Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1863-02-11 · Heft 6 (11.2.1863) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 6 (11.2.1863)
Date
1863-02-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447089-2447096--01713-2456997
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 Juden nach Kronländern beilragen kann, ist daraus ersichtlich, daß z. B. die Israeliten des einen Kronlandes den Rabbiner in dieser, die des andern Kronlandes in jener Weise gebildet wissen wollen Ebenso verhält es sich mit dem Neligionslehrer. Anstalt also dahin zu wirken, daß die Israeliten in ihrem religiösen und kultuellen Leben sich immer mehr einander nähern und gleich sein, wird im Gegentheil auf eine Trennung hin gearbeitet. Genug daran, daß sie oft gezwungen sind durch religiöse Konflikte und Neuerungssucht der Neologen sich in zwei Lager zu theilen, warum noch durch Dinge, die im Grunde bedeutungslos sind und bei denen es nur auf eine wohlwollende Verständigung ankommt, um ein großes Ganzes zu bilden? Das Kreisrabbinat soll in Böhmen aufhören und an dessen Stelle werden Bezirksrabbinate gebildet. Das hieße wieder einmal aus dem Regen in die Traufe kommen. Ich hebe durchaus nicht Ursache, das eine oder das andere System zu verteidigen, glaube aber nicht zu irren, wenn ich der Ansicht mich anschließe, daß das Bezirksrabbinat wenig Gutes in seinem Schooße birgt. Es gibt Bezirke oder vielmehr Gegenden (denn nach pol. Bezirken läßt sich das Ding nicht abtheilen), wo auf drei bis vier Meilen im Umkreise kein eigentlicher Rabbiner im Sinne der Cultusordnung existirt. Da wird nun ein solcher Bezirksrabbiner sechs bis acht Gemeinden unter seiner Ordre haben, was wird nun ein solcher Bezirksrabbiner mehr zu leisten im Stande sein als der Kreisrabbiner? Die Folge davon wird sein, daß entweder die Mutiergemeinde oder die angeschlossene Miniatur-Gemeinde mit ihrem Rabbiner unzufrieden wird, da man sich bedeutend mehr von ihm versprochen, als er eigentlich zu leisten im Stande sein wird, und ist der Kreisrabbiner nicht fähig, sich in seinem Kreise beliebt zu machen, so wird er es auch als Bezirksrabbiner kaum weiter bringen. Meines Erachtens wäre es bedeutend bester, das Institut der Kreisrabbinate dahin abzuändern, daß die Ernennung derselben durch freie Wahl der betreffenden Gemeinden mit absoluter Stimmenmehrheit vor sich zu gehen hätte und keinem Kreisrabbiner sollten zwei Kreise zugetheilt werden. Das Boruriheil gegen dieselben würde mit der Zeit schwinden. Der Religionslehrer soll geprüfter Lehrer sein. Es wäre dies dahin zu berichtigen, daß derselbe zugleich gehalten sei, sämmtliche Gegenstände der Volksschule zu unterrichten, damit es öon dem Gesetze, die isr. Jugend sei verhalten, die katholische Volksschule zu besuchen, sein Abkommen hätte. Ueberhaupt läßt sich aus dem, was über das Schulwesen ausgearbeitet wurdes, behaupten, daß die ganze löbliche Versammlung von diesem Gegenstände zu wenig Sachkenntniß hatte, sonst würde der K 72, so wie die frühern ßß. ganz anders gelautet haben. Die neue Landesjudenrepräsentanz dürste bis Ende Februar erwählt sein, und es läßt sich hoffen, daß diese 13 neuen Vertreter der böhmischen Juden der frühern Selbstherrschaft der alten Repräsentanz mit Würde entgegentreten werden.?Ii. keckerer, Oberlehrer. Apoftag, Ende Januar. Der ungarische Schulfond hat in jüngster Vergangenheit Veranlassung geboten, daß ein reicher Fond gesunder Ideen und fruchtbarer Entwürfe zur Kräftigung und Erstarkung des religiösen und intellektuellen Lebens in Ungarn in den geschätzten Blättern dieser Zeitschrift niedergelegt wurde. Bei der enormen Tragweite des Gegenstandes, kann jedoch nicht angenommen werden, daß derselbe bereits nach allen Richtungen hin erschöpfend erörtert und die Acten hierüber als abgeschloffen zu betrachten sind. Ich gestatte mir daher, nachträglich einigen anspruchslosen Bemerkungen in aller Kürze Ausdruck zu geben Die bedeutende Neduction der Jeschiboth, so wie das allmälige Aufhören der üblich gewesenen kasuistischen Correspondenzen rnvnL? bekunden jedenfalls, daß der Eifer für das Studium der Gesetzesquellen selbst innerhalb orthodoxer Kreise im Erlöschen begriffen sei. Der Verfall der Jeschiboth stehet sichtlich mit der Entwicklung des Schulwesens in enger Verbindung. Das Schwinden der Chedarim wird allerwärts als ein Sieg der Civilisation und Bildung freudig begrüßt. Die Zeit dürfte aber bereits gekommen sein, wo es nöthig ist, daran zu errinnern, daß auch das vn 1^27 zuweilen seine vollständige Berechtigung hat. Mit den Chedarim sind uns zugleich die Melamdim abhanden gekommen und mit ihnen die einzigen Kräfte, welche geeignet wären, unsere Jugend zu den Quellen dev Halacha

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.