Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1863)
- Date
- 1863-01-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 2 des Israelit. F e n s l L e t o rs - Geschichte der Juden zu Halle an der Saale. Es ist iklslreitig, daß bereits im 10 Jh. Juden zu Magdeburg, und also vermutlich auch in Halle gewohnt haben. Denn als die Kaiser Ottones das Erzstift Magdeburg gestiftet, und mit vielem Gutem begabt hatten, übergaben sie die daselbst wohnenden Juden mit. Es findet sich daher schon zur Zeit des Erzbischofs Valtardi, der 1013 gest. eine große An zahl Juden hier wohnhaft, die dem Erzbischof Schutzgeld entrichten mußten. Sie wohnten an einem abgesonderten Orte neben dem ehemaligen schwarzen Schlaste, nach dem Neumarkt zu, und dstser Ort wurde das Judendorf genannt. Sie standen unter dem Schutze der Erzbischöfe, deren Schultheise sie zu Richtern hatten, die bei ihrer Einsetzung schwören mußten, daß sie die Juden „ äterlich handhaben wollen." Da eben die Juden in der Stadt ihre Nahrung suchten, so erhielten sie auch vom Stadtrathe die „Verkleidung." Die Juden zu Halle hatten mancherlei Schicksale zu erfahren. Im I. 1205 wurden ihre Güter geplündert und viele dabei umgebracht. — 126 t schätzte Erzbischof Nupertus die Juden zu Magdeburg um 100,000 M. Silber und wollte es mit den Juden zu Halle ebenso machen. Der Rath nahm sich abrr ihrer an, und Nupertus belagerte die Stadl und zwang sie, ihm eine Summe Geldes zu erlegen, und ihn über die Juden nach Gefallen schalten zu lasten. Um diese Zeit müssen die Juden aus Halle vertrieben worden sein, weil der Erzbischof Burchard IV. im I. 1314 das Judendorf an das Kloster zum Neuen Werk geschenkt und es in der Urkunde heißt: Laxrvxter guvscksin tuuckos in vppicko Hallen«! situatos guvs guvnäain lluänoi inllatritaOnnt ikickow. Das Kloster hat sie aber wieder ausgenommen, denn 1352 ist das Judendorf wieder bewohnt gewesen, und Erzbischof Otto verkaufte es in demselben Jahre mit Consens des Domkapitels dem Rath von Halle für 300 Schock Groschen. Von dieser Zeit blieb das Judendvrf im Besitz des Raths, an den sie für ihre Synagoge wie für ihre Häuser einen jährlichen Zins von 12 rhein. Gulden entrichten mußten. Sie müssen damals in Ansehen gestanden haben, da ein Jude Schiedsrichter wurde zwischen Erzbischof Albrecht zu Magdeburg und Klaus von Bismark 1370. Dieser wird in der Urkunde mit „Smol der Jode" bezeichnet. 1382 hatten sie viel Unbilden zu erfahren; weil sie auch hier beschuldigt wurden die Brunnen vergiftet zu haben, stürmte der Pöbel ihre Häuser und brachte eine große Menge von ihnen um. Der Erzbischof Albert IV., in dessen - Schutz sie noch immer standen!, nahm dies sehr übel, und es wäre fast zur öffentlichen Fchde gekommen, wenn der Rath ihn nicht mit 300 „oreilen Schocken" versöhnt Hütte, wofür > r dem Natb die Überlastung der Juden nochmals bestätigte ll39i). Die Inden aber mußten dem Erzbischof 1000 und dem Rath 1500 M. Silber erlegen für die Erlaubnis;, ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen Die Juoen hatten dann ein halbes Jahrhundert Frieden. Als aber Cardinal Crüanus, als päbstlicher Legat, nach Deutschland kam, und festsetzte, daß die Juden ein gewisses Zeichen tragen sollten, und ihnen bei Strafe des Bannes keine Zinsnahme gestattet werden sollte, zogen die Juden von Halle weg und verklagten den Nach vor dem kaiserlichen Fiscal vr. Hartung v. Cappel, der denselben 1459 vor sich au den kaiserlichen Hof citirte. Der Rath bat den Erzbischof Friedrich, ihn bei Hof zu vertreten, was er anfangs versprach, dann aber mit folgenden Worten ablehnte: Meine Vorfahren haben zwar das Judendors verkauft, aber dieser Verkauf kann nicht auf die „Judeuschule" oebezogen werden. Die Synagoge gehört mir, weil das N. T aus dem A. entnommen und da in A T. die Synagoge ein Tempel gewesen ist, so kann keine weltliche Obrigkeit denselben, als eine zeitliche Sache, sich anmaßen. Der Rath, sab sich daher genöthigt, sich schriftlich beim Fiscal zu verantworten und seinen Syndicus nach Wien zu schicken, wodurch die Sache abgethan war, daß es zu keiner gerichtlichen Verhandlung kam. 1467 schenkte Kaiser Friedrich die Synagogen von Halle und Erfurt dem Nicolaus Pflug. Dieser trat aber sein Recht ab für eine geringe Summe Geldes au den Rath von Halle. Zu Erfurt hatte Pflug die Synagoge und den Gottesacker in Besitz bekommen, wofür die Juden ihm und seinen Nachkommen Zins entrichten mußten. Die Juden wurden nun zwar wieder ausgenommen, allein Erzbischof Ernestus war ihnen nicht gewogen, er ließ sie 1493 aus dem ganzen Erzstift wieder vertreiben, und das Judendorf gänzlich zerstören und an dessen Stelle die Morittzburg erbauen. Seit dieser Zeit wohnten keine Juden im ganzen Erzstift, beinahe 200 Jahre. Als aber das Erzstift an die Kurfürsten von Brandenburg überging, so fanden sich einige Familien zu Halberstadt, die 1692 die Erlaubniß erhielten, zu Halle zu wohnen, und 1693 einen Gottesacker anzulegen, und 1700 ein Haus zu ihrem Gottesdienste zu kaufen, worauf sie