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Der Israelit · 1863-03-04 · Heft 9 (4.3.1863) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 9 (4.3.1863)
Date
1863-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« Nr. S des Israelit Zeitungsnachrichten n. Correspontenren. Preußen. Köln, 20. Februar. (Schluß.) Man hat sich ferner in der Commission gegen Cönfessionsschulen ausgesprochen und ich wünsche nichts sehnlicher, als daß das Schulwesen in der Art umgestaltet werde, daß die konfessionelle Scheidung wegfalle; ich wünsche und hoffe auf eine solche liberale Reform, die dem Confessionalismus in etwas für das bürgerliche Leben die Spitze abbricht — ich wünsche gemeinsame städtische Schulen für alle Confcssioncn, die nur im Religionsunterricht getrennt sind.*) Aber wir haben den confessioncllen Charakter der Schulen nicht geschaffen und wir haben keilte Macht und Mittel, die Regulative zu ändern; dazu gehört eine gründliche Reform von oben, an welche vor der Hand nicht zu denken ist. So lange also die konfessionelle Scheidung der Schulen besteht, müssen wir den Confessioneil ihr Recht unverkürzt gewähren. Unsere Verfassung dekretirt die Gleichberechtigung der Staatsbürger und die Freiheit des Kultus — wollen wir diese großen Grundsätze im Staate aufrecht erhalten, so dürfen wir gewiß in der Commune die eine Confessio» gegen die andere nicht verkürzen; das widerstreitet aller Billigkeit, dem Rechte und folglich unserer Ehre. Ich beantrage also, daß 1) für dieses Jahr die volle Miethe gezahlt werde und daß 2) die sämmtlichen evangelischen und jüdischen Gemeindeschulen zu städtischen Schulen erhoben werden, der Art, daß die Stadt die Lokale beschafft, sämmtliche Bedürfnisse bestreitet und dagegen das Schulgeld wie für katholische Schulen erhebt. Dagegen wird die jParität vollständig gewahrt. Es handelt sich in dieser Frage nicht blos um Geld, sondern in der finanziellen Seite liegt ein Prinzip — die Juden zahlen die Steuern und wollen an deren Verwendung auch Theil nehmen; sie wollen nicht blos Pflichten erfüllen und Lasten tragen, sondern auch eine Anerkennung der Gleichberechtigung — dieses Anerkenntniß wird verletzt, wenn wir mit ihnen markten und feilschen und sie wie Parias behandeln, denen man aus der gemeinsamen Kasse nur ein Almosen oder Gnadengeld gibt und da wir alle Mitbürger ohne Unterschied der Konfession zu vertreten haben, io fordert unsere Ehre, daß wir auch gegen die jüdische Bevölkerung billig und gerecht handeln. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren - lein, Mühlens, Baudri. Esser, vr. Boeker und der Vorsitzende Herr Oberbürgermeister Stupp, betheiligten, fand die Abstimmung statt. Es stimmten sür die vollständige Gleichberechtigung die Hrn. Classen-Kappelmann, Klein, Kaufmann Boeker, Ör. Boeker, Baudri. Fuchs. Kemp, Seydlitz, Biercher nnd Stroever, gegen dieselbe, resp. für das Aversum von 1000 Thlr. die Hrn. Nückel, Mülbens, Landwehr, vr. Ließem, Essingh. Esser, Joest, Eiven, Kohlhaas, Peill, Hörest, v. Wittgenstein, Kaesen, llr. Claessen und der Vorsitzende und es wurde somit die Abfindung mit runden 1000 Thlr. zum Beschluß erhoben. M. Z) Feuilleton. Lrirse über Pol.n. Mitgetheilt von vr. I. Caro. Dir polnischen Juden und ihre Stellung. (Schluß.) Ueberhauvt ist der Verkehr zwischen polnischen Juden und Bauern, wenn man nicht verhetzend und fanatisirend dazwischen tritt, von einer rührend naiven Humanität. Der Jude ist des Bauern Rathgeber in schwierigen Verhältnissen, sein Arzt in Krankheitsfällen, sein Advokat in Prozessen, sein Wohlthäter in der Armuth, sein Leihhaus im Falle der Geldverlegenheit. Wenn die Schuld auf das Bauerngut eingeschrieben ist, dann nimmt der Jude fast gar keine Geldzinsen; der Bauer bringt sie freiwillig — bald einen Scheffel Weizen, bald ein Viertel Roggen, eine Gans, ein Huhn, eine Ente, eine Mandel Eier, einen Sack Kartoffeln u dgl. Wenn der Bauer zu Markte geht, hat er fast immer Etwas im Korbe: „ckla (für den Juden). So naiv gemüthlich redet er auch mit ihm; sie dutzen sich und der Bauer nennt ihn stets: „Herr Jude-Schneider" oder „Herr Jude-Schuster" oder „Herr Jude Kaufmann". Auch der Edelmann verkehrt freundlich mit dem Juden, besonders wenn er Geld braucht, aber immer in der *) Wir Heilen diesen Wunsch des Herrn E. nicht. — Red.

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