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Der Israelit · 1863-01-28 · Heft 4 (28.1.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 4 (28.1.1863)
Date
1863-01-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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46 gebniß die Uebereinstimmung mit dem eigentlichen Vorschläge des H Or. H., jedoch aus ganz andern Beweggründen. Die von H. vr. H, zum Beweis der Notwendigkeit einer der Zeit anzupaffenden Rabbinerschule angeführten Facta, erscheinen uns theils nicht ganz begründet, theils, zur besprochenen Frage in keiner Beziehung stehend. Wir haben aber jede Polemik vermieden, da wir uns nicht berufen fühlen, die Abhandlung eines Hildesheimer unsererseits einer Beurtheilung zu unterziehen; auch erlaubten wir uns nicht von seiner gütigen Aufforderung, gegen ihn keine Rücksicht zu nehmen, Gebrauch zu machen, weil uns Geltendmachung unserer Ansichten, in Bezug auf die Frage selbst ganz gleichgiltig schien, indem wir seinem Anträge vollkommen beipfllchten, wenn auch 'Opvv xw. — Nun aber sehen wir, daß den Reformern in Ungarn, die jede Gelegenheit benützen, sich in der Oeffentlichkeit bemerkbar zu machen, zu viel Kraft zugemuthet wird, während die Orthodoxen, die irr stiller, bescheidener Zurückgezogenheit leben, nicht gebührend gewürdigt werden, wodurch erster e zu viel Berücksichtigung erhalten, und der ganze Plan des H. Or. H. Fiasco machen kann, Wir sehen uns daher zu folgenden Bemerkungen, die zugleich über Situationen der isr. Gemeinden, namentlich Oberungarns, einige Aufklärung verschaffen dürften, genöthigt. - H. I)i-. H. schreibt die Begebenheit, daß ein an rabbinischem Wissen leerer Lehrer in einer großen Gemeinde als Rabbiner engagirt wurde, dem Umstand zu, daß sich unter den echten talmudisch Gelehrten kein rhetorisches Talent vorsand, und macht die ganze Judenheit verantwortlich, wenn eine Gemeinde, „weil sie keine Jünger unter den echten fand, welche den gerechten Anforderungen des Jahrhunderts entsprechen, sich zufrieden geben muß, einen gebildeten Menschen anzustellen, der wenigstens fromm ist." — Wir aber glauben, daß die frommen Gemeinden Ungarns von ihrem Rabbiner vor Allem strenge Religiosität und echte rabbi nische Gelehrsamkeit verlangen; zeitgemäße Bildung wird zwar auch dringend, aber nur nebensächlich gefordert, und keineswegs hat Letzteres als Ersatzmittel für eines der Erstern Geltung. Es gibt wohl Gemeinden (nur sehr wenig im Verhältniß zu der enormen Zabl in diesem großen Lande,) die der den „Anforderungen des Jahrhunderts" gegenüber, einen untergeordneten Rang anweisen; diese sind aber in der Regel auch der entfremdet, und suchen grundsätzlich Neologen zu Rabbinen. Aber die nicht „übermüthigen" Gemeinden verdienen im Allgemeinen hinsichtlich der Wahl ihrer Rabbiner keinen Vorwurf; wohl aber hinsichtlich der Wahl ihrer Repräsentanten, (rpodurch sie dann freilich indirect an einer unglücklichen Rabbinerwahl schuld sind,) und hierin liegt das Geheimniß der jetzt so vielfach herrschenden Verwirrungen im Cultus- und Gemeindewesen; diese traurigen Zustände wurzeln hauptsächlich in der Geldaristokratie, der man in den Gemeinden zu sehr huldigt. Man ernennt ohne Bedenken die unter den Reichen sich findenden irreligiösen Individuen zu Vorstehern. Die Frommen glauben einen großen Fang gemacht zu haben, wenn der Vorsteher — durch die Ernennung zu diesem Ehrenamte hiezu veranlaßt — am Sabbat die Handlung an der Fronte schließt, keine Cigarre öffentlich raucht und dem Gottesdienst beiwohnt, und lassen sich von seiner scheinbaren Bekehrung in den Schlaf lullen; bald aber erwachen sie, geweckt von der eisernen Hand dieses neuerungs- und modesüchtigen Vorstehers, der in seiner diktatorischen Verfahrungsweise keine Grenze kennt, Tempel nach eigenem Geschmack erbaut, Rabbiner nach eigenem Gutdünken creirt, und wenn dann ein kleines Häuflein Gottbegeisterter (denn die mit Aufopferung für die heilige Sache Eifernden fallen selbst in orthodoxen Gemeinden selten allzuschwer in die Wagschale ,) dem Rechte Schutz suchen und eine gerichtliche Entscheidung beanspruchen, so wird die große Zahl derjenigen, die den Muth nicht haben, für ihre Ueberzeugung zu kämpfen und zu ringen und sich dem Haffe und den Verfolgungen des mächtigen Vorstehers und Consorten auszusetzen, zu den mit der Gemeindeverwaltung Zufriedenen gezählt. —! Möchten doch die noch nicht geprüften Gemeinden durch den Schaden der bereits geprüften klug wer-! den, und vorsichtig bei der Wahl ihrer Vertreter? sein oder ihnen nicht zu viel Macht einränmen, daß - z. B. ein Rabbineramts-Bewerber, der durch seine > Vorträge die Gemeinde für sich enthusiasrnirt, nicht > gegen ihren Willen vom Vorsteher abgewiesen werde,; weil er so einfältig oder aufrichtig war zu gestehen,! daß er mit Leib und Seele der Tradition anhange

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