Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1863)
- Date
- 1863-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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112 gamente da und dort Verletzungen — Löcher — vor. Was den Inhalt des Manuscriptes betrifft, so sind die zwei Folioblätter aus dem Tractat Sabbat, drei Quartblätter sind aus dem Tractat Baba Bathra und ein Quartblatt ist aus Sanhedrin. — Die Mischnoth eines Perek stehen wie im jerusalemischen Talmud ohne Unterbrechung nebeneinander; hierauf folgt die Gemarah." Herr vr. Wolf hat nun noch einige Varianten, die sich bei Vergleichung mit einem Talmudexemplare der Berlin-Frankfurter Ausgabe ergeben haben, notirt. Einige dieser Varianten ergeben sich auf den ersten Blick als Fehler, andere als den Sinn nicht verändernd. So soll Sabbat 107b. nach den Worten 'w.->' -rvp das Wort sich finden, was keinen Sinn gibt; am angeführten Orte soll das Wort rixllii hinzugefügt worden sein, was natürlich den Sinn nicht verändert. Wir haben die dreißig Varianten, welche Herr Or. Wolf aufführt sämmttich verglichen, und haben nichts von besonderem Interesse darin gefunden; doch verspricht Herr Vr. W. selbst noch einige nachzutragen. Wir werden daher später darauf zurückkommen. Jedenfalls steht fest, daß die von den Zeitungen diesem archeologischen Funde beigelegte Wichtigkeit bei Weitem nicht so groß und für die Kritik des Talmudtextes nur von untergeordneter Bedeutung ist. Das Obenmitgetheilte bezieht sich wie gesagt auf die Kritik des Talmuds; wir dürfen eine solche zulaffen, wie ja bereits und in dieser Beziehung sich um die Feststellung der variirenden Lesarten und somit um das Verständniß des Talmuds hochverdient gemacht haben. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen und harrt in einigen Tractaten (wie namentlich Nasir) noch ihrer Vollendung. Anders verhält es sich mit der Kritik des Textes der heiligen Schrift. Wir haben in Nummer 5 dieser Blätter nach der Nationalzeitung eine Notiz aus Petersburg gebracht, nach welcher die karaitischen Brüder Firkowisch eine große Bibliothek von uralten hebräischen Handschriften gesammelt und an die kaiserlich russische Bibliothek verkauft haben. Wir haben bei dieser Gelegenheit einen Passus ausgelassen, welchen wir hiermit nachtragen, nämlich den, daß jene Handschriften geeignet seien, eine förmliche Revolution im Wortlaute des Pentateuch, namentlich bezüglich der Punktation, hervorzurufen. Wir müssen gegen diesen Passus aufs Ernstlichste protestiren. Wir besitzen den Pentateuch und die gesammte heilige Schrift in völlig authentischem Texte. Unsere Weisen haben dafür gesorgt, daß von der heil. Schrift uns kein Buchstabe verloren, daß in dieselbe kein Buchstabe mehr hineingeschrieben werden konnte. Die Massoreten haben die einzelnen Wörter und Buchstaben gezählt, und auch die Punktation steht durchweg unumstößlich fest.*) Es ist daher eine Revolution im Wortlaute des Pentateuch trotz der berühmten Specialisten Tischendorf, Dorn und Olshausen ein Ding der Unmöglichkeit. Dieser von Karaiten gesammelten Collection ist, soweit sie den Wortlaut des Pentateuch betrifft, vollständig zu mißtrauen. Was es aber mit dem Urtheile der erwähnten berühmten Gelehrten für ein Bewandtniß hat, darüber mag uns folgende Geschichte belehren: Herr Constantin Tischendorf, Professor in Leipzig, hat in jüngster Zeit sich durch die Entdeckung der sogenannten sinaitischen Bibelhandschrift unendlichen Ruhm erworben. Herr Professor Tischendorf, der bereits viele Reisen in den Orient gemacht hat und dabei stets längere Zeit in dem Kloster auf dem Berge Sinai weilte, entdeckte diesssmal daselbst eine uralte Handschrift des sogenannten neuen Testamentes, welche von ihm als die älteste aller existirenden Handschriften erkannt und von um so größerer Wichtigkeit war, da sie gewisse Stücke vollständig enthält, die bis jetzt nur als Bruchstücke bekannt waren. Herr Tischendorf verfehlte nicht, aller Welt von seinem wichtigen Funde Mittheilung zu machen; er ließ Facsimile's drucken und erntete der Ehren unendliche Menge; fast alle Ordenssterne fast aller civilisirten Staaten regneten auf sein Haupt und sein Name ward überall mit der größten Anerkennung und Verehrung genannt. Allein alle irdischen Güter sind eitel und vergänglich, und auch der Ruhm ist ein irdisches Gut. Plötzlich trat in England ein Grieche Namens Simonides auf, welcher geradezu behauptete und viele Zeugen zur Erhärtung namentlich aufführte, die von Tischendorf entdeckte Handschrift, der dieser ein Alter von fünfzehn Jahrhunderten vindicirte, sei vor noch nicht zwanzig Jahren von ihm (Simonides) selbst im Aufträge seines Oheims, welcher Oberhaupt des Sinaitischen Klosters war, in alter Typenschrift geschrieben worden. Diese Behauptung des Simonides hat namentlich in England viel Glauben gefunden und zwar um so größeren Glauben, da Herr Prof. T. es verschmäht hat, sich und die von ihm angeblich entdeckte Handschrift gegen Sirnonides zu vertheidigen. Und diese Handschrift hatte bis dahin die unbedingte Anerkennung aller Gelehrten Europa's gefunden! Aber noch deutlicher ergibt sich, welch ein Bewandtniß es mit dem Urtheile der Gelehrten über alte Handschriften hat, aus der Nolle, welche der ererwähnte Simonides vor einigen Jahren in Deutschland spielte. *) Die allgemein bekannten, auf verschiedene Autoritäten zurück^uführende Varianten können hier natürlich nicht in Betracht kommen.