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Der Israelit · 1863-01-21 · Heft 3 (21.1.1863) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 3 (21.1.1863)
Date
1863-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 Ihr seid Doktoren der Rechte, der Medizin rc. 2c.; ihr seid intelligente Geschäftsleute rc.; ihr seid Männer der Wissenschaft, kundig auch in Kenntnissen, die nicht unmittelbar zu eurem Fach gehören; aber alle diese Vorzüge qualifiziren euch noch bei weitem nicht zu Richtern in Religionssachen. Religionskunde und G setzestreue allein können hierbei entscheiden, und ihr werdet doch euch wahrlich nicht anmaßen wollen, daß eure Profanbildung der Stein der Weisen sei, den ihr allein gesunden mW durch dessen Zauber auch heterogene Gegenstände zu bemeistern seien. Nicht, als bestünde die ganze Partei der Alt gläubigen nur aus Religionskundigen; sie pochen aber auch nicht auf ihre Bildung, obgleich es auch unter ihnen gebildete und angesehene Fachmänner gibt; sie wollen weiter nichts sein, als gesetzestrene Israeliten und sie vermeiden als solche für ihre Söhne gewisse Bildungsgänge, die durch das „Zeitbewußtsein" die Gesetzestreue gefährden könnten — Kömmt aber hierzu noch die Erfahrung, wie manche bestehende Kultusreformen dem christlichen Ritus — hier dem katholischen, dort dem protestantischen, je nach der herrschenden Umgebung — so sehr ähneln, kann es dann noch den Orthodoxen verargt werden, wenn sie in einen auftauchenden Nesormplan das Mißtrauen setzen, er sei nicht ein Kind der Bildung, sondern der Nachäffung und der Anschmiegung, ein Luxusartikel, eine Prahlerei? — Betrachten wir endlich die Sache: III. Vom Standpunkte der Geschichte. Es lohnt sich sicherlich für den jüdischen Denker der Mühe, den Unterschied sich vor die Seele zu führen zwischen Dem, was das Gotteshaus unseren Altvor deru war und Dem, was es der jetzigen Generation ist. Ehemals war es der Spiegel des jüdischen Lebens. Es war die Stätte zur Pflege der Z Berufsthätigkeiten des Israeliten, ,-i-iwp ,.-nm O'iOli. Von dieser Zeit her datirt sich sicherlich die im Volksmunde üblich gewesene Benennung: Schule. Die Synagoge war nicht nur das Schulhaus der Kinder (rmw'w '2b .->"i «"p -1"' 'wi), sondern auch das der Eiwachsenen. Nicht nur zu d.n religiösen Belehrungen, die dort vorgetragen wurden, drängle man sich eifrig und wißbegierig (Zb2i ttpmn), sondern auch dem Privatstudium der Thora öffneten sich ihre Pforten, um theils in Vereinen, theils autodidaktisch dieser Fundamentalpflicht zu genügen — die Gottesverehrung — (rnbsri 12PV1 5N221P rv2x). Die bestehenden Gebete sind dem Israeliten das Mittel, welches seiner Gegenwart nur dann höhern Werth verleihet, wenn er sie mit der Vergangenheit und mit der Zukunft in Verbindung fetzt. Die bestehenden Gebete richten seinen Geistesblick bald auf die Urzeit, auf die Felsen, aus welchen er gehauen, bald auf die Zukunft, wohin seine Hoffnung ihn führt. Jene zeigt ihm den Ausgangspunkt, die Vorbilder, denen er ähnlich werden soll; diese das Ziel seiner Bestrebungen; beide lehren ihn, die Gegenwart weder zu uulernoch zu überschätzen. Endlich O'-ron rrb'va, das Wohlwollen gegen Jed n, Wird genährt durch die intern Versammlungen zur gemeinschaftlichen Gemüthserhebung, worin die Zusammenhörigkeit der betenden Gemeinde wurzelt, was einen Stamm treibt, der sich nach außen verzweigt und endlich die ganze Menschheit umschattet. Dieses war dem alten Israeliten das Gotteshaus; dieses waren die Früchte der gemeinsamen Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete. Darum enthob das alte Gotteshaus das alte Israel gleichsam seiner zeitlichen Leiden. In dem Gedanken an seine Vergangenheit und an seine Zukunft brach es der Gegenwart den verwundenden -t chel ab. Auch das herbste irdische Geschick konnte es nicht für die Dauer beu.'.en; es schüttete seine Klagen vor Gott aus in dem ihm geweiheten Hause, in den altehlwürdigen Worten, in der heiligen und heiligenden Sprache; es schwebte ihm dabei der Grund und das Ziel seines Pilgerlebens vor; und es schöpfte daraus neue Hoffnung, oder neuen — Todesmuth. Es war daher nicht selten der Fall, raß ganze Gemeinden, über deren Leben die Tyrannei den Stab gebrochen hatte, zum Abschiede von der Welt sich noch einmal in ihrer Welt, in den Synagogen zum letzten öffentlichen Gebete versammelten obgleich dadurch die Mordlust leichter befriedigt wurde — um nur nicht in die Versuchung zu kommen, den Lebenszweck für das Leben hinzugeben; um durch die Erinnerung an die oft erprobten Wirkungen des Gotteshauses mit Gott und mit der Welt sich auszusöhnen; um unter grausamen Streichen ihr letztes irix an dem Orte des letzten Trostes ausröcheln zu können. Also erkannten unsere Väter in allen Gestaltungen des Lebens den unerforschlichen Weltplan Gottes und gaben dieser Erkenntniß den vollen unzweideutigen Ausdruck in uralten Gebetformeln. Nicht in Frack und Glace, nicht mit Salonsetrkette erschienen sie je in der unmodernen „Schul," aber ein Herz voll Glaubens brachten sie mit, ein Gemüth voll kindlichen Sinnes, vertrauend dem allmächtigen Vater, dankend dem allliebenden Geber, sich unterordnend dem höchsten Willen, glücklich in ihrem Judenthum, vereinigt mit ihrem Gott. Und Gebetformeln, welche sich durch so viel Jahrhunderte bewährten, eine solche Kraft äußerten, eine solche Wirkung hervorbrachten, solche Gebet-

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