Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1863)
- Date
- 1863-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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41 lichen Verzierungen ausstattet und dann spricht: „Das ist Dein Gottesdienst, Israel!" Da haben wir wieder den alten Wahn des alten Israels, welches neben dem Opferdienste alle Sünden begehen zu dürfen glaubte, in moderner Gestalt. — Man könnte freilich sagen: weil dem Gottesdienste Vas Haus verwiesen wurde, flüchtet er sich in die Synagoge; aber welche Täuschung! Vergebens sucht und findet man Religion im Gotteshause, wenn sie nicht im eigenen Hause sorgfältig gepflegt wird, geschweige, wenn maisi nur Stunde per Woche seine Aufwartung dort macht, oder gar nur „an den hohen und höchsten Feiertagen" bei einem Galla-Empfang sich dort einfindet. Religion und Gebet stehen in gegenseitiger Wechselwirkung; Eines ergänzt das Andere. Die innere Religion drängt zum Ausdruck im Gebet, aber auch in andern Religionsübungen; diese stärken und beleben wieder die innere Religion. Kehrt man aber dem häuslichen Gottesdienste, den dem Israeliten vorgeschriebenen religiösen Uebungen den Rücken; richtet man sich nicht mit israelitischen Gedanken, mit israelitischen Werken zum israelitischen Gebet und wird der israelitische Gottesgedänke einzig und allein vom öffentlichen Gottesdienste erwartet: so muß ihm schon psychologisch eine nachhaltige Wirkung rund abgesprochen werden, wäre er auf Ohren- und Augenschmaus noch so genau berechnet. Gute Menschen mag er vielleicht bilden; aber „gute Jehudim" keineswegs. Verbittet man sich doch nach allen Regeln des Anstandes seine Gesellschaft, wenn er sich erbietet, den Andächtigen nach Hause zu begleiten. — Aber die Predigt, die überzeugende und erbauende Predigt? Ja, diese könnte freilich überzeugen und erbauen, wenn das häusliche Neligionsleben keinen so krassen Widerspruch böte; wenn dieses nicht mit geschäftiger Hand allen Eindruck der Predigt verwischte; wenn nicht, wie man jetzt nicht selten vernimmt, von Seiten der Reformer dafür gesorgt würde, daß, um eben diesen Widerspruch auszugleichen, nur vertragsmäßig gepredigt werde, d. h. nur solche Thesen aus die Kanzel zu bringen sein, welche in ihrer Unschuld (?) keinen speziell israelitischen Neligionsgegenstand berühren und ebenso für eine Kirche, wie für eine Moschee verwendet werden können. Oder sollte gar der Prediger selbst einen Vertrag eingehen, wie z. B. Jener, der die Konzession vorschlug, an Sabbaten und Feiertagen wenigstens während des öffentlichen Gottesdiestes das Gewerbe ruhen zu lassen u. m. dgl.? Eine Einwendung der Reformer aber bleibt noch übrig, die wir auch nicht überhören wollen. „Wie könnet ihr (Orthodoxen) uns zumuthen, in einer Sprache mit euch zu beten, die uns fremd ist, die sich schon längst überlebt hat; wie ist da Andacht möglich? B ten wir hingegen in einer uns verständlichen Sprache, so beten wir doch; und wenn das Gebet auch nicht alle wünschenswerthe Erfolge hat, so bleibt es doch nicht so ganz erfolglos, wie ein Gebet, welches blos Lippenwerk ist." Also sprechen unsere Brüder einer andern Richtung. Wir aber entgegnen wie folgt: Das Gebet ist der Ausdruck des von uns erkannten Verhältnisses zwischen Gott und uns (sowohl zum Individuum, als zur Gesammtheit). Nur Derjenige betet recht, wer dieses Verhältniß richtig aufgefaßt (so weit es ein Mensch vermag) und demselben auch den möglichst richtigen Ausdruck verleihet. Wo anders aber als in der heiligen Schrift wird uns das Verhältniß zwischen Gott und uns gelehrt und welchen bessern, richtiger» und sicherer» Ausdruck für diese Erkenntniß könnten wir wählen, als wiederum aus der heiligen Schrift? Wir müßten ja Gefahr laufen, wenn wir Inhalt und Ausdruck der Gebete nicht aus dem Quell der höchsten Weisheit schöpften, irre zu gehen und die wesentlichsten Momente des uns so sehr wohlthuenden Verhältnisses aus unfern Gebeten zu verlieren, womit auch der Werth der Gebete verloren wäre. Da nun unsere Gebetordnung fast ausschließlich aus Bibelstellen zusammengesetzt ist, so begreift Jeder, der Kopf und Herz hat für das israelitische Gebet, daß für dieses erhabene Mittel zu einem gleichsam nähern Umgang mit Gott kein Aequivalent, kein Surrogat geboten werden kann. Das hebräische Gebet ist so eng mit dem Judenthum verwachsen, daß das gesetzestreue Juden schon in der Verstümmelung des Erftern eine Gefahr für das Letztere erblicken und lieber einen Synagogenbau aufgeben wird, wäre es auch noch so dringend geboten, als ihr hebräisches Gebet. Sie sprechen vielmehr zu den Neformfreunden: kb (Esra 4, 3). Möchtet ihr doch zu der Einsicht gelangen, was euch am Kern des Judenthnm abgeht, wenn ibr das hebräische Gebet in Abgang dekretirt und daß für Juden ein Gebet in einer andern Sprache eben die Krankheit der Zeit, des Hebräischen unkundig zu sein, nur noch sicht- und fühlbarer macht, wenn nicht gar vergröbert. Traurig genug, wenn ein Jude sein Judenthum nur von Hörensagen kennt;*) trauriger noch, wenn ein Unkundiger sich anmaßt, ein vollgiltig-sein-sollendes Urtheil in Dingen von höchster Wichtigkeit abzugeben; am traurigsten aber, wenn solch ein schwer Erkrankter vermeint, mit der Beseitigung der Svmvtome sei die