Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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29 in trefflicher Rede auseinandersetzte, daß bei der Verwaltung einer isr. Gemeinde Opposition nur dazu dienen könne, das Für und Wider genügend zu erörtern, wurde der ersterwähnte Herr ziemlich unhöflich und fragte, ob sein Gegner kein Deutsch verstände und den Begriff des Wortes „Princip" nicht kenne, da er (Redner) ja nur von principieller Opposition gesprochen. Wären wir dort gewesen, so hätten wir dem Redner einfach bemerkt, daß erstens, „Prinzip" kein deutsches Wort sei und daß zweitens ihm selbst der Begriff des Wortes nicht recht klar sein müsse, da eine jede vernünftige Opposition eine principielle sein, d h aus vernunftgemäßen Principien hervorgehen muß. Als man nun dazu schreiten wollte, einen Gegenkandidaten auszustellen, verließen drei Viertel der Versammlung das Local und bekundeten damit, daß die Partei rer intoleranten Reformer eine verhältnißmäßig geringe sei. Auch in der Lokalpresse wurden Stimmen über Stimmen laut, die alle für Herrn Or. R. plaidirten, während sich keine gegen ihn erhob, denn Vorschläge von Candidaten, die keine Aussicht gewählt zu werden hatten, konnten nur auf Schwächung und Zersplitterung der noch nicht einig gewordenen Gegner abzielen. Endlich, nach harten Ge'burtswehen ward der Gegenkandidat geboren. Am Wahllokale wurde nun heute ein dienender Geist aufgestellt, um jedem zur Wahl Erscheinenden den Namen des Erkorenen schriftlich darzuthun. Viele lasen den Zettel und zerrissen chn sofort. Die Betheiligung war eine äußerst lebhafte; an der Wahlurne erschienen Männer, welche noch niemals von ihrem Wahlrechte Gebrauch gemacht hatten, und Alles harrte mit größter Spannung des Ausganges. Dieser stellte sich so heraus, daß Herr Or. R. dieses Mal noch eine bedeutend größere Stimmenzahl erlangte. — Wenn nun auch der ganze Hergang zu unserer Befriedigung verlaufen, so müssen wir doch unsere Mißbilligung über eine ziemlich rohe Aeußerung in den Anzeigen eines hiesigen Lokalblattes aussprechen. Je gerechter eine Sache, desto weniger hat sie nöthig, mit unsauberen Waffen zu kämpfen. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 11. Jan. Feldzeugmeister v. Benedek gab, wie der „Presse" aus Verona berichtet wird, am Neujahrstage ein Diner, zu welchem auch der dortige Rabbiner geladen war und wobei der General einen Toast auf „die Gleichberechtigung aller Confessionen und auf das brüderliche Zusammenleben aller Nationalitäten" ausbrachte. Kecskemet (Ungarn). Das Verhalten der Parteien gegenüber der Rabbinerschulfrage in Ungarn.) Die beabsichtigte Gründung einer Rabbinerschule aus den Mitteln des jüdischen Landesschulfondes in Ungarn ist in der jüngsten Zeit von den jüdischen Blättern aller Farben besprochen worden, am erschöpfendsten aber vom „Israelit" als Organ jener entschiedenen Orthodoxie, welche die öffentliche Meinung für ihre Anschauung zu gewinnen sucht und hiezu die Unterstützung der Presse gerne benützt Es dürfte nun an der Zeit sein und zur Klärung jener Frage mächtig beitragen, die verschiedenen hierüber zu Tage geförderten Ansichten zusammen zu fassen und die dabei beobachtete Haltung der Parteien näher zu beleuchten. Nach dem talmudischen Ocdnungssysteme: 1.1V wollen wir hiebei der entschiedenen Linken den Vortritt gestatten; denn diese hat die in Frage stehende Nabbinenschule kurz und gut beseitigt, mit wenigen Worten abgethan und für unzeitgemäß und verflicht erklärt; ja sie nicht einmal eines freundlichen Wortes der Vertröstung auf spätere bessere Zeiten gewürdigt oder auch nur des Bedauerns darüber, daß die Gegenwart nicht danach angethan ist, ein günstiges Resultat hoffen zu können. Sie, die sonst jede Neuerung und Umgestaltung des Bestehenden mit gierigem Eifer ergreift und jubelnd begrüßt, muß zu dieser ihrer hiebei befolgten Taktik ihre guten Gründe haben; und die hat sie auch, wenn sie sich auch derer vielleicht nicht klar bewußt ist. n.-i xb Sle kann bei dem Fortbestehen der bisherigen traurigen Verhältnisse des ungarischen Rabvinerwesens nur gewinnen, ihr erwächst kein Nachtheil wenn die religiöse Leitung der Gemeinde von Unberufenen usurpirt wird, sie hat eben diesen Mißständen alle Vortheile zu verdanken, die sie errungen. Anderseits weiß sie es wohl, daß, wenn die Errichtung einer öffentlichen Landesanstalt zur Heranbildung von Rabb. ernstlich zur Sprache käme und hiebei, wie nicht anders zu erwarten, den Rabb. als zumeist hiezu berufenen Fachmännern ein entscheidendes Votum eingeräumt würde, sie keine Hoffnung haben kann mit ihren hierauf bezüglichen Plänen durchzudringen und nur ihren sehr geringen Anhang unter den ungarischen Rabbinen von aller Wett blosstellen würde. Sie ziehet es daher wohlweislich