Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1863)
- Date
- 1863-03-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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106 dus der Berechnung nach der Zahl der die jüdische Schule besuchenden Kinder an, so kommt ihnen weniger zu und die Parität ist nach meiner Meinung verletzt. Die Stadt schießt im Ganzen bei einer Bevölkerung von circa 113,000 Seelen 58,000 Thlr. für Elementarschulen zu — das macht pro Kopf stark 15 S/r. — Man sagt, daß die Juden fast A der Communal-Einkommensteuer aufbringen, ich will aber davon absehen und annehmen, daß alle durchschnittlich pro Kopf gleich viel Steuern bezahlten, dann kann man sagen, daß die Juden für unser Schul- Budget H68 Thlr. beisteuern und wir geben ihnen also nicht unser Geld, sondern die von ihnen selbst für die städtischen Schulen gezahlte Quote — und indem wir ihnen von den 1168 Thtrn. ein Aversum für ihre Confessionsschulen geben, bleiben noch 368 Thlr. zu Gunsten der christlichen Schulen übrig. Der zweite Antrag, ein Schullokal anzuweisen, ist meiner Meinung nach ebenso gerechtfertigt. Die Commission hat mit 7 gegen 1 Stimme befürwortet, daß der israelitischen Gemeinde 200 Thlr. für Mieths- Entschädigung bewilligt werde. Ich habe dagegen in der Commission als Minorität mit Einer Stimme beantragt, daß die Stadt der israelitischen Gemeinde für das laufende Jahr die volle Miethe des am Römerthurm gemietheten Schullokals vergüten möchte, und diesen Antrag will ich begründen. Die sämmtlichen katholischen Schulhäuser 54 an der Zahl sind aus Communalmitteln erbaut und werden daraus unterhalten; ebenso hat die Stadt noch im vorigen Jahre für eine evangelische Schule 20,000 Thlr. bewilligt. Für 14,251 katholische Kinder, welche die Elementar- und Freischulen wirklich besuchen, sind 54 Schulhäuser vorhanden — das macht durchschnittlich pro Schulhaus 264 Kinder. Die israelitische Gemeinde hat 473 schulpflichtige Kinder, davon besuchen 308 Kinder die jüdische und Privatschulen, 72 Kinder christliche Schulen, so daß im Ganzen 380 Elementar - Schulunterricht genießen. In den höhern Anstalten befinden sich 75 Kinder; demnach beträgt die Summe der israelitischen Schüler überhaupt 455. Für 380 Kinder ist ein Schullokal von 6 Schulsälen mit Lehrerwohnung erforderlich und das kann man mit 200 Thlr. Miethe nicht beschaffen. Wie ich vernommen habe, zahlt die Gemeinde 900 Thlr. Miethe für ein am Römerthurm gemiethetes Schullokal und ich beantrage, daß die Stadt diese Miethe auf ihr Budget übernehme. Das erfordert das Prinzip der Parität. In der Commission hat man gesagt, in Elberfeld, Berlin rc., wo die Katholiken in der Minderheit wären, würde denselben auch nicht dasselbe gewährt, was der überwiegenden protestantischen Bevölkerung zugebilligt würde und folglich brauche man hier den Juden auch nicht die volle Parität zu gewähren. Aber wenn andere Städte ein Beispiel von Intoleranz geben, so dünkt mich, daß wir deshalb nicht auch intolerant sein müßten —; man hat ferner gesagt, Katholiken und Protestanten hätten doch ein Schulvermögen gewissermaßen als Morgengabe in den Haushalt gebracht, das mag richtig sein; wenn man aber erwägt, oaß die Juden seit Jahren ihre Steuern bezahlt und jährlich nur etwa 100 —200 Thlr. für Schulzwecke bezogen haben, so kann man ihr Ersparniß während 20 Jahren wohl auf mindestens 20,000 Thlr. schätzen und wenn .wir ihnen ein Lokal stellen, resp. die Miethe davon entrichten, so geben wir ihnen nur die aus ihrer Steuerquote ersparten Gelder. Es ist ferner zu erwägen, daß die Juden von unserm Hospital und der Wohlthätigkeit keinen Gebrauch machen; aus der Stadtkaffe werden aber jährlich circa 60,000 Thlr. für das Armenbudget zugeschoffen, das macht pro Kopf wieder über 15 Sgr. — also für die jüdische Bevölkerung circa 1200 Thlr, welche sie zum Armenfond zuschießen, ohne daß sie denselben in Anspruch nehmen — auch hier hat die Stadt eine erhebliche Ersparniß durch die jüdischen Mitbürger. Wenn man gerecht sein will, so darf man das nicht übersehen. Die jüdische Gemeinde hat für sich ein Budget von circa 10,000 Thlr. — etwa 4 Thlr. pr. Kopf — so daß sie sehr überlastet ist und mit Fug und Recht aus der gemeinsamen Quelle Erleichterung sucht. (Schluß folgt in der Beilage.) (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion von Dr Lehman«. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. — Druck von I. GoltSleben in Main».