Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1863)
- Date
- 1863-02-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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67 Entwurf nicht ausgenommen, indem die Regierung davon ausging, daß diese Frage paffender in Verbindung mit dem Verfassungsgesetze zu erörtern sei. Ein zweiter Abschnitt des gedachten Entwurfs enthält spezielle Vorschriften über die Religions und Gemeindeverfafsung, das Schul- und Armenwesen der Juden. (Hamb. Nachr.) Preuße«. Berlin, 1. Febr. Vor Kurzem ist einem jüdischen Lehramtscandidaten, welcher das Oberlehrer- Examen bestanden hatte und nun das Probejahr an einem hiesigen Gymnasium antreten wollte, die Erlaubniß dazu versagt woroen. Zu bemerken ist, daß das Probejahr keine Anstellung bedingt, sondern als ein wesentlicher Theil des Examens zu betrachten ist. Brombevft. Wir erlauben uns aus folgende Bekanntmachung der kgl. Regierung aufmerksam zu machen: „Der Privatgelehrte Julius Kossarski in Bromberg hat neuerlich „Sagen des Morgenlandes" herausgegeben, die von ihm nach talmudischen und andern hebräischen Quellen bearbeitet und durch Anmerkungen erläutert sind. Es zeichnet sich dies Buch, das in Berlin bei Adolph u. Comp. 1852 erschienen ist, durch die vorzüglich sorgfältige Auswahl jener Sagen nach ihrem sittlichen und religiösen Inhalt, sowie durch die würdige und eben so klare als einfache Sprache, in der sie vorgetragen sind, sehr vortheilhaft aus. Wir empfehlen dasselbe den Schulvorständen und Lehrern zur Anschaffung für die Lehrbibliotheken bei den Schulen als ein sehr geeignetes Lesebuch für die Jugend. Insbesondere aber werden zu solchem Zweck die jüdischen Schulvorstände und Lehrer unseres Departements auf die Anschaffung dieses Buchs, hinsichtlich des nationalen Geistes, der darin herrscht, aufmerksam gemacht. Bromberg, den 13. März 1852. Kiinigl. Regierung, Abtheiluug detz Innern. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 29. Jan. Die jüdischen Gemeinderäthe sind von der Mitberathung des Gemeindestatuts unter Protest zurückgetreten. Rodakowski's Antrag, die judenfeindlichen Bestimmungen zu streichen, wurde einstimmig verworfen. (Presse.) Wiett, den 31. Jan. Vom Lemberger Gemeinderathe wurde der Antrag Or. Rodakowski's auf Annahme des Grundsatzes der Gleichberechtigung der Juden, wie bereits berichtet, einstimmig abgelehnt; der Antrag Dub's auf Streichung einiger speciell gegen die Juden gerichteten Stellen wurden ebenfalls verworfen. Diese Stellen normiren das Zahlenverhältniß der christlichen und israelitischen Mitglieder auf 85: 15, bestimmen, daß der Bürgermeister und der erste Vice-Bürgermeister Christen sein müssen, und vindiciren das ganze Vermögen der Stadt mit Einfluß des Propinationsrechtes und des Eigenthums der öffentlichen Plätze den! Christen. Der Alltrag Jablonski's auf ausdrückliche Scheidung der Lemberger Stadtgemeinde in eine israelitische und christliche Gemeinde hatte eine beträchtliche Stimmenzahl für sich, konnte aber die Majorität nicht erlangen. Hunrpoletz (Böhmen), im Januar. In dem Entwurf der Cultusordnung für Böhmen gibt es so viel Spreu ouß in in das Gute oder überhaupt das Neue vergebens sucht. Geht man das ganze Elaborat durch, so fällt einem unwillkürlich die Frage auf: Warum und wozu ist dieser ganze Entwurf geschaffen? Wäre es nicht besser gewesen, zu warten, bis die Regierung einen Entwurf verlangt und dann ein Gesammtentwurf für den ganzen Kaiserstaat ausgearbeitet werde? Warum sollen wir Juden Böhmens, Mährens, Oesterreichs rc. rc. in jedem Kronlande eine verschiedene Cultusordnung haben? Würden die Israeliten Oesterreichs sammt und sonders sich einigen und ihre Cultusangelegenheiten gemeinsam bearbeiten, so könnten gar schöne gottgefällige Werke zu Stande kommen, während ein Kronland vereinzelt z. B. nicht in der Lage ist, ein jüdisches Seminar zu errichten, besonders nachdem es den weiland Steuereinehmern in ihrem alten selbstherrscherischem Dünkel gefallen hat, ohne Vorwissen derer, die ihr Geld hergeben mußten, für das vorhandene Vermögen von einer viertel Million ein Waisenhaus zu errichten. Daß eine solche Cultusordnung in Miniatur sogar zu Konflikten und zur Trennung der