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Der Israelit · 1863-01-28 · Heft 4 (28.1.1863) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 4 (28.1.1863)
Date
1863-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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38 Behauptung ist wohl nicht zu gewagt, daß Derjenige, welcher frech die Sabbatruhe verletzt, es nie empfunden, nie begriffen hat, was es heißt, am Sabbat zu ruhen. Die Religion Israels ist eine Religion der That. 2^2,-, nicht der Glaube allein, nicht der Gedanke, nicht das Wort allein macht uns zu Juden, sondern die That, freilich die vom Glauben, vom Gedanken durchdrungene, die vom Worte begleitete That — aber doch die That; sie ist der lebendig gewordene Gedanke , die sich in der Außenwelt bewährende Idee. Thaten sind alle unsere Mitzwoth, die Träger aller erhabenen Gedanken, die uns stützen und ausrecht erhalten. Auch Alles, was der Sabbat uns ist und uns sein soll, all fern Segen und all der Reichthum und all die Glückseligkeit, die er uns bringt, knüpfen sich an die den Sabbat ausmachenden und begleitenden Mitzwoth. Wie wir die Sabbatruhe begehen sollen in geistiger Erhebung, das zeigt uns rw2' -2, das Sabbatlicht, 2/NI7, die anerkennende Erwähnung, daß Gott ist Schöpfer des Weltalls und Heiliger des Sabbats, 70'pri, die für den Sabbattag bestimmten Gebete .-nn->,-i und.das Lesen der Wochenabschnitte in der Gotteslehre. Wie unser Körper genießen soll der Sabbatruhe, das zeigt uns O'2^n-i das Verbot des rastlosen Schwedens an Sabbat, -nv'x, das Verbot der Arbeit, -o2'r<, das Verbot des Redens von alltäglicher Beschäftigung. Wie wir uns durch das Irdische hindurch zum höchsten geistigen Leben emporschwingen sollen, das lehrt uns die Art und Weise des für den Sabbat gebotenen Genußes. I. Der Tag der Sabbatruhe ist für Israel und damit für die Welt ein Tag des freudvollen Lichtes, er ist das Licht der Welt. Wie die Seele das im Menschen leuchtende Gotteslicht, so ist dieser Tag der Ruhe das die Alltagszeit durchleuchtende Gotteslicht, und deßhalb ist das Licht die erste Feier, mit der wir die Sabbatbraut begrüßen — es leuchte uns zur Einkehr bei uns selbst. Wie oft ist der Mensch in Gefahr, sich selbst zu verlieren, sein selbst zu vergessen ob all des Schaf-! fens und Treibens, das ihm nicht Rast gönnt die! ganze Woche hindurch! Er sorgt für Alles, für Speise und Trank, für Wohnung und Kleidung, für! Weib und Kind — nur an sich selbst zu denken hat er nicht Zeit, die Wucht des Lebens drückt ihn da nieder, gönnt ihm keinen Einblick in sein höheres Leben, gönnt ihm kein Gefühl für geistiges Bedürfnis; — siehe, da schließt die Gotteslehre es ab das Drängen und Treiben, weist ihn zurück in seine enge Behausung, gebietet ihm nachzulassen vom Alltagswerk und Körpersorge; abgebrochen wird Alles, was ihn beschäftigt, ihn beengt; er eilt ins Gotteshaus und bei der Rückkehr in seine Behausung, da grüßt ihn das freundliche Sabbatlicht, das indessen die Lebensgefährtin gar herrlich bereitet hat. O, Ihr israelitischen Frauen, es ist nicht umsonst, daß es gerade Euch obliegt, das Sabbatlicht anzuzünden; Eure Mutter war es dereinst, durch deren Schuld ausgelöscht ward das Licht der Welt, durch deren Schuld Adam verletzte das Gottesgebot und dem Tode anheimfiel; deßhalb liegt es Euch ob, wieder gut zu machen, was Chawa einst verschuldet hat, das Licht wieder anzuzünden, das Sabbatlicht, damit das Gotteslicht, die Seele, ewig leuchte. Seit jenem ersten Tage des Menschenlebens hat das Weib nicht aufgehört, den größten Einfluß auf die Lage der Welt zu üben. Unsere heiligen Stammmütter waren es, die das Volk erzogen, das da gewürdigt wurde, dw Thora zu empfangen; Aschers Tochter tröstet den trauernden Jakob, den beiden Gottesgesandten Moscheh und Aron steht Mirjam würdig zur Seite, Barak wird von Deborah überragt, neben Mardechai glänzt Esther. Wer wird es leugnen, daß die Frauen, die Mütter, die Töchter in Israel stets den größten Einfluß auf ihre Umgebung geübt haben und noch heute üben! Ihnen steht es an, selbst kräftig und unverzagt das zu üben, was Gott ihnen zur Pflicht gemacht hat, den zu verachten und von sich zu weisen, der Gottes Gebote frech verletzt. O, schauet hin, ihr Frauen in Israel, auf jene Heldinnen unserer heiligen Geschichte! habt ihr vernommen den Mirjamssang? „Und es nahm Mirjam, die Prophetin, Ahrons Schwester, die Pauke in ihrer Hand und ihr wandelten nach all die Frauen mit. Pauken im Reigentanz. Mirjam aber stimmte an das Lieo ..singet dem Herrn, er ist hoch erhaben, Noß und Reiter hat er gestürzt ins Meer!" Ooer erinnert euch doch der heldenmüthigen Prophetin Deborah, einer Nichterin in Israel, wie sie führt das Gottesheer gegen den übermächtigen Feind, dann aber singt Preisgesang dem Allmächtigen, Ihm gebend die Ehre, anerkennend, daß Sein ist die Macht! Wo sind sie diese großsinnigen Frauen, wo sind sie? Möchten sie doch wieder anzünden das Sabbatlicht, auf daß es hell leuchte, möchten sie doch wieder vorangehen mit ermunterndem, erweckendem Beispiele all ihren Schwestern, damit sie erfüllen, die ihnen besonders obliegenden Pflichten, .-mz l Ach, es ist gewichen der alte Gottesgeist auch von vielen Jsraelstöchtern, nicht mehr empfängt Lehre von der Mutter die Tochter, das Sabbatlicht leuchtet nicht mehr, rw.-n .1^ erscheinen vielfach als veraltete, unnütze Gebräuche — wo ist die Heldenmüthige, die da zu unterjochen verstände die Ettelkeit, den Wahn

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