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Der Israelit · 1863-01-14 · Heft 2 (14.1.1863) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 2 (14.1.1863)
Date
1863-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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14 In ähnlicher Weise ist es mit den andern berühmten Berliner Familien gegangen, die den Kreis Mendelssohns bildeten: die Jtzig (Hitzig), die Friedländer, die Fränkel, die Herz, die Lippmann Meyer Wulf, die Beer (auch Mayerbeer's Kinder sind getauft) u. s. w. u. sw. Wir sind weit davon entfernt, auf die hehre, edle und fromme Gestalt Moses Mendelssohns einen Stein werfen zu wollen; er meinte es aufrichtig mit dem Judenthume und beobachtete die Gesetze desselben mit der größten und strengsten Gewissenhaftigkeit. Allein er stand an der Grenzscheide zweier Zeiten und es liegt Wahrheit darin, wenn Hold he im, welcher den Sabbat auf den Sonntag verlegte rc., behauptete, er habe nur die Consequenzen des Mendelssohn'schen Systems gezogen. Mendelssohn stellte bekanntlich in seinem Werke „Jerusalem" die Behauptung auf, die Gesetze des Judenthums seien rein staatliche gewesen, ohne daß mit dem Anfhören des jüdischen Staates! die Verbindlichkeit zur Beobachtung dieser Gesetze auf- I gehört hätte. Der Widerspruch liegt klar zu Tage, j Auf diesen Widerspruch steifte sich Holdheim und! behauptete, nur ein consequenterer Mendelssohn zu sein; aber noch mehr Consequenz entwickelten die Nachkommen und Schüler des berühmten Philosophen indem sie sich einfach taufen ließen. Wir wollen, wie gesagt, keinen Stein auf das - Andenken Moses Mendelssohns werfen. Aber constatiren wollen wir, daß jene großen Männer, wie Rabbi Ezechiel Landau (.im.^'2 pmH und dessen Zeit- und Gesinnungsgenossen, die Heroen talmudischer Gelehrsamkeit, welche in offenem Kampfe mit dem Berliner Philosophen lebten, ein richtiges Verständniß der Consequenzen der von ihm eingeschlagenen Richtung hatten und daß Schriftsteller, welche auf dem Standpunkte des traditionellen Judenthums zu stehen vermeinen, ein großes Unrecht begehen, wenn sie jene großen Männer als Fanatiker verschreien. (Siehe Kaiserlings Schrift: Moses Mendelssohn und seine Zeit.) Die Hauptaufgabe einer jeden Generation ist, das von den Vätern überkommene Judenthum für die Kinder und Enkel zu erhalten und auf sie zu übertragen, damit in Erfüllung gehe der Jakobssegen: 'NW« OI2N 'VL7 ON2 «npv und es möge genannt werden durch sie mein Name und der Name meiner Väter. Trage Jeder Sorge, daß er seine Kinder und Enkel in dem wahren, echten und unverfälschten Judenthum erhalte. Die verstorbene Frau Henriette Mendelssohn war eine hochbegabte Frau. Eng befreundet mit Wilhelm und Alexander v. Humboldt, hatten alle Notabilitäten der gelehrten Welt ihren Brennpunkt in ihrem gastlichen Hause. Frau von R-^camier, Frau v. Sta^l, Henriette Herz, Rahel v. Ense zählten zu ihren Freundinnen; Chateaubriand und Bäranger waren ihr persönlich bekannt geworden. Von der allgemeinsten Theilnahme, welche ihr Tod erregte, legte ihr Begräbniß lautes Zeugniß ab. Nach dem jüdischen Friedhofe zwar bewegte sich der unabsehbare Zug der Wagen; dort angekommen aber trugen Enkel ihren Sarg zur Gruft, welche nicht mehr dem Jndentbum angehören. — Die Karlsruher Wirren, r Aus Buden. In Nr. 49 dieser für das orthodoxe Judenthum so sehr wirksamen Blätter fordert Herr E. N Rosenbaum aus Würzburg auf, eine von Rabbinern ausgehende Protestation gegen die religiösen (?) Zustände in Würtemberg zu richten. Manchem Leser könnte hierbei die Frage aufstoßen: „was hat sich ein Würzburger um würtemberger Zustände zu kümmern"? — Allein wenn eine solche Frage auf jedem Gebiete als gerechtfertigt erscheinen mag, auf jenem der Religion hat sie keine Begründung. Muß doch das eigene Haus geschützt werden, wenn das des Nachbars in Flammen steht. Und wie erst im Hause Israels, dessen Obdach so viel und vielerlei Bewohner umschließt, sollte man da nicht berechtigt, ja verpflichtet sein, „Feuer" zu rufen, wenn man auch ein andres Stockwerk bewohnt, als das, in welchem das Feuer ausgebrochsn ist? „Die Thora, die uns Moscheh geboten, ist ein Erbgut der ganzen Versammlung Jakob's." Wird nun nicht jeder Erbe verkürzt, wenn das Gesammtgut vernachlässigt, entstellt wird? Ein „Volk" erkor sich der Herr zu seinem Dienste und dieses Volk bildet Einen Körper, welcher den Schmerz fühlt, wenn ein Glied an demselben erkrankt oder gar siecht. (Dieses mag der Sinn sein der talmudischen Aussprüche: V2 ''2« dmv.i — ^'2« u. m. dgl.) Nicht als schwebte Israel in geistiger Lebensgefahr, wenn Glieder seines Gesammtkörpers erschlaffen und dem Organismus den Dienst versagen; Israels Lebensnerv hängt an höhern, unvergänglichen Fasern; aber fühlen und erkennen muß es jeder einzelne Israelit, daß durch die Schwächung mancher Genossen, den übrigen ein größerer Kraftaufwand auferlegt wird. Darum soll eine Wunde im religiösen Leben der Gesammtheit, in's Besondere wenn eine Gemeinde, ein Land, wäre es auch in dem entlegensten Winkel der Erde, davon befallen ist, keineswegs verdeckt, sondern blosgelegt und dabei versucht werden, ob der R'ß noch geheilt werden könne, und wenn nicht, so soll wenigstens gegen das Umsichgrei-

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