Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1863)
- Date
- 1863-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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81 daß sie wohl verdienen, von der niedrigen Stufe, auf welcher eine verjährte Gesetzgebung sie noch zurückhält, emporgehoben zu werden. Im Canton Aargau haben sie jüngst einen „Cultur - Verein" gegründet, welcher ihren eigenen Fortschritt bezweckt. Dieser Verein strebt dahin, die schlimmen Verhältnisse, in denen die schweizerische Israeliten sich noch befinden, zu verbessern, und zu diesem Behufe wird er vor Allem am Unterrichte der jüdischen Jugend arbeiten, denn der Unterricht ist die erste Bedingung einer jeden bürgerlichen und politischen Emanzipation. Feuilleton. Die Nebrrreste der Mn Stämme. Wir haben unlängst den Bericht eines englischen Schiffscapitäns über Juden »in China veröffentlicht. Wir gestehen, daß uns der ganze Bericht ziemlich unwahrscheinlich vorkam, zumal da uns der Name des Erzählers vorenthalten wurde, Niemand also die Verantwortlichkeit für das Erzählte trägt und demnach genauere Nachforschungen unmöglich sind. Jetzt veröffentlicht die Redaction der zu Pest erscheinenden jüdisch-deutschen Zeitschrift „die neuste Post" einen Bericht, der ihr direct von einem nach einem nördlich von China belegenen Lande verschlagenen Glaubensgenossen zugekommen ist; sie erzählt: „Wir erhalten von einem ausgezeichneten Manne, welcher früher in Rußland lebte und mehrere Aufsätze für hebräische Zeitschriften geschrieben hat, einen ausführlichen Bericht über einen Theil der zehn Stämme. Dieser Mann, durch ein schweres Verhängniß gezwungen, sein Vaterland zu verlassen, kam auf seinen Wanderungen auch nach China und von da wandte er sich nach Norden, bis er in eine Gegend gelangte, wo überall das hohe Gebirg mit ewigem Schnee bedeckt ist und wohin sich selten ein Europäer verirrt. Als er die Hauptstadt des Landes betrat, kam ihm ein Mann, bekleidet mit einer hohen Mütze, entgegen; derselbe hatte einen großen Bart und lang herabwallende Haarlocken und war mit Panzer und Speer versehen. Er fragte den. Hrew.- den in gebrochenem Hebräisch, ob er vielleicht ein Jude sei. Als dieser es bejahte, führte er ihn in sein Haus und unterhielt sich mit ihm in einer Sprache, die halb hebräisch, halb aramäisch war; er sagte ihm, daß er der Oberrabiner und Häuptling der zehn Stämme sei und Rabbi Schalom MisrachiHagiladi heiße, aus der Familie Gileads und von Babel stamme. Dann führte er seinen Gast in die Synagoge, in welcher eine große Anzahl Israeliten beisammen war; sie waren alle bewaffnet, saßen auf der Erde und verrichteten ihre Gebete in einem Dialekte, welcher aus Persisch, Tartarisch und Hebräisch bestand; Einer betete vor und die Anderen respondirten mit furchtbarem Geschrei. Als sich der Ankömmling später mit ihnen unterhielt, erfuhr er, daß diese Israeliten von der Zerstörung, ja von der Existenz des zweiten Tempels noch gar Nichts vernommen hatten, da sie vor der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft in diese fernen Gegenden ausgewandert waren." Die Nedaction der „Neuesten Post" erzählt ferner, daß sie zugleich mit dem erwähnten, vom 21. November v. I. dartirten Schreiben das photographische Bild des genannten Oberrabbiners erhalten habe und daß ihr ein genauerer und umfassenderer Bericht in Aussicht gestellt worden sei. Wir ersuchen die Redaktion der N. P., daß sie auch den Namen ihres Correspondenten veröffentliche, damit genauere Nachforschungen über die Glaubwürdigkeit desselben möglich werden. im Hebräischen. In jüngster Zeit wieder hat ein namhafter Gelehrter*) das Sanskrit als die wohlklingendste und in innerer Entwickelung vollendetste aller Sprachen genannt. Wollen wir demselben auch jedes Kriterium für seine überaus vielsagende Behauptung erlaffen — und sie auf Glauben hinnehmen! — so können wir immer noch als entschieden behaupten, daß anderseits keine andere Sprache, was Bilderreichthum und Schwung der Bedeutung des nackten Wurzelwortes betrifft, sich mit dem Althebräischen zu messen vermöge, weil beinahe jede Radix desselben eine farbenreiche Scene aus der Wirklichkeit dem Denker entrollt und dieser also Leben, Natur, kräftigen Effect dort mit Ueberraschung antrifft, wo, er nach einem an andere Zungen angelegten Maßstab, den harten Mechanismus der Acception erwarten sollte. Belege hiezu wäre uns leicht aus den Werken unserer gefeierten Etymologen in reichlicher Fülle zu schöpfen, aLn. iv. Mw.'aLvH, dmrääs Bckanniem, auch etwas Neues, Ersprießliches zu geben, erlauben wir uns in der Zusammenstellung etlicher auf Nacht vr. I. Bumüller. Weltgeschichte, Th. 1. S. 16.