Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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26 nicht entgehen lassen, mögen ferner Diejenigen, welche bereits durch ihre Beiträge das Zustandekommen ermöglicht haben, nunmehr auch für die geziemende Vollendung Sorge tragen. Wir, die wir noch niemals vergeblich die Opferwilligkeit unserer edlen Glaubensgenossen angerufen haben, hoffen mit Gewißheit, daß die zur Ausführung unseres, in oben bezeichnter Weise, nach allen Beziehungen hin so entsprechenden Unternehmens noch fehlenden Geldmittel noch vor der Vollendung des Druckes den Leitern der Anstalt zur Disposition gestellt werden. Wir unsererseits werden unter göttlichem Beistände uns bemühen, das in uns ges tzte Vertrauen zu rechtfertigen und dieses zur Zeit durch öffentliche Rechnungs-Ablage conftatiren. DL« I-eiler äer oi'lLoäox. i8r. Libelanslall. Die Karlsruher Wirren. ii. Dom Standpunkte der Vernunft. AirH B den Eignen wir uns einen Augenblick die Denk und Redeweise unsrer Gegner an, wenn sie sagen: „in unserer Partei ist die Intelligenz stärker vertreten, als bei den Orthodoxen, uns haben sie die bürgerliche Gleichstellung zu verdanken; wir haben mit den Waffen des Geistes um dieselbe gerungen; und jetzt, da sie unserer nicht mehr bedürfen, stoßen sie uns vom öffentlichen Got esdienste aus, indem sie bei den veralteten Formen, welche allem Zeitbewußtsein widersprechen, hartnäckig verharren" rc. rc. Wir entgegnen: „Als Weltverbesserer und Weltbeglücker solltet ihr doch wissen, daß Kultusreform nicht das Fundament der Intelligenz ist, sondern umgekehrt. Aus der sorgfältig gepflegten Pflanze der Wissenschaft erwuchs euch als Frucht — nach eurer Meinung — die Reform Nun stehen euch eure in der Intelligenz „zurückgebliebenen' Brüder auf dem Stufengang der „Bldung" weit nach; und ihr, als „Gebildete," könntet allen Ernstes von Ungebildeten fordern, sie sollen euch blindlings folgen und Geschmack an einer ihnen dargereichten Frucht finden, die ihnen ganz fremd ist, für welche sie keinen Sinn haben? Hieße Dieses nicht, denselben Etwas octroyiren und sie zu Automaten machen zu wollen? Dann hättet ihr Recht, wenn ihr sie Formmenschen nennet! Das Zeitbewußtsein — in euerm Sinne — wird sich auch bei den „Stillstandsmännern" Bahn brechen, wie es ja auch bei euch — freilich in Riesenschritten — gewirkt; nur kein gewaltsames Schieben, keinen — weUn auch nur moralischen — Druck! Nun versetzet euch aber auch einen Augenblick auf unfern Standpunkt. Wir erkennen eure Bestrebungen zur Erlangung des so sehr schmerzlich entbehrten Bürgerrechtes (obgleich auch orthodoxe Kräfte hiefür in die Schranken traten) dankbar an; und wer die Lehren des Judenthums kennt, wird wenigstens nicht sagen können, daß Diejenigen, welche „hartnäckig" diesen Lehren anhangen, minder würdige und würdigende Söhne des Vaterlands seien, als Diejenigen, die ihren Nacken so gelenkig dem sogenannten Zeitb wußtsein beugen. Hätten wir aber voraussehen können, daß die endliche L sung der Emanzipationsfrage mit einer Kultusreform in irgend einen, wenn noch so losen Zusammenhang gebracht werden könnte, dann wären wir sicherlich noch hartnäckiger als hartnäckig gewesen und hätten gesagt: wir wollen nicht emanzipirt sein; wir danken fchö. stens für dieses Geschenk, für diese Errungenschaft — Und eine solche Hartnäckigkeit, die fähig ist, die edelsten Güter der Erde fahren zu lassen, um nur — nach unserer Ueberzeugung — kern himmliches Gut einzubüßen („eine Hartnäckigkeit," wie sie freilich MoseS, aber im umgekehrten Srnne tadelte*- könnet ihr verachten, beschimpfen, öffentlich an den Pranger stellen? Eben die Aufklärung, die Bildung, mit welcher ihr euch brüstet, sollte euch mindestens Duldsamkeit lehren; eine Eigenschaft, welche uns Israeliten überhaupt so wohlthat, bevor wir den Much hatten, das Recht für uiis zu beanspruchen und zu einer Zeit, als Fürsten und Völker noch nicht auf dem Höhepunkt eines Zettbewußtseins standen, von welchem herab jetzt so viel WeltNxisheit geoffenbart wird. Und wenn ihr euch Prärogative beileget, indem ihr euch den gebildeten und angesehenen Theil eurer Gemeinde nennet, fragen wir demüthig : gibt Fachbildung einen Ausschlag auf der Wage des Kultus?