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Der Israelit · 1863-01-21 · Heft 3 (21.1.1863) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 3 (21.1.1863)
Date
1863-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 vor, den statn8 yvo zu erhalten, bei dem sie nichts zu verlieren hat, ja sich sehr gut befindet. Merkwürdiger Weise hat sich hier ein Berührungspunkt ergeben für die beiden diametral entgegengesetzten Parteien. Es ist nämlich eine nicht zu leugnende Thatsache, daß es von sehr vielen und bedeutenden orthod. Rabb. ihren Vorkämpfern in der Presse sehr verübelt wild, diese Frage angeregt und öffentnch zur Sprache gebracht zu haben Auch sie wollen lieber dre bisherigen Zustände sammt ihren Mängeln beibeh -lten, als die Hand bieten zu einer neue» Einrichtung, von der sie fürchten, es könnten früher oder später die Gegner sich derselben bemächtigen, und hiedurch die entscheidende Macht und Herrschaft über die gesammte religiöse Richtung der Geniüther an sich reißen. Dieselben Wersen hin aus die schwereil Kämpfe, um das Gotteshaus vor fremdartigen und unsilbischen Neuerungeil zu wahren; auf die Volksschulen und deren Lehrer, die sich an vielen Orten dem Einflüsse der Rabb. gänzlich entzogen, ihrer Gesinnung und Richtung entfremdet haben; auf die traurige Erscheinung, daß unter den Führern und Leitern der Gemeinde ihre Gegner zahlreich vertreten sind; und wie sollten sie nun erwarten, es werde von einer aus derartigen Vertretern der Gemeinden bestehenden Versammlung eine Rabbineischule geschaffen weiden im Sinne und Geiste, nach dem Willen und Wunsche der Orthodoxie, eingerichtet nach ihrem Plane, und was das AlUrwichtigste ist, geleitet, immer geleitet von Männern ihrer Richtung, ihres Vertrauens? Wer bürgt ihnen dafür, daß es ihnen mit der Rabbi, erschule besser ergehen weide als mit so vielen Volksschulen Und warum sollten sie durch die Anregung der Nabbinerschnl-Frage einen neuen Kamps heraufbeschwören, dessen günstiger Ausgang zweifelhaft ist, und wo im Falle des Uuterliegens alles verloren Wäre?! Man kann wohl diese Befürchtungen und ihre Motivnung du chaus nicht m Abrede stellen; nur sollte man hiebei nicht stehen bleiben, sondern die Verhältnisse bis zu ihrem Ursprünge verfolgen, wo man finden wird, daß all die erwähnten Uebelstände zum großen Theile daher rühren, wer die Rabbrnen keine Gelegenheit hatten sich jene Kenntnisse und Kertlgkeiten anzueigiien, welche schon jetzt dringend von ihnen gefordert werden, daß der Abgang dieser allgemein verlangten weltlichen Fachbildung den Ein fluß der Rabbinen auf Schule und Gemeinde ver ringert und nicht wenige Nabbinatssitze Unberufenen zugewendet hat. Man muß den ungarischen Gemeinden die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie bei der Bes.tzung ihrer Rabbinate einen tüchtigen Talrnudisten, und wäre er auch entschiedener Anbänger der Orthodoxie immer bevorzugen, wenn er nur auch den anderweitigen Zeitverhältmsseu entsprechen kann; aber freilich wenn sie zu wählen haben zwischen ausschließlich talmudischer oder prosanwisfenschaftlichcr Gelehrsamkeit, dann trägt zumeist letztere den Sieg davon, oder die Stelle bleibt ans längere Zeit unbesetzt Durch die iu Anregung gebrachte Rabbinerschule soll ja eben diesen Mißverhältnissen abgeholfen und der dem Rabmnerstaude gebührende Einfluß wieder hergestellt werden; daraus aber entgegnet mau uns, hievon kann und darf nicht sie Rede sein, so lauge wir gegen die berechtigten Uebelstände zu kämpfen haben und uns der gebührende Einfluß vorenthalten bleibt. In diesem Dilemma befindet sich also gegenwärtig unsere Nabbuierschulffage, aus dieser soll sie des eiet werden, um sie realisiren zu können. Da errn eru wir uns in einem unserer folgendes Gleichniß gelesen zn haben auf eine derartige durch die Wechselwirkung von Ursache und Folge schwierig gemachte Wahl: Einem wegen Mangel an öfterer Bewegung im Freien an Appetitlosigkeit leidenden und dadurch sehr geschwächten Patienten werden von dem konsnltirten Arzte fleißige Spaziergänge empfohlen, wodurch sich wieder die Eßlust und eine Z nnabme der Kräfte einstellen wird. Aber, wirft der Kranke ein, das ist ja eben mein Leiden, daß ich zu schwach bin, um ansgehen zu können. Darauf wieder de>. Arzt: Freilich, mein Luder, müssen Sie sich vorläufig bloß aus kurz bemessene Gänge beschränken und sich auch hiebei etwas anstrengen, iu der Folge aber werden Sie, hiedurch gestärkt, Ihre L ibeskn Wogungen immer weiter ausdehnen können. Dasselbe sagen wir auch jenen, die einer Nabbiuerschnle entgegen sind, weil der Einfluß der Rabbinen aus die öffentlichen Anstalt, n zn schwach ist. Mau beginne wenigstens den Jffch wcnh eine solche Umgestaltung zu geben, danii: die au denselben herangebildeten Kandidaten hinter den heutigen Anforderungen nicht gar zu sehr Zurückbleiben; dadurch wird die Stellung der Rabbinen und ihre Geltung schon bedeutend gehoben werden, so daß man darin seiner Zeit ohne Bangen die Kreirnng einer Hähern derartigen Schule in Angriff nebmen können wird; denn Wir wollen weder uns noch aridere täuschen und sagen es offen, die Jeschiwoth mit erweitertem Unterrichtsplaue werden wohl viel Gutes leisten, und wäre deren Zustandekommen ein legensreicher Fortschritt, ja unserer Ansicht nach werden sie stets unenlbehr lich bleiben, aber durch sie allein wird das eigentliche Ziel nicht erreicht. Die Orlhodexie darf übe, Haupt fürder nicht ui ihrer reservieren Slellung verharren, sich nicht immer aus Passivität und ft-enge Defensive beschränken, denn diese gewährt wohl ungemeine Vonhelle als Provisorium, wird aber zur Stagnation, wenn sie zur Verhaltungsregel gemacht wird. Die Orthodoxie soll den positiven Standpunkt der ewig unwandelbaren Neligionstreue ausdauernd

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