Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1863)
- Date
- 1863-02-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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69 zu geleiten. Bei der Beschaffenheit unserer Zustände kann sich der ausschließliche Talmudlehrer unmöglich erhalten neben dem Schullehrer, der selbst mit Nahrungssorgen zu ringen hat. Trachten lwir daher, daß unsere Lehrer eine Ausbildung erhalten-, die sie in den Stand setzt, dem hierzu geeigneten Theile der Schuljugend die ersten Elemente des Talmuds beizubringen, damit der aus der Schule tretende Knabe befähiget sei, dem Schiur des jeweiligen Localrabbiners mit Hilfe eines Correpetitors beizuwohnen. Lehrer und Rabbiner werden diesen Berührungspunkt gern benützen, um sich gegenseitig die Hände zu reichen. Wir aber mögen uns vor der Hand damit begnügen, wenn in jeder Gemeinde Jünger entstehen, denen die talmudische Literatur einigermaßen geläufig ist. Die Zeit wird in verwandeln und dem traditionellen Jndenthume mächtige Stützen schaffen. Was die gedachten casuistischen Correspondenzen betrifft, so könnten dieselben vorläufig am besten durch den directen, persönlichen Verkehr ersetzt werden. Wir bespötteln (?) die Chasidäer, die sich in gewissen Perioden um ihre Heroen schaaren, um aus der wechselseitigen Conversation einen Vorrath von Begeisterung für ihre Lebensanschauungen zu schöpfen. Wir thäten besser daran, ihnen hierin nachzuahmen, natürlich in anderer Weise und zu andern Zwecken. Die Constituirung periodischer Rabbinerconferenzen, gehörig vertheilt nach entsprechenden Gegenden, verdient sicherlich ,die wärmste Empfehlung. An Stoff zu Verhandlungen kann es bei der Fülle obschwebender der Lösung harrender religiöser Fragen nicht fehlen. Vor Allem aber müssen die Scheidewände der Jsolirung zwischen Nabbinen und Gelehrten niedergeriffen und die Lust zur Thätigkeit wach gerufen werden. Dies könnte durch eine baldige Versammlung einer imposanten Zahl von Rabbinen und Fachmännern zum Behufe der Ermittelung eines Gedankenaustausches über die zu beobachtende Haltung am zweckmäßigsten bewirkt werden. Eisenstadt*) scheint mir aus mehrfachen Gründen zur Bewerkstelligung dieser ersten Vereinigung geeignet zu sein. LmLunel Bez -Rabbiner. Frankreich. Aus Frankreich, Mitte Januar. Ueber den französischen-schweizerisch Handelsvertrag, über welchen ich Ihnen unlängst berichtet und welche Correspondenz Sie in Nr. 2 Ihres geschätzten Blattes ausgenommen, sind die Verhandlungen bereits soweit gediehen, daß die Commissäre, die darüber zu verhandeln haben in der Schweiz nunmehr zusammengetreten sind. Französische Zeitungen melden den Gang der Verhandlungen. Entnehmen wir einer solchen Correspondenz folgendes Schlußwort: „Aber außer den Tarifdiskussionen wird Frankreich noch andere Fragen mit uns zu lösen haben. Es wird fordern, daß wir seine Unterthanen in allen Cantonen auf dem nämlichen Fuße behandeln wie die übrigen Franzosen. Dies Begehren wird hoffentlich bewilligt werden. Es ist Zeit, daß von dem freien Boden der Schweiz abgeschmackte und unmenschliche Beschränkungen schwinden, welche sie entehren. Die Cantone, wo diese Ueberreste von Barbarei und Unwissenheit noch bestehen, werden sich beeilen, die Gelegenheit zu benutzen, um sich für immer derselben zn entledigen."— Es werden jedoch entgegengesetzte Stimmen darüber hörbar. Auch die Gegenpartei ist nicht ganz unthätig, um wie vor Jahre so auch jetzt die Emanzipation zu Hintertreiben. Hoffentlich wird jedoch die Bevölkerung ihr Interesse nicht so weit verkennen, um sich wiederholt dem Abschlüsse eines Handelsvertrags eher zu wiedersetzen als den Juden die gebührenden Freiheiten zu ertheilen, wie sie dies vor 3 Jahren mit Nordamerika gethan. 0 Feuilleton. Geschichte der Juden zu Halle an der Saale. (Fortsetzung.) 1730 waren hier 50 jüd. Familien, die mit Frauen, Kindern und jüdischem Gesinde 350 Seelen Wähle man irgend einen Ort, welcher an der Eisenbahn liegt