Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1863)
- Date
- 1863-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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101 lag zertrümmert der Staat Friedrichs; die Seulen waren morsch geworden und vermochten nicht ferner das Gebäude zu tragen. Tief lag Preußen darnieder erschüttert von dem Welterschütterer, überwältigt von dem Gewaltigen. — Es gelang jenem Manne, ausgerüstet mit allen Machtmitteln, die irdische Herrschaft nur bieten kann, begabt mit allen geistigen Vorzügen und Eigenschaften, mit einem eisernen Willen und unermüdlicher Beharrlichkeit ausgestatlet, von des Ehrgeizes Sucht und Ruhmes Gierde schrankenlos Hinausgelragen, von günstigen Umständen und überschwänglichem Glücke hinaüfgetragen und erhoben; es gelang diesem Manne, wie der Prophet sagt: „das Netz zu werfen über den Backen der Völker" so daß alle Völker und Nationen darin verstrickt waren, keine mehr hinauskommen zu können schien. Dieser mächtige Mann hat die ganze Schale seines Zornes auf Preußen und sein Herrscherhaus ausgegossen, und geneigt wäre man damals gewesen, wider dcrr Propheten auszurufen V'N2 28 '2 'i^-o 8^> NW2 28 '2 „nicht durch den Geist Gottes, sondern durch Kraft und durch äußere Machtmittel wird gesiegt, wird Großes und Gewaltiges vollbracht. Allein zum zweiten Male sollte sich das ewige Propheten- Wort bewähren und bewahrheiten. Das winzige Preußen erhob sich, das schwache Preußen wurde stark; und wodurch stark? '2122 28 '2 n:22 8d: ^'22 8^>— Friedrich Wilhelm 111. verlieh in seinem Gerechtigkeitssinne und Gerechtigkeitsliebe den preußischen Juden das Bürgerrecht (1812). Noch war kein Jahr seit dieser Gerechtigkeitshandlung verflossen, und von allen Gauen und Enden des Vaterlands strömte, dem königlichen Rufe folgend, die jüdische Jugend hinzu, kriegbereit, kampfentzündet, um muthvoll und freudig Alles hinzugeben, sich selbst hinzugeben, Gut und Blut zu opfern, für König und Vaterland mit Gott. ^'22 tt!?. — Schön ist es und erhebend ist es für jeden religiös Fühlenden, daß wir am heutigen Tage nicht nur allgemeine Gedanken über diese Hingebung vorzutragen haben, nicht nur Lehren der Vergangenheit zu entnehmen brauchen, sondern daß hier (auf die Veteranen zeigend) lebende Zeugen vor uns sitzen, die Gott in seiner Güte im Kugelregen beschirmte, beim Leben erhielt und noch lange beim Leben erhalten möge, aus daß sie lebendiges Zeugniß oblegen, daß auch Israel es zu jeder Zeit verstand, für das gemeinsame Wohl einzustehen, sich nicht entzieht, die höchsten Güter des gemeinsamen Lebens und Daseins, Freiheit und Vaterland, zu schützen und zu verteidigen. ^82L?' 221N W'OL'TM 2^>1P '827 8'2 2MP lebendiges Zeugniß mögen die an jenen heißen Tagen Kampfbetheiligten und heule hier an heiliger Stätte Vereinten ablegen, daß das Judenthum jene Ausschließung und jene Absonderung nicht kennt, die man ihm so gern andichtet, noch weniger die Verfolgungssucht befolgt und verfolgt, die man erst in der neuesten Zeit (Bethmannl!) an ihm ausfindig machte. III. Aus der Vergangenheit treten wir in die unmittelbare Gegenwart. Westen bedarf sie? Ebenfalls des göttlichen Geistes, des wahren echten Geistes, 'n ^'22 8v. Wie dieser wahre und echte Geist Ausdruck gewinnen, seine Entfaltung bekunden und offenbaren soll.) gibt uns der Prophet Jesaias (11, 2) an, indem er ebenfalls eine neue Ae a und ein neues Regiment, das Juhada zu erwarten habe, verheißt. Der N 2:2 der Geist Gottes, heißt es daselbst, ist der2N21 2222 2:2 „der Geist der Einsicht und der Weisheit," der gesammelte, durchdringende Geistes-Blick, der nicht von dem Blenden des Scheines und der bloßen Erscheinung getäuscht und so vom Kern abgelenkt wird, sondern durch sie dringend, über sie hinaus sehend und hinausgehend, das Rechte und Richtige findet. Der Geist Gottes ist ferner der 22NN 2rrp 2)2 „der Geist des Rathes und der Stärke" nicht der kleinliche Geist der Verzweiflung, sondern der thatkräftige Mittel und Hilfe aufsucht, um jedem Uebel, welcher Art dies auch sei, zu begegnen; ferner nicht der Geist der körperlichen Stärke sondern derjenigen Stärke, welche die sittliche Kraft und die Tugend dem körperlich doch immer schwachen Menschen spenden. Der Geist Gottes ist ferner der 2822 2^2 nr-> „der Geist des Wissens und der Gottesfurcht." Das Misten betont die h. Schrift stets, verwirft aber denjenigen Gebrauch, der im Eigendünkel mit dem Wisst n gemacht wird, als ob es sich selbst genug, der Gottes-Furcht entbehren könnte. Besonders fordert gebieterisch die jetzige Zeit auf, sich mit diesem Geiste Gottes zu befreunden, von ihm durchdrungen und getragen zu werden. Nur allzu sehr läuft in unseren Tagen der Mensch Gefahr von dem Materiellen überwältigt zu werden, die Klarheit und Durchdringungskraft des geistigen Blickes einzubüßen. Der sittliche und geistige Fond des Menschen wird irr unseren Tagen nur allzu viel von lausend Kleinigkeiten, die an sich und in sich werthlos sind, verschleppt. Manigfaltige, selbstgeschaffene Bedürfnisse lasten zentnerschwer auf uns, drücken jeden Anflug geistiger Erhebung herab, drängen jeden Durchbruch sittlicher Selbstbestimmung zurück, jeder edle Trotz verstummt und man macht aus zur Mode gewordenen Schwäche die Mode mit. So mögen denn jene geschichtlichen Tage, die uns hier zur heiligen Stätte heute zusammengeführt haben, uns eindringlich zeigen, wie Ernst, Einsicht, Wissen und Gottesfurcht nothwendig und unentbehr-