Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 3 des Israelit. Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftstellen aus hebräischen Werken. „Warum steht," fragt Rabbi Jochanan im Namen des Rabbi Schimon, Sohn des Jechai: „Ich, Gott, liebe das Recht, hass Raub im Ganzopfer, Jesaia 6t, 8; sind nicht alle vom Raube herrührenden Opfer streng untersagt?" — „Ein Gleichniß, bemerkt derselbe, mag hierüber Aufschluß geben. Ein König fuhr an einem Zollhause vorbei und befahl seinem Gefolge, Halt zu machen und den gebührenden Zoll zu entrichten. „Majestät'" entgegneten die Diener, „wir können unser Befremden nicht verschweigen, fließt nicht jede Abgabe und Steuer in den Schatz des Königs? Wozu soll der zu zahlende Zoll einen solchen langen Weg zur königlichen Kasse nehmen? Sind wir des Auftrages nicht entledigt? „Keinesweges!" erwiedcrte der Königs mit tiefem Ernst. „Ich will, daß vor der schuldigen Steuerzahlung keine Rücksicht, keine Schonung gelte; von mir mögen es alle Vorbeifahrenden ablernen, sich durch keinen Vorwand der gebührenden Zollentrichtung zu entziehen." — Der Allerheiligste warnt hier ebenso davor, daß Keiner seinen Raub damit rechrffrtige, er habe gar keinen Nutzen davon, er weihe ihn im Ganzen Gott; der Allergerechteste verabscheut eine solche Weihe und jedwede frevelhafte Heiligung. Suckah S 30. Es wird Jemand Object Deiner Gefälligkeit, Du leistest einen großen Dienst bringst ein großes Opfer, wirst aber durch Dein Benehmen verwundend, lass, st das Peinliche in die Augen fallen, der Gram des Bittestellers, Dich zu brauchen, schöpft Nahrung, Du raubst ihm das Blut, — dann hat Dein Opfer keinen Werth. Verbinde Theilnahme mit Achtung. — Erklärung einer Bibelsülle, 1. B. M. 44, 10 Und er sprach: m.-i p Das Auffällige dieser Worte ist bekannt; die von Joseph festgesetzte Strafe entspricht doch nicht der Strafe, welche die Brüder für den bestimmte», bei dem der Becher gefunden würde; sie verurtheilen ihn zum Lode, und erboten sich noch dazu, Knechte zu werden, und Joseph verlangt Knechtschaft für den Verbrecher und setzt die Brüder in Freiheit; wie sind demnach vorstehende Worte zu fassen? Lösung: Meinem Dafürhalten nach beucht diese Schwierigkeit auf Jqnoriren der zweifachen Bedeutung eines mit einem 'uv verbundenen OV; das Suffix bezieht sich nämlich bald auf den Pauel, bald auf den Nifcu, z. B. 1 B. M. 9 2. Ovsr-nvi .->'.1' heißt hier nicht, Eure Furcht und Euer Schrecken, sondern vor Euch und wegen Euer; 'v O^ppL das. 19. 13 heißt hier nicht, ihr Geschrei, sondern das Geschrei über sie, oder wegen ihrer; und dgl. viele. Der Sinn des Obigen ist demnach: Auch jetzt Schonung, wie die Worte wegen Eurer, so sei er; nämlich der, bei dem es gefunden wird, werde mein Knecht, was Ihr zu we»den Euch angeboren, Ihr aber sollet frei sein. Für Euer Anerbieten Euch Freiheit. — Erklärung einer Bibelstelle. 2. B. M. 8. 5: Nach Naschi, dem viele Ausleger aus Mangel an einer besseren Erklärung folgen, ist der Sinn: Schaffe Dir einen Ruhm über mich dadurch, daß Du etwas verlangst, was ich nicht werde bewerkstellig, n können. Dagegen läßt sich zweierlei entwenden. Könnte Pharao mcht etwas wünschen, besten Gewährung im Bereiche der Unmöglichkeiten wäre, wie durfte Mosche eine solche Forderung zu stellen wagen? Und läge in d.r Erfüllung eines solchen Verlangens nicht mehr Ehre und Herrlichkeit für den Bewerkstelliget: als für den Bittenden?? — Man gestatte mir, diese Dunkelheit durch Folgendes aufzuhellen. Im Hebräischen bedeutet bekanntlich verbunden mit einem Infinitiv, verpachtet sein zu dem, was der Infinitiv besagt, z. B. Esra 10, 12. nach deinen Worten liegt uns cb zu thun; im täglichen Gebete sagen wir was keinen andern Sinn hat, als, „uns liegt es ob, wir sind verpfl chtet, den Herrn des Alls zu loben. Mosche leitet seine au Pharao zu richtende Frage mit einer Entschuldigung ein, ihm sei ern prahlerischer Ton gar nicht eigen, er sehe sich aber jetzr genöthigt, stolz zu thun und sich zu rühmen, um den Pharao von der Unvergleichlichkeit der göttlichen Allmacht, die die Kräfte cer Natur nach Belieben handhaben kann, zu überzeugen. Obiges ist zu übersetzen: „Mich zu rühmen liegt mir ob! Auf wann soll ich beten für Dich u s. w., damit Du erkennst die Unvergleichlichkeit Gottes."