Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1863)
- Date
- 1863-02-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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58 zeige ward bei der Behörde gemacht, welche die gerichtliche Obduktion anordnete, die aber nach dem Parere der Aerzte es constatirte, daß das Kind nicht etwa ermordet worden, sondern eines natürlichen Todes gestorben sei. Nachdem man dasselbe auf 24 Stunden in ein Zimmer gebracht, wurde es vom katholischen Pfarrer eingesegnet und auf dem katholischen Friedhofe beerdigt. Am 5. Januar brachte man vom Lande eine Kinderleiche, um sie in dem jüdischen Friedhofe zu beerdigen; bei vorgenommener Vermessung gewahrte man das Grab eines am 20. Dez. v. I. verstorbenen und am 21. Dez. beerdigten 8—10 Jahre alten Mädchens eines armen Schneidergesellen Namens Diamant offen, das bei den Juden übliche, mitgegebene Erd- und Fußsäckchen aufgerissen, zu beiden Seiten des Grabes zeigten sich Spuren verkohlten Holzes, das zum Hineinleuchten gedient haben mag. Man schöpfte sogleich die Vermuthung, daß die am 1. Januar aufgefundene Leiche keine andere als die des Diamam'schen Kindes sein möge. Sogleich wurde die Sache dem Oberstuhlrichter, dem Ortspfarrer und dem Rabbiner zur Kenntnis; gebracht. Am 7. Jan., Nachmittags, begab sich eine Commisssion, bestehend aus dem Stadtrichter, 2 Geschwornen, dem Vorsteher der Chebra-Kadischa, dem Vater des Kindes und zwei Frauen, die das Kind nach jüdischem Ritus beerdigt hatten, auf den katholischen Friedhof. Die am 1. Januar aufgefundene Leiche ward ausge graben, als das Kind des Diamant erkannt und hierauf ohne Widerrede des geistlichen Herrn in den jüdischen Friedhof übertragen und in seine frühere Ruhestätte gebracht. Nun war nun aber gespannt, aus welchem Motive die Grabesentweihung verübt worden sei? Auch dieses Problem fand seine Lösung. Einige Tage nach der ersten Beerdigung des Kindes gingen jüdische Frauen auf den Friedhof, um für ein Brautpaar zu beten. Da deutete eine auf das frisch aufgeworfene Grab und rief mit Anspielung auf den Familiennamen des Kindes: „Seht ihr, dort liegt ein Diamant begraben." Dieses Wort von einem allzufeurigen Diamantenfreunde mißverstanden, war zum Verbrechen die nächste Veranlassung. Einen sehr lobenswerthen Takt bewiesen bei dieser Affaire der Oberstuhlrichter und die katholische Geistlichkeit. bringt folgende vom Polizeirathe Rosst in Verona ihm zugegangene offizielle Berichtigung: Unter der Aufschrift: „„Ein neues Mortara-Kind in Verona erzählen einige Blätter eine Anekdote von einems" denkmde, welches von katholischen Geistlichen und sogar unter Assistenz der Polizeibehörde gewaltsam zur Taufe gebracht worden sei. Auf Grund genauer Nachforschungen wird erklärt, daß diese Erzählung unwahr ist, und es scheint, daß dieselbe durch den einfachen Umstand veranlaßt worden sei, daß eine hierortige israelitische Dame, welche in Erfahrung gebracht hatte, daß ihre von Geistesverwirrung heimgesuchte Magd ihr (der Dame) siebenjähriges Kind heimlich der Taufe unterzogen zu haben behauptete, aus Furcht vor man weiß nicht welchen Folgen, sich bewogen fühlte, dieses Kind zu einigen ihrer Verwandten fern von Verona zu bringen. Rußland. Petersburg. Die jüdische Secte der Karaiten, welche die rabbinische Tradition und den Talmud verwirft und nur den Buchstaben der heiligen Schrift als maßgebend anerkennt, hat eine bedeutende, meist exegetische und polemische Manuscripten-Literatur in arabischer und hebräischer Sprache. Zwei Juden dieser Secte, die Brüder Firkovich, haben seit 30 Jahren, wie der Nat. Ztg. aus Petersburg gemeldet wird, ihre Müde darauf gewandt, karailische Manuscripte und Grabschristen (letztere zum Theile in photographischer Nachbildung) zu sammeln, deren manche bis vor der: Anfang der gewöhnlichen Zeitrechnung (?) hinaufreichen. Die kaiserlich russische Bibliothek hat diese Altertdümer an sich gebracht, und nach den übereinstimmenden Aussagen weltberühmter Specialisten (Tischendorf in Leipzig, Akademiker Dorn in Petersburg, Olshauseu irr Berlin u. A.) kann die Authenticckät der aufgefundenen Manuskripte nicht angezwerfelt werden. Die Collection umfaßt 47 Nollerr Manuscripte aus dem Pentateuch auf Leder und Pergament, 77 Exemplare des alten Testaments, 23 Uebersetzungen desselben in orientalischen Sprachen, 272 Werke karaitrscher Gelehrter, 523 rabbi nische Werke, 250 historische Werke, 722 G abschriften 300 Werke betreffend die Geschichte der Karaite. im westlichen Rußland, und ungefähr 300 Pläne ehemaliger Festungen Neu-Rußlands. Verona, 19 Jan. Das „Giornale di Verona"