Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1863)
- Date
- 1863-02-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage z« Rr. 7 des Israelit. Zeitungsnachrichten n. Corresponfteiyen. Preußen. Berlin, den 11. Februar. (Privatmittheilung) In der a. Z. d. I. war zu lesen, daß die Einführung einer Orgel in die nenerbaute Synagoge beschlossen und genehmigt sei. Dieß beruht ans einem Jrrlhume. Es ist im Gegentheil mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die neuerbaute Synagoge keine Orgel erhalten wird. 1^. Berlin, den 11. Februar. Wir haben unlängst über den neunzehnten Jahresbericht des hiesigen isr. Waisenhauses für Mädchen unter der Leitung des Herrn Baruch Auerbach berichtet; uns liegt nun nachträglich auch der neunundzwanzigste Jahresbericht über das hiesige isr. Waisenhaus für Knaben unter der Leitung des genannten Herrn vor. Diese Waisenerziehungsanstalt wurde am 30. April 1833 mit der Aufnahme von vier Waisenknaben eröffnet und zählte im Jahre 1862 deren 26. An der Anstalt wirken zwei Lehrer, welche den Unterricht im Hebräischen ertheilen, während die Knaben verschiedene andere Unterrichtsanstalten, Gymnasium, Realschule und jüdische Gemeindeschule besuchen. Während der Zeit des Bestehens wurden im Ganzen 114 Knaben in der Anstalt erzogen, von denen bereits Viele in den verschiedenartigsten Branchen eine geachtete Stellung im Leben einnehmen. Es sind im Ganzen während der Zeit des Bestehens 98,640 Thlr. 3 Sgr. j6 Pf. verausgabt, während dennoch der Anstalt ein erspartes, unantastbares Vermögen von 84,063 Thlr. 19 Sgr. und 11 Pf. als Fond verbleibt; außerdem haben verschiedene Waisenknaben aus mit der Anstalt verbundenen Stiftungen bedeutende Summen erhalten. Rechnen wir hinzu die 38,000 Thlr., welche der Ankauf des Waisenhauses betragen hat und noch 16,000 Thlr, von denen der ungenannte Geber sich den Zinsgenuß auf Lebenszeit Vorbehalten hat, so finden wir, daß der Gründer! und Leiter der Anstalt, Herr Baruch Auerbach blos! für das Knabenwaisenhaus eine Viertel Million! Thal er gesammelt hat. Wir können gewiß in die! Worte des Herrn A. einstimmen, da er sagt: „Mögen Kleingläubige fürchten und bangen, wir schauen und vertrauen unerschütterlich auf Gott, daß wir nicht nur die Bedürfnisse der Tage, die uns Gott zugemeffen hat, werden decken können, sondern daß noch wird übrig bleiben, auf daß noch die Nachkommen erben werden." Auch unter den im verflossenenen Jahre gespendeten außerordentlichen Gaben bemerken wir ebenfalls bedeutende Summen. Eine Gabe von 1000 Thlr. als Legat des verstorbenen Herrn Herrmann Gerson, eine gleiche Summe zurHälfte für das KnabenzurHälfte für das Mädchenwaisenhaus bestimmt als Legat des verstorbenen Banquiers I. Kirchheim, viele Gaben von 100 Thlr., darunter manche als Opfer des Dankes an dem Tage der glücklichen Errettung des Königs. Unter den Spendern finden wir auch den Namen des königl. Hofkapellmeisters und Generalmusikdirektors Meyerbeer. In der Thal, Herr Direktor Auerbach hat sich durch die Gründung und umsichtige Leitung dieser beiden Waisenhäuser ein unsterbliches Verdienst erworben. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange an der Spitze derselben zu stehen, um im spätesten Alter noch die herrlichen Früchte seiner segensvollen Aussaat zu ernten. Oesterreichischer Kaiser st aat Lemberg, 30 Jan. Sie werden bereits die Niederlage erfahren haben, die unsere glaubens oder richtiger „national-einheitliche" Partei des Gemeinderathes in der gestrigen Sitzung erlitt. Eine moralische Niederlage — ich finde keinen andern Ausdruck, um den Sieg zu bezeichnen, den sie mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität davontrug. Unsere Stadtvertretung bedarf nicht erst vieler solcher Siege, um sich verloren zu geben — dieser einzige bereits hat ihr moralisches Ansehen tief erschüttert. Die israelitischen Gemeinderäthe, 15 an der Zahl, waren zu dieser Sitzung nicht mehr erschienen. Eine von denselben gefertigte und in die Hände des Bürgermeisters niedergelegte Erklärung, die in pleno ver-