Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1863)
- Date
- 1863-02-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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93 Trebitsch (Mähren). Es ist zur Genüge bekannt, welche besondere Sorgfalt unsere Vorfahren angewendet haben, um selbst sogenannte nww bereits alte und abgenützte, geschriebene oder gedruckte, hebräische Gebete oder sonstige hebräische Religionsbücher, möglichst vor Profanirung und Entweihung zu bewahren. Und zur Zeit des zweiten Tempels wurde sogar der frühere Gebrauch, das Datum in den hebr. Urkunden nach der Jahreszahl des jeweiligen hohen Priesters als des Dieners des allerhöchsten Gottes, zu bestimmen, nur deßwegen abgeschafft, damit nicht bei etwaiger Annullirung derartig ausgestellter Schuldurkunde, der darin geschriebene Namen des Allerhöchsten entheiligt werden sollte, und wurde der Tag an welchem dieser Gebrauch abgestellt wurde, als halber Festtag erklärt. (Trakt. Rosch Haschana 18 B.) Wie sehr muß es daher jedem, der noch religiösen Sinn, und einige Pietät für unsere heilige Schriften besitzt, schmerzerr, wenn er sieht, daß man Bruchstücke von u. d. g. unter dem Vorwände als Makulatur, mit oder ohne Borwissen des Verlegers, an nichtjüdische Kaufleute in Menge verkauft, und diese, dieselben ohne Anstand zerreißen, welche sodann selbst von jüdischen Händen nur zu oft beschmutzt und entheiligt werden. So wurde unlängst erst dem Gefertigten die Anzeige gemacht, daß sich derlei heil. Bruchstücke bei einem hiesigem christl. Kaufmanns befänden. Ich ließ daher dieselben im Gewichte von 2 Pfund ankaufen, und zu meinem Erstaunen ersah ich, daß je eine Hälfte derselben, nur aus gleichlautenden Sidurstellen bestand, welches schwerlich vom bloßen Makulatur-Verkaufe herrühren kann. Ich erlaube mir daher hiemit nicht nur die Herren Rabbiner, Prediger und Religionslehrer an den Orten, wo hebr. Buchdruckereien existireu, im Interesse der Religion, sondern auch die Herrn Verleger selbst in ihrem eigenen Interesse, aufmerksam zu machen, darüber gefälligst wachen zu wollen, daß dieser Unfug fürder nicht Vorkommen möge. Und könnten die Herren Buchdrucker oder Verleger die wirklichen Makulaturbogen den Papierfabrikannten zur Einstampfung lieber selbst käuflich überlassen, wodurch wenigstens keine so grelle und öffentliche Entheiligung wie jetzt, mehr Vorkommen dürfte. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir zugleich, die Herren Correktoren noch auf einen andern Umstand aufmerksam zu machen. Früher war es nämlich eine höchst löbliche Sitte, in Gebetbücher die zum allgemeinen Gebrauch dienen, den 'nri OL7 nur mit pm' bezeichnet, abzudrucken, und wurde dessen richtige Lesung und Aussprache den Kindern schon in der Schule gelehrt; hiedurch wollte man nämlich der etwaigen Profanirung dieses allerheiligften Namens nach Möglichkeit Vorbeugen. Dieser so löbliche Brauch ist aber seither in einigen Buchdruckereien aus mir unbekannter Ursache außer Uebung gekommen, und wäre er, vielmehr, in Folge vorstehenden Berichtes, jetzt um so eher anzuempfehlen. kollak, Orts-Rabb. Afrika. Tunis. Tunis, sagt Herr Guerin, in „seinem alten Chartago" soll 90,000 Einwohner enthalten, nämlich 60,000 Muselmänner, 20,000 Juden und 10,000 Christen. Australien. Melbourne. Ein jüdischer Bürgermeister. Unser Melbourner Correspondent schreibt uns Folgendes: Herr Eduard Cohen ist zum Bürgermeister daselbst erwählt worden, indem sein Gegen- Candidat, Herr I. S. Smith, der dieses Amt bei verschiedenen Anlässen provisorisch bekleidet, unterlegen ist. Von den israel. Gemeindevorständen zu Melbourne soll ihm eine Adresse überreicht werden. Wir fügen noch den folgenden, dem „Argus" entnommenen Artikel hinzu. „Gestern wurde einem alljährlichen Gebrauch zufolge der neue Bürgermeister von Melbourne (Herr E. Cohen) seiner Excellenz, dem Gouverneur in üblicher Weise vorgestellt. Der Empfang fand in dem amtlichen Cabinet des Gouverneurs im Finanzpalast statt in Anwesenheit mehrerer Mitglieder des Magistrats, vertreten durch die Rathsherren Eades, Councillor Walsch, Edwards, Harbison, Trop, Jones und Goldsmith und dem Stadtsekretär. Bei der Einführung sagte Alderman Eades, daß es ihm zum Vergnügen gereiche, Seine Excellenz sowohl der Treue und Anhänglichkeit für den Thron,