Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1863)
- Date
- 1863-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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17 zum Bürgermeister gewählte Rentier Nathan Cohn von der Regierung nicht bestätigt worden. — Das Provinzialschulcollegium in Posen hat kürzlich sämmtliche Directoren der höhern Lehranstalten der Provinz Posen angewiesen, in den Programmen „auch das Verhältnis der Religionen und Confesfionen zu einander ersichtlich" zu machen und hinzugefügt, „daß, da der Ausdruck „Confession" nur zur Bezeichnung der verschiedenen christlichen Religionsgemeinschaften üblich ist, der Ausdruck „mosaische Confession" als unstatthaft erscheint und daher da, wo er bisher zur Anwendung gekommen ist, in „jüdische Religion" umzuwandeln ist." Pose», oen 5. Januar. In Bezug auf die auch in diese Blätter übergegangene Mittheilung, ein katholischer Geistlicher sei zum Judenthume übergetreten, macht Roman Dabrowski bekannt, daß er nur in seinem Glauben gewankt, den Uebertritt aber nicht vollzogen habe. Oesterreichischer Kaiser st aat Aus Ssaz (Böhmen), SO. Dec., wird der „Presse" folgendes Stück gemeinderälhlicher Intoleranz nütgetheilt: Ein geachteter israelitischer Kaufmann richtetete im September d. I. unter gleichzeitiger Vorlage zahlreicher Zeugnisse und behördlicher Anerkennungs-Schreiben, also unter Nachweisung entsprechender Qualification, an den hiesigen Gemeinde-Ausschuß das Ansuchen um Aufnahme in den Gemeindeverband. Die Väter der Stadt Saaz wiesen jedoch das Ansuchen des erwähnten Kaufmanns ohne alle Angabe von Gründen einfach ab. Der Beschluß wurde mit einer Majorität von vierzehn Stimmen gegen zehn gefaßt, unter welchen letzteren sich auch die des Bürgermeisters und Reichraths-Abgeordneten vr. Haßmann befand, der sich vergeblich für die Willfahrung des Ansuchens verwendet hatte. Man erklärte, man habe gegen die Persönlichkeit jenes Kaufmanns nichts einzuwenden, wohl aber gegen den - Juden. Der Kaufmann recurrirte an das Bezirksamt, das den Beschluß des Gemeinde- Ausschusses annullirte. Daraufhin recurrirte der letzere an die Statthalterei, welche die Entscheidung des Bezirksamtes bestätigte. Die Bürgerschaft begab sich aber selbst dann noch nicht zur Ruhe, und ergriff ohne Wissen des Bürgermeisters, der im Reichsrathe saß, den Recurs an das Ministerium, von dem nun die Entscheidung bald zu erwarten ist. Ciseastadt. Der unermüdlich thätige Rabbiner vr. Hildesheimer hat einen Krankenverein 'p'2 für die österr. Juden im heil. Lande gestiftet; bereits haben die hiesigen drei Wohlthätigkeitsvereine jeder 100 fl., also 300 fl. als Anfang eines zu gründenden Kapitals für den erwähnten Zweck gespendet. Auch von Privaten hiesiger und anderer Gemeinden fließen die Spenden reichlich. Es wäre sehr zu wünschen, daß sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Krankenpflege der armen Israeliten in Jerusalem richtete; denn da die beiden Aerzte des Rothschrld'schen Hospitals die heilige Stadt verlassen haben, so sind die armen Kranken nur auf die Missionsärzte angewiesen. Aus Galizien, Ende Dezember. Bei der nahe bevorstehenden Wende des politischen Jahres, wollen Sie, verehrter Herr Redakteur, es mir nicht verübeln, wenn ich mir die Freiheit nehme, Ihnen einen kleinen Vorschlag zu machen: Vorerst muß ich bemerken - obwohl Sie.es nicht lieben, in Ihrem Blatte gelobt zu werden — daß der „Israelit" auch in unserer Gegend schon viel des Guten gestiftet, manches jüdische Interesse rege gemacht und manches Unjüdische im Keime erstickt hat; es thut uns ein solches jüdisches Blatt um so mehr noth, als manch' anderes jedem seiner Leser das dm) verheißt! Für Haus, Gemeinde und Schule ist der „Israelit" von großem Belange. Eines nur wird darin vermißt und dieses ist das Ziel dieser Zeilen. Die jüdische lhebräisch-talmudische) Literatur hat in jüngstem Jahrzehnt durch die Herausgabe vieler Manuskripte, durch wiederholtes Drucken seltener Werke u. dgl. einen seit dem Bestehen der Buchdruckerkunst noch nie gekannten Höhepunkt erreicht. — Das Bekanntwerden der neuen Erscheinungen in dieser Branche für Fachmänner ist nun selbstredend von größter Bedeutung, aber auch dem Laien kann dieses zum intellektuellen Nutzen gereichen. Er würde namentlich daraus erkennen, daß die „alte Thora" doch noch ihr Geld Werth ist, und einsehen, daß es in der That auch in unserer materiellen und rationellen Zeit noch solche Schöngeister gibt, die dem Thora-Studium sich hingeben, mit diesem und