Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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34 Schimeon, der Fromme, erzählte: Von meinem Vorsatz, von dem Opfer eines Enthaltsamen, der sich verunreinigt und seine Gelübdezeit vollständig wieder abznhalten veranlaßt war, nicht zu essen, weil ich befürchtete, er habe Reue über das Gelübde und sein Opfer sei kein heiliges, ging ich einst bei folgendem Vorfälle ab. Ein Mensch näherte sich einst mir, es war ein Nasir. und fesselte mich so durch seine Schönheit, daß ich nicht umhm konnte, ihn näher zu betrachten. Was sah ich? Ein lebhaftes, klares, durchdringendes Auge, welches eine schöne Seele wiederspiegelte, eine herrliche Gestalt, glänzendes in natürlichen Locken um die Wangen und um den Nacken herabwallendes Haar. „Mein Sohn! ' sprach ich ihn an, „Dein schönes Haar geht zu Ende, wie kamst Du auf den Einfall, Dich um diesen Schmuck zu bringen?" „In meiner Geburtsstadt," erzählte er mir sich rechtfertigend, „weidete ich die Heerde meines Vaters. Eines Tages ging ich zu einer Quelle, um Wasser zu schöpfen und gewahrte plötzlich mein im Wasserspiegel um Vorschein gekommenes mich selbst entzückendes Bild Mein böser Trieb erwachte, der verführerische Geist be stürmte mich mit Vorwürfen über meinen Zustand. Hast Du es nöthig, Hirt zu sein? Von der Natur dazu ausgerüstet, Dein Glück zu machen, mußt Du hier verwelken? Willst Du nicht Dein Joch mit dem Freudenkranz des Lebens vertauschen? Gehe unter Menschen, sieh Dich um, nie viele, von der Schönheit mit reizenden Gaben beglückt, streben und ringen nach Sorglosigkeit, nach einer Fülle von Vergnügen und Genüssen, und bringen es weit, sie erfreuen ihre Spenderin mit den üppiasten Früchten ihrer Saat. — Du allein bleibst zurück, Du, einer der beftbeschenktesten Söhne der herrlichen, mütterlichen Natur, bleibst bei einer Arbeit und in einer Lage die Deiner Schönheit unwürdig ist! Verlaß doch den väterlichen Heerd, gründe gut, blühend und glücklich Dein eigenes Haus! — „Nichtswürdiger!" entgegnete ich dem Verführer, was faselst Du von lustigem Leben, von freudigem Dasein in einer fremden Welt? — EitlesBi.d, worauf bist Du stolz, womit brüstest Du Dich denn? etwa auf Gaben und mit Reizen die Dir nicht gehören? an welchen schon jetzt der Wurm der Vernichtung nagt? Glaubst Du wirklich, daß Dein entzückendes Gaukelspiel mir den Staub verberge, der einst Deine Pracht decken wird? Und was maßest Du Dich an, mich meiner kindlichen Pflicht zu entführen? Soll ich mit Ungehorsam, mit Widersetzlichkeit und Flüchen mein Gewissen belasten? Fehlte je der schöne Lichtstrahl der Zufriedenheit in meinem Gemüthe, .wenn die Freude, die Arbeit für meinen Vater gethan zu haben, mein Herz durchglühte? Beim Himmel, damit es Dir nicht wieder einfalle, zwischen meinen kindlichen Gehorsam und den Versucher zu treten, will ich selbst Hand an deine Schönheit legen, Dich Deines blendenden Schmutzes, der lockenden Anmuth berauben; um ein Haar, und ich käme um meine Unschuld, so komme Du um Dein Haar, ich scheere es und opfere Dich dem Himmel!" — Vortrefflicher! rief ich aus indem ich einen Kuß aus seine Stirn drückte, Du verdienst mit Recht den edlen Namen Nasir, Deine Ueberwindung ist mit dem, was wir unter diesem Namen verstehen, nahe verwandt, Dich ziert die Krone der Selbstbeherrschung! Deines Gleichen mögen viele sein in Israel, die aus solchen Gründen und mit solchem Eifer das Gelübde der Enthaltsamkeit auf sich nehmen! Auf Dich, mein Sohn, ist das Wort in der Schrift anwendbar: 2. B. M 6, 2. „Ein Mann, der das Gelübde des Nasirs ausspricht, enthaltsam zu sein für den Ewigen." — (Nebarim 9 b. nach der Austastung des Die Juden in China. Dem „Iewish Record" entnehmen wir Nachfolgendes: Viele anerkannte Gelehrte und Geschichtsforscher, sowohl Israelit-n. als Nichtisraeliten, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Nachforschungen über die zehn Stämme anzustcllen, deren Wohnsitze bis jetzt unbekannt geblieben sind, und so oft sie eine Anzahl Israeliten in irgend einem Erdtheil fanden, von denen man bisher keine Kenntniß hatte, behaupteten sie, daß dies Nachkommen der zehn Stämme wären, ohne daß sie für ihre Behauptung genügende Beweise liefern konnten. Bisher wurde angenommen, daß im ganzen chinesischen Reich etwa 50 Familien wohnen. Von allen bis jetzt bekannten Nachrichten verdient die nachfolgende von einem der Abstammung nach jüdischen Capitän eüus e -glischen Kriegsschiffes erzählte, eine besondere Beachtung: Während des letzten Krieges zwischen England und China diente der erwähnte Kapitän unter dem Admiral Holkins. Derselbe hatte seiner Führung ein kleines Kriegsschiff mit drei Geschützen und der dazu gehörigen Mannschaft anvertraut. Mit diesem sollte er die Flüsse, die sich im Innern des Landes verbreiten, binauffahren, um die Uferbewohner von einem Angriff gegen die Engländer abmichrecken; auch sollte er die Ufer zu dem Zwecke besichtigen, ob er nicht irgend einen festen Platz entdecke, um dann der Besatzung einer solchen Festung den Weg abzuschneiden. Anfänglich wagte er sich nur 5 oder 6 Meilen