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Der Israelit · 1863-01-28 · Heft 4 (28.1.1863) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 4 (28.1.1863)
Date
1863-01-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Zweite Beilage zu Rr. 4 des Israelit. F-uill-to«. Wo tief vom Berg Ephraim schaut Auf Ramas Flur, auf Bet—els Auen nieder Die Palme und die Vöglein laut Auf ihrem Wipfel trillern frohe Lieder, Da saß des Volkes Richterin Lapidot's edles Weib auf hohem Throne, Ein Weib voll Muth und Mannessinn Des ganzen Landes Perle, Schmuck und Krone. Hier zogen Jsra'ls Männer her, Um zu vernehmen Gottes hohe Lehren; Und wen die Sorge drückte schwer, Er kam herbei, um weisen Trost zu hören. Und Keiner ging, der nicht erreicht, Wonach zur Landesmutter er gekommen: Von ihr ward jedes Herz erweicht, Und jedem Herzen sanft der Schmerz benommen. Einst eilte in den Palmenhain, Früh als vergoldet standen Berg' und Hügel, Das Volk in Schaaren, Groß und Klein, Die Angst verlieh dem schlaffsten Fuße Flügel. Denn wie des Stromes wilde Wuth Herbei sich drängt, die Saaten zu ertränken, So kam der Feind mit trotz'gem Muth, In s Meer des Unglücks Jsra'l zu versenken „Deborah! weh! der Feind rückt an, Ein Löwe schnaubt er gegen schwache Heerden, Entsetzen fasset jeden Mann, — Sag an! was soll aus deinem Volke werden? Der Schrecken trieb uns in den Wald O flehe, Mutter, zu dem Unsichtbaren! Er sende gnädig Rettung bald Uns, laut umbraust von Fluthen der Gefahren!" „„Nicht ziemt dem Manne solch ein Wort, Wenn seinem Vaterlande drohen Waffen; Sein Arm ist seines Hauses Hort, Und für sein Haus darf nie sein Arm erschlaffen! Mit Muth ergreife er das Schwert Und schwing' es kühn in Kampfesungewittern; „Für's Vaterland bin ich bewehrt!" So mahn' er sich, wenn schon die Knie' ihm zittern."" „„Ihr steht? Noch immer um euch bang? Noch immer sehe ich lebend'ge Leichen? Stimmt Niemand an den Kriegsgesang? Gibt Keiner zu dem Heldenkampf das Zeichen? So lernt von einem Weibe heut', Des Herzbluts letzten Tropfen hinzugeben, Wenn es das Vaterland gebeut Zu kämpfen und zu opfern ihm das Leben."" So sprach begeistert sie und ging. Bald stand sie im lichten Waffenglanze. Ein Schwert an ihrer Seite hing, Die zarte Hand trug eine wucht'ge Lanze. Ihr Haupt bedeckte strahlend Erz. Der Köcher barg die Pfeile, scharf befiedert; Und in ihr schlug ein edles Herz, Ein Herz, das gern der Freiheit Gruß erwiedert. „Das ist sie nicht!" die Menge sprach, So muthig kann ein Weib sich nimmer zeigen." „„Deborah bin ich! folgt mir nach, Wer sich bekränzen will mit Lorbeerzweigen. Doch für das theure Vaterland Soll in des Krieges Flammen sich nicht wagen, Weß Fuß der jähe Schrecken bannt, Wen bei der Feinde Anblick fastet Zagen!"" Wie eine Gottesstimme drang Das Wort Deborah's ein in's Herz der Menge. Nur um des Landes Freiheit bang Anstimmte sie ermuthigt Schlachtgesänge: „Wir ziehen in die heiße Schlacht, Von unserm Herzen fern ist jedes Grauen; Und ist auch groß des Feindes Macht, Auf unfern Gott, auf unser Schwert wir bauen!" Der Sang ertönte himmelan, Auf brach das Volk zum Kananiterkriege. Des Landes Mutter schritt voran, Sie führte es zum Ruhme und zum Siege. Geschlagen floh des Feindes Heer, Verstümmelt auf dem weiten Felde lagen Sein Köcher, Bogen, Pfeil und Speer, Sein Helm, sein Schild, sein Panzer und sein Wagen. Und zu Deborah eilten hin Vom Kampf ermattet Jsra'ls Kriegerschaaren. „Deborah! Weib voll Edelsinn! Du hast befreit uns heute von Gefahren. Für dich schlägt unser Herz allein, Es singt der Mund dir frohe Dankeslieder: „Noch lang' begrüße dich der Hain Als weise Mutter treuer Heldenbrüder!" ,,„O Kinder! Dank nicht mir gebührt, Nein! er gebührt dem Herrn im Himmel droben. Er hat uns in die Schlacht geführt, Mit Sieg gekrönt. Auf! lastet ihn uns loben. Hier, wo die Jugend Kanans fiel, Laßt ihm zu Ehren bald uns niederknieen, Sein Lob verkünde Saitenspiel Und Harfensang in Freudenmelodien!""

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