Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1863)
- Date
- 1863-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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54 von Menschen mit Pässen versehen und zum Fortgehen aufgefordert werden. Sollte irgend einer nach geschehener Notifikation zurückkehren, so wird er verhaft^ und als Gefangener behandelt werden. Es sollen aber diesem „Volke" keine Pässe gegeben werden, die Hauptquartiere zu besuchen, unter dem Vorwände persönliche Gesuche für erlaubte Geschäfte anzubringen." Auf Ordre des Generalmajors: 6 1' N II 1. Natürlich mußte die Ausführung dieser Ordre das furchtbarste Elend über eine Menge rechtschaffener, fleißiger und loyaler Familienväter bringen; in Paducah allein wurden dreißig Familien, innerhalb 24 Stunden „ausgelrieben." Man sagt, daß General Grant zu dieser grausamen Maßregel dadurch veranlaßt worden, daß er in den Juden bei seinen Privat-Specnlat>onen in Baumwolle Concurrenten gefunden. Auf geschehene Reclamation wurde diese schmachvolle Ordre allerdings vom Präsidenten Lincoln wieder ausgehoben; allein ohne daß General Gr. die verdiente Bestrafung erhalten Härte. Ja, das offizielle Organ des Prästoenten, das ^VaLliiugton-Gbroliielo, suchre durch Schmähungen auf die Juden, durch Schmähungen der lächerlichsten Art den barbarischen General Grant zu entschuldigen; da das offizielle Organ gegen die jetzt lebenden Inden nichrs Tyatsächliches vorzubringen weiß, so wirft es ihnen ihre Abstammung von Jakob vor, der seinen Bruder betrogen habe! Weiß denn dieses offizielle Organ des Präsidenten einer frommen christlichen Nepublick so gar Nichts von der Bibel, weiß es nicht, daß der Erzvater Jakob, „der Erwählte des Herrn" ebensowohl dem Christenihume wie dem Judenthume eine heilige Persönlichkeit ist? Man sieht, in was für Händen die Regierung der ehemals vereinigten Staaten sich befindet und wundert sich nicht mehr über die dortigen Vorgänge, die vordem die Welt mit Staunen erfüllten. Eine solche Corruption muß in Bürgerkrieg und allgemeinem Elende gipfeln. Noch mehr; der Abgeordnete Pendleton brachte diese Vorgänge vor das Haus der Repräsentanten! und stellte den Arrtrag, das Haus möchte über das Verfahren des Generals Grant feine Mißbilligung aussprechen. Das Haus ging mit 56 gegen 53 Stimmen zur Tagesordnung über.! Hätte General Grant einen Juden, oder viele Juden bestraft, selbst unrechtmäßig bestraft, unsere - Entrüstung würde nicht so groß sein. Es geschieht! leider viel Unrecht in der Welt gegen die Hilflosen! und Schwacher!. Daß er aber die Juden als eine! Clafse zusammenfaßt und diese aus ihren Wohnun- > j gen, aus ihrer Heimath vertreibt, sammt und son-! ders binnen 24 Stunden vertreibt, ohne auch nur j zu unterscheiden zwischen etwaige Schuldige und > sicher Unschuldige, das ist eine Barbarei, die ihresgleichen nicht hat, das ist eine Religionsverfolgung, wie sie seit Jahrhunderten nicht vorgekommen. Daß das offizielle Organ der Regierung den modernen Haman in Schutz nimmt, daß die Repräsentanten! des Nordens darüber zur Tagesordnung übergehen konnten, das sind Votommnisse, welche den Nord-! staaten Amerikas nicht zum Segen gereichen werden. Man sieht, daß die vorgeschobene Humanität des Nor-! dens eben nur vorgeschoben und nichts als eitel Dunst ist. Die Sympathien der Inden in der ganzen W.lt werden sich dem Norden abwenden und der Segen Gottes wird die Waffen nicht begleiten, welche sich durch Verletzung der heiligsten Menschenrechte besudeln. Unsere Glaubensbrüder in der Nähe und der Ferne wollen wir aber bei diesem Anlasse wiederum ermabnen, daß sie ihr Vertrauen nicht in die Humanität des Zeitalters setzen, sondern in Gott, den Allmächtigen allein und daß sie ihre Stärke einzig in der Religion der Väter und dem durch die gewissenhafte Beobachtung der Gottesgesetze verdienten Gottesschntz suchen und finden. Uns fällt hierbei eine Geschichte ein, die wir unsern Lesern erzählen wollen Der Redacteur dieser Blätter hatte dereinst — er war damals Student — bei der Hochzeit eines Verwandten eine Tischrede gehalten, in welcher er unserer Nationaltrauer und unserer Nationalhoffnungen gedacht hatte — bp onbLw-n rix nb. Ein anwesender Reformrabbiner kam nach dem Schluffe der Rede zu ihm und sagte: „Sie haben sehr schön gesprochen, nur ein wenig zu schwärmerisch. Wissen Sie, was meiner Ansicht nach „Moschiach" ist? Das ist Amerika." Der Angeredete konnte sich des Lächelns über den naiven Reformjünger nicht enthalten, wiewohl es ihn tief schmerzte, daß die religiösen Angelegenheiten einer ganzen Provinz mit vielen jüdischen Einwohnern in die Hände eines solchen „Europamüden" gelegt sind. — Nach den obenerwähnten Vorgängen, wird wohl auch jener Rabbiner zugestehen, daß wenigstens nicht Amerika der ersehnte „Moschiach" ist - und auch kein anderes Land, überhaupt kein Land, sondern der Gesalbte Gottes, welcher unsere Zerstreuten sammeln wird von allen Enden der Erde, den Unterdrückten Recht zu verschaffen, das Gotteshaus wieder aufzubauen und Heil und Segen der ganzen Welt zu bringen. Dann wird es keine „General Grant" mehr geben. —