Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1863)
- Date
- 1863-01-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Erste Beilage z« Nr. 4 des Zöraelit. Zeitungsnachrichten n. Corrrsponteiyen. Deutschland Aus Kurheffen. Es ist jüngst in diesen Blättern des berühmten hessischen Geschichtsforschers Landau erwähnt worden, wobei gesagt wurde, daß derselbe ein Glaubensgenosse sei. Dieses Letztere beruht auf einem Jrrthnme. Wahrscheinlich hat der Einsender den Namen Landau mit Landauer verwechselt. 4V. Aus dem badischen Oberlande. Mit sehr lebhaftem Interesse folgt man hier der Entwickelung der Karlsruher Kämpfe; überall finden die Vorkämpfer des traditionellen Judenthums die lebhafteste Anerkennung; möchten sie recht beharrlich den rühmlichen Kampf auskämpfen! Sie können auf die Unterstützung der bei weitem größten Mehrzahl der badischen Israeliten zählen. Frankfurt a. M, den 20. Januar. Unsere Gemeinde hat eines ihrer würdigsten Mitglieder, Herrn David (Tewele) Schameß, verloren. Herr Sch. war nicht allein ein durch Frömmigkeit und Charakterfestigkeit, sondern auch durch talmudische Gelehrsamkeit hervorragender Mann; sein Verlust wird tief empfunden. — Die hiesige (Reform-) Ge- , meinde hat an die Stelle Stein's den Ultra-Reformer Or. Abr. Geiger von Breslau berufen; eine starke Agitation macht sich gegen diese Berufung geltend und soll die deßbezügliche Petition an den Gemeindevorstand bereits 300 Unterschriften tragen. —! Geiger ist geborener Frankfurter. Voraussichtlich! würde sein Aufenthalt in Frankfurt ebenso bedeu- > lungs- und wirkungslos sein, wie seine Thätigkeit (?) in Breslau. Geigers Zeit ist um; er hat sich überlebt. — Oe st erreicht scher Kaiser st aat Aus Oberungarn. Die von Herrn vr. Hildesheimer in diesen geschätzten Blättern Nr. 38, 39, 40, projectirte rabbinische Musterschule, die, wie er in Nr. 48 deutlicher erklärt, auch die unabweisbaren Forderungen der Zeit berücksichtige, wird in jüdischen I Kreisen 'viel und mit großem Interesse besprochen. Die hinreißende Kraft, mit der vr. H. die traurigen Zustände auf dem Gebiete der Religion schildert, hat sogar unter denjenigen, die sich weder um die gegenwärtigen Uebelstände, noch um die künftigen Eventualitäten kümmern, Viele aus dem Schlafe ausgerüttelt und zu lebhafter Theilnahme für die schwebende! Frage erweckt. Es wird seitdem darüber mit Eifer! debattirt und discutirt, und die Meinungsdifferenz bestand bis jetzt, so weit uns bekannt, bloß in Anerkennung und Nichtanerkennung derNothwendigkeit einer in Frage stehenden Rabbinerschule. Während! der Eine die unerläßliche Nothwendigkeit einer solchen darzulegen, und die Vortheile, die sich aus derselben ergeben würden, aufzuzählen sich bemühte, fand der Andere eine solche Anstalt entbehrlich, und die angegebenen Gründe, die eine solche erheischen, unbestätigt. Niemand jedoch hielt die Realisirung derselben für gefährlich, und die obigen Vorschlag Billigenden hätten es demnach höchstens nur mit passiven Gegnern zu thun. Aber der Artikelschluß des H. Bez.- Rabb. Salomon Ku tna in Nr. 51 d. Bl. hat einen rückwirkenden Eindruck gemacht. Wenn schon der Name „Seminar" bei Manchem Mißtrauen erweckt, so hat seine Motion, eines der Seminarien in Pesth zu errichten, Männer, deren hemmender Einfluß nicht zu verachten, Ln Harnisch gebracht. Man sieht, H. Rabb. S. Kutna kennt die Gesinnungen und religiösen Anschauungen, die unter den Israeliten Ungarns vorherrschen, da er in Nr. 46 sagt „daß die Meinungsdifferenz im Allgemeinen nicht so weit auseinandergeht, als man es den äußern Erscheinungen nach glaubt," aber er scheint doch „weit hinter der Wirklichkeit geblieben" zu sein, sonst hätte er keine solche Aengstlichkeit vor einem möglichen Reaction der Reformer gegen die Musterjeschibah, denn nur diese Aengstlichkeit hat diesen ehrwürdigen Mann die Worte „Seminar" „Pesth" dictirt; es ist nicht ohne Grund zu besorgen, daß er dieser Sache mit jenen wohlgemeinten Vorschlägen mehr Opponenten von dieser als Beförderer von der andern Seite zugezogen. Auch wir unsererseits haben dieser höchst wichtigen Frage eine genaue Erwägung gewidmet, deren Er-