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Der Israelit · 1863-02-18 · Heft 7 (18.2.1863) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 7 (18.2.1863)
Date
1863-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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76 der jüdischen Religion haben sich freche Skeptiker herangewagt. Der so poetisch schöne, seligberuhigende und wahrhaft versöhnende Glaube an eine einstige Auferstehung der Tobten, er wird von Vielen als eine aus dem Mittelalter in unsere Zeit hereinklingeude Sage angesehen. — Ich will es hier nicht versuchen nachzuweisen, daß der Auferstehungsglaube zu den Grundprinzipien des jüdischen Glaubens gehöre und der ihn Verwerfende „keinen Antheil habe an dem Gotte Jsrael's", denn in der Regel hat der Auferstehungsleugner auch mit andern Lehren der Religion gebrochen und auf das „Erbe Jacob's" bereits Verzicht geleistet. Meine Absicht ist nur, in diesen Zeilen die Auferstehungsidee innerhalb des Judenthums zu definiren und darzuthun, welch' ein schöner, erhabener jsinn dieser innewohne, wie nothwendig sie für die wahre Glückseligkeit des Menschengeschlechtes sei und wie sie von der Natur, vom Verstände, wie vom Gefühle unterstützt werde. Es ist ein Cardinalprinzip des Judenthums, daß das diesseitige Leben keineswegs die Endbestimmung des Menschen, sondern eine bloße Vorbereitung zum Jenseitigen sei. Es ist, Wenn man so sagen dürfte, dieses kurze vergängliche Leben blos als eine Schule für das einstige unvergängliche und die ganze himmlische Welt als Vorhof zur künftigen, ewigen anzusehen. Bezeichnend drückt dies der Thalmud mit den Worten aus: „Bereite dich vor in der Vorhalle, um in den Palast eintreten zu können." Diese Idee ist der Angelpunkt, der Tragbalken der ganzen jüdischen Religion, deren sämmtliche Ge- und Verbote den Zweck haben, das Leben des Menschen zu heiligen und dadurch ihn für's ewige Leben vorzubereiten, für himmlische Glückseligkeit empfänglich zu machen. Der Tod des Menschen ist nach dieser Anschauung kein Aufhören desselben, sondern ein bloßer Uebergang vom vergänglichen, hinfälligen Erdenleben zum wahren, ewigdauernden Leben; er ist eine geistige Verjüngung, eine Wiedergeburt zu ewigem, geistigem Leben. Denn durch den Tod tritt seine Seele ein in die höheren, lichten Regionen der himmlischen Welt, wo sie, vom irdischen Staube ge reinigt und vom Glanze Gottes erleuchtet, zu ihrer wahren Endbestimmung gelangt. Diese himmlisch verklärten, vom Glanze Gottes umstrahlten Seelen wird endlich Gott, an einem „großen und furchtbaren Tage" in die, nach seinem unerforschlichen Plane aus der Erde erstehenden Leiber einhauchen. Durch dieses neu auferstandene Menschengeschlecht wird der große Schöpfungs- und Weltenendzweck in Erfüllung gehen; dieses wird — das Gottesreich auf Erden gründen, das ewige Reich des Friedens! Dies ist die Auferstehungsidee des Judenthums. Wie wohlthuend, wie trostreich, wie erhebend und wie versöhnend ist dieser schöne Glaube an eine einstige Auferstehung und wie bedauernswerth, lwie unglücklich ist der Mensch, dessen Herz von ihm nicht getragen und durchdrungen ist?! Wie trostlos, wie wüst, wie leer muß ihm das ganze Leben erscheinen, wie sinn- und bedeutungslos?! Was entschädigt den Menschen für die Müh- und Trübsale dieses Lebens, für den Jammer dieser Erde? Was löst ihm die ewigen Räthsel der Welt, die Widersprüche des Lebens? Was verleiht ihm den Muth zu leiden und — zu leben? Einzig und allein der Gedanke, daß er für ein hohes, glückliches Ziel aufbewahrt sei, daß er dereinst zu einem neuen, bessern Leben erstehen werde. Wahrlich! es wäre eine trostlose Vorstellung, daß der Mensch mit dem Tode auf ewig zu sein aufhöre und nie wieder zu frischem, verjüngtem Leben erwache. Nein der Mensch, der „O'->w".-i -irwro," kann nicht mit diesem unvollkommenen Erdenleben seinen Weltberuf ganz gelöst haben; er kann nicht auf dieser niedern Stufe der Erkenntniß stehen bleiben. Er wird dereinst auferstehen zu neuer, besserer, vollkommener Erkenntniß; er wird ewig leben, weil Gott ewig ist. „Die Todten wird Gott beleben, in der Fülle seiner Gnade." Und lehrt nicht auch die Natur den Glauben an eine Auferstehung aus dem Grabe? Im ganzen weiten Gebiete der Natur und der reichhaltigen Mannigfaltigkeit ihrer Wesen und Stoffe finden wir keine Auflösung, keine Vernichtung; ewiger Wechsel, ewige Veränderung zerstören Form und Gestalt des Stoffes, keineswegs aber ihn selbst, vielmehr lassen sie ihn in neuer Gestalt, oder in neuen Stoff verwandelt, zu verjüngtem Dasein erstehen. Nichts von Allem, was sich im Raume befindet, Lebendes oder Lebloses wird aus der Welt ganz vernichtet, und was wir gewöhnlich Vernichtung nennen, ist nicht mehr als Wechsel der Form und des Stoffes, als ein Verwandlungsprozeß, ein Uebergang von Leben zu Leben, von Sein zu Sein. — Wenn nun in der ganzen Schöpfung kein Atom, kein Stäubchen zu Grunde geht; wenn die Mücke und die Ameise nach dem Tode wieder aufleben, wie ist es nun denkbar, daß der Mensch, der mit Vernunft begabte Mensch mit dem Tode zu sein aufhöre, daß sich das Grab über ihm auf ewig schließen und er nie wieder zu Leben und Thätigkeit auferstehe? Schön und treffend ist der Beweis des Thalmuds für die Auferstehung „vom Waizenkorne": ein winziges Waizenkörnlein senkt des Landmannes Fleiß in den weiten Schooß der Erde, und siehe da! nach Monden schießen volle, üppige reichbeladene Waizenähren hervor. Wenn also das, was nicht war, wird, um wievielmehr wird das sein, was war! Wenn aus der Erde hervorsprießt das, was in sie nicht hineingelegt worden, wenn sie neues Leben schafft, um wieviel eher wird das aus ihr verjüngt und neubelebt hervorgehen, was in sie hineingesenkt worden? In

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