergibt: die Entdeckung eines Apparats zur Verfertigung alter Manuskripte. Wir brauchen also für die Authencität unseres Pentateuchs nicht zu zittern und uns durch das Uriheil weltberühmter Spccialisten nicht beirren zu lassen. Für uns haben die angeblich uralten Manuskripte jener karaitischen Brüder, insoweit sie mit dem allgemein recipirten Bibeltexte in Widerspruch stehen, nicht die geringste Autorität.' Ueberhaupt muß man ja auch bedenken, daß auch unsere Druckschriften von Manuskripten herrühren, daß unsere sämmtlichen Thorarollen noch heute Manuskripte sind, die stets mit der allergrößten Sorgfalt geschrieben und korrigirt worden sind. Wir haben die Wissenschaft nicht zu scheuen, wir müssen ihr aber eine gerechte Würdigung zu Theil werden lassen; die echte, rechte Wissenschaft kann unfern Glauben nur stützen; aber des Leichtsinnes und der charlatan-artigen Überschätzung gewisser Leistungen und Erscheinungen müssen wir uns alles Ernstes erwehren. — Einiges über die innere Gedentung -er äußern Gesetze -es Iu-rnthums. ZSetrachiungen von Ur. tterrmsim I,jp8olti1r! (Wilah.) „Ihr sollet beschneiden das Fleisch „eurer Vorhaut und es soll lein zum „Zeichen des Bundes zwischen mir „und euch." 1 B. M. 7. 11. Es wird gar oft der jüdischen Religion von ihren äußern und innern Feinden der Vorwurf gemacht, daß sie sich ausschließlich mit dem äußern Menschen befasse und ihre Gesetze und Vorschriften nicht für Veredelung des Herzens, für Läuterung der Denkweise und Erhebung des Gemüthes zu Gott berechnet wären. Es soll, nach Behauptung ihrer Vierfacher, unter der unerträglichen Wucht ihrer äußeren Bräuche und trockenen Satzungen, das Herz ihres Bekenners verkümmern und sein Geist zusammenschrumpfen. So räsonniren die Feinde der jüdischen Religion in ihrem maßlosen Uebermuthe und ihrer gänzlichen Unkenntniß des wahren Wesens des Judenthums und brechen den Stab über eine Religion, welche in der grauesten Vorzeit, die vom nässesten Heidenthume umnachtete Welt urplötzlich erhellte und zu allererst der Menschheit verkündete: