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Der Israelit · 1863-01-28 · Heft 4 (28.1.1863) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 4 (28.1.1863)
Date
1863-01-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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48 Kampf ein. Da erhob der gefangene Heerführer die! Hände gen Himmel und richtete seine Worte an! seine Soldaten.! Wie groß ward jedoch das Staunen des englii schen Kapitäns, als er den gefangenen chinesischen Helden in reinem, correktem Hebräisch sprechen hörte! § Der Vater des englischen Kapitäns war selbst Jude, j und da er die Sprache seines Volkes lieble, so ließ er auch seinen Sobn darin unterrichten. Darum war es ihm jetzt möglich, die Worte des Chinesen zu! verstehen und in dieser Sprache mit ihm zu verkehren. Nachdem er des Chinesen Worte vernommen, trat er zu ihm hin und redete ihn in hebräischer Sprache mit folgenden Worten an: Wenn Du mein Glaubensbruder, ein Jude, wie ich, bist, so sage mir, woher Du kommst, und welche Leute Dir folgen. Da gab der chinesische Jude zur Antwort: Schwöre mir zuerst, mich frei zu geben; dann schwöre ich Dir bei dem Gott unserer Väter, daß Dir von meinen hier versammelten Leuten, die schon bereit stehen, sich zum zweiten Male mit noch stärkerer Heereemacht gegen Dich zu versammeln und Dir Vernichtung zu bereiten, kein Leid widerfahren soll; auch werde ich Dich alsdann in meine Residenz bringen und Dich meinem Volke, welche Juden, wie Du und ich sind, rorstellen. Gerne ging der Kapitän aus diesen Vorschlag ein. i Hieraus wanderten sie in Begleitung einiger Leute! von der Schiffsmannschaft weiter, und die noch kurz? vorher feindseligen Chinesen folgten mit freudiger j Theilnahme, als sie hörten, daß der Kapitän ein l Jude, wie sie, sei. So gingen sie nach der Stadt. Dieselbe war sehr groß, mit einer hohen Mauer, auf welcher sich viele befestigten Thürme befanden, umgeben. Die Einwohnerschaft, aus lauter Juden bestehend, belief sich aus 1,000,000. Tort erfuhr er, daß im ganzen chinesischen Reiche keine andere Juden,! als diese, welche sich schon vor undenklichen Zeiten , dort niederließen, befinden. i Sie stehen unter chinesischer Schutzherrschaft,! genießen aber die Privilegien eines selbstständigen! Volkes und zahlen nur einer: Tribut an den Kaiser? von China. > Sie leben und regieren sich nach eigenthümlichen! Gesetzen, treiben Handel nach allen Städten des in-! nern Reiches; jedoch steht ihnen das Recht nicht zu, ihr Landesgebiet zu verlassen und anderwärts eine Niederlassung zu gründen. An ihrer Spitze steht ein ' Fü'st. Derselbe führt den Vorsitz in dem aus 20! Mitgliedern bestehenden Senat. Dieser bildet die - legislative und richterliche Gewalt, sowohl in Streitsachen des Eigenthums, als auch bei Verbrechen. Zum Schutze der Stadt muß jeder junge Mann Soldat werden. Der^ erwähnte Held war damals der commandirende General. Ihre Religion ist die jüdische, nur weichen sie in manchen Dingen von den europäischen Juden ab. Den dritten Tag nehmen sie merkwürdiger Weise für den siebenten an und feiern ihn, wie wir unfern Saböat feiern. Ihre Bethäuser sind die schönsten und prachtvollsten im ganzen Reiche; alle sind nach korynthischem und gothischem Styl erbaut, verziert mit mancherlei schönen Thürmen Ein jedes dieser Bethäuser saßt 2000 Menschen; dieselben sind mit Glas gedeckt, getragen von Marmorseulen von verschiedenen Farben; an den Seulen hängen seidene Purpurteppiche an Schnüren von Byssus befestigt. Werden die Pforten geöffnet und die Teppiche in die Höhe gezogen, dann bestrahlt ein prachtvolles Licht die innere Räume. Der Tempel, welcher die heilige Lade enthält, ist prachtvoll. Sieben weiße Marmorstusen führen zu demselben hinauf. Brennende Lampen verbreiten ein beständiges Licht. In jedem der Bethäuser finden sich drei auf schönem Pergament geschriebene Gesetzrollen, die nur der Priester berühren darf. Die Frauen kommen nur an den Festtagen dahin. Im Allgemeinen sind ihre Gebräuche denen der übrigen Israel,ten ähnlich. Der Anführer und die Priester bemühten sich, ihm über alles Auffallende Ausschluß zu geben Da jedoch die Zeit drängte, so konnte sich der Kapitän nur ö Stunden dort aushalten. Zu seinem Leidwesen mußte er zu seinem Schiffe zurückkehren, ohne daß es ihm möglich gewesen wäre, über die Verhältnisse der dortigen Juden genauere Forschungen anzustellen. Beim Abschiede gaben sie ihm zum Andenken mehrere Geschenke, indem sie ihm bemerkten, daß es einem Europäer nicht so leicht gelingen würde, ein zweites Mal dahin zu kommen. Unter den Geschenken befindet sich eine in aramäischer Sprache auf Pergament geschriebene Thephilla. Der Kapitän hat dieses Buch in die Antiquitäten- Sammlung in London gelegt. Es ist daraus zu entnehmen, daß sich im Innern von China noch viele Juden befinden, deren Wohnsitze uns noch unbekannt sind. Vielleicht eröffnen sich im Lauf der Zeit noch andere Verkehrsstraßen für die Europäer nach China, so daß auch andere Reisende zu diesen Juden, die nicht den mindesten Verkehr mit Europa haben, gelangen und wir über ihre Geschichte eine größere Klarheit erhalten.

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