Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1863)
- Date
- 1863-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 8 des Israelit Zeitungsnachrichten n. Correspondeiyen. Deutschland Frankfurt a. M., 18. Februar. In der gestrigen Senatssitzung erhielt der hiesige Bürger Herr vr. Abraham Geiger, Rabbiner zu Breslau, welchem die hiesige israelitische Gemeinde an Stelle des gewesenen Rabbiners Herrn Leopold Stein anher berufen, unter Dispensation von dem abzulegenden, regulativmäßigen Examen, die senatliche Bestätigung als Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Oesterreichischer Kaiser st aat Aus Ungarn. Der gute „Ben-Chananja" in Szegedin beschäftigt sich seit einigen Wochen — in Ermangelung eines fruchtbareren Stoffes — mit der Biographie Aron Chorin's, ehemaligen Rabbiners zu Arad, der das unbestreitbare Verdienst hatte, der Vorläufer selbst der Berliner Reformgesellschaft gewesen zu sein. Daß Löw ernstlich bestrebt ist, diesem Manne ein ehrendes (?) Denkmal zu setzen, kann uns durchaus nicht befremden: u'Ov Zip! Ueberdieß ist der Redakteur des „B. CH." diesem Manne zu unendlichem Dank verpflichtet. Hat doch Chorin die Gemüther für die Irrlehren eines Holdheim, Geiger, Löw und Conforten mit ziemlichem Erfolge vorbereitet! — Nicht unerwähnt dürfen wir lasten, daß Chorin ein Märtyrer seiner Reformbestrebungen geworden; — ein Umstand, der uns vermuthen läßt, derselbe sei kein Betrüger, sondern— Betrogener gewesen. Anders verhält es sich mit den großen (?) und kleinen Reformhelden unserer Zeit. Diese wandeln leider auf breitgetretener Straße, ohne irgend eine Anfechtung befürchten zu müssen. Ueberdies haben diese ihr Vorhaben genau berechnet. „Lernen" können die lieben Leutchen bekanntermaßen gar nicht. Womit also diese Blöße bedecken? — Einfach damit, daß man Talmud und Poßkim als antiquirt bezeichnet, die für uns alle Giltigkeit verloren. Es ist sohin leicht einzusehen, daß die Herren Reformer doch nicht so ganz schlecht sind. Die größere Mehrzahl handelt ja bloß so aus dem Triebe zur Selbsterhaltung und wahrlich Pikuach - Nefesch ist selbst im Sinne der strengsten Orthodoxie von gar wichtiger Natur. In Pest gestalten sich die Dinge recht bunt. Der Vorstand beschloß nun allen Ernstes einen ungarischen Kanzelredner zu berufen. Herr 1)r Meisel, entrüstet über dieses Vorhaben, reicht bei der Behörde eine Denkschrift ein, worin der bescheidene Wunsch ausgesprochen sein soll: er — Herr Meisel nämlich — wünsche ungarischer Landrabbiner zu werden! — Sie lachen? — Hierlands wird hierüber nicht gelacht. Im Gegentheile würde man zur Gewährung dieses Wunsches ziemlich geneigt sein, so Herr Meisel sich entschließen möchte: für einige Jahre nach Preßburg oder Eisenstadt zu reisen, um dort ein Stückchen Gemara zu lernen nach der Methode, wie man's hier eben wünscht. Herr Meisel könnte vielleicht noch ein recht großer Lamden werden; Rabbi Akiba ward's auch. *) In der Gemeinde N., wo das Mizwot-Verkaufen aus Anstandsrücksichten abgeschafft wurde, fühlte man bald den Ausfall der diesbezüglichen Revenüen. Was war zu thun? Man fiel auf die geniale Idee, das Orgeltreten zu verkaufen. Wie zu erwarten, war der Erfolg: .-up pn! Man sehe, die alten Mizwot sind noch immer mehr Werth, als die neuen. Soeben kommt uns zu Gesichte: „Llaß^ar 6s ll'slaäattäl". (Ungar. Sprachheftchen und Aufgabensatz). Von M. Ehrentheil. Eine umständliche Besprechung dieses Merkchens liegt unstreitig außerhalb der Tendenz dieser Blätter. Wir begnügen uns daher vorläufig damit, unsere vaterländischen Lehrer auf dieses neue Erzeugniß im Gebiete der magyar'schen Pädagogik hiermit aufmerksam gemacht zu haben. 8. *) Anm. der Red. Wie wir aus Oest. Blättern entnehmen, soll auch Herrvr. M. den Zustand feiner Gemeinde als „d emoral ifirt" bei der Behörde denuncirt haben. Sollte das wahr fein? Sollte eS dm Reformrabbinen schon Angst werden vor ihren — eigenen Schöpfungen?