Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1863)
- Date
- 1863-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 2- 4. Jahrgang. Der Israelit. Ein Centralorgan für das orthodoxe Jndenthnm. Vr. Lehmann in Mainz. Mainz, den 14. Januar 5623 ( 1 863.) Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 1Z Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thaler p. c. oder fi. 3. 3V kr. rh. Halbjährig 1 Thlr. p. c. oder ff. 1. 45 kr. rh. Vierteljährig 15 Sgr, p. c. oder 53 kr. rb. Alle Buch- Inhalt. Leitende Artikel: Die Nackkommrn Mendelssohns. — Die Karlsruher Wirren. — Bau jüdischer Armen- und Pilger- Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutsch Pcscn. — Oestr. Kaiserff.: Ans Saaz (Böhmen). Eisenstadt. Aus Galizien. — Frankreich: Paris. Paris. Aus Frankreick. Feuilleton: Jüdische Professoren an deutschen ^Universitsttcn. — Dmen von Herrmann ^Warschauer. — Einige Betrack- Inhalt der Beilage. Leitende Artikel. Die Nachkommen Mendelssohns. Mainz, den 5. Januar. Vor 14 Tagen starb in Berlin die Schwiegertochter Moses Mendelssohns, Frau Henriette Mendelssohn, geborne Meyer aus Mecklenburg, in ihrem 87 Lebensjahre. Sie war die Gattin des ältesten Sohnes des Philosophen, Joseph, gewesen. Es macht einen überaus wehmüthigen Eindruck, wenn man bedenkt, was aus Mendelssohns Nachkommen und den seines berühmten Berliner Kreises geworden ist. Die Verstorbene war noch Jüdin — dem Namen nach; die meisten anderen Mitglieder der Mendelssohn'schen Familie sind längst getauft; seine Tochter Dorothea ließ sich von ihrem Gatten Veit scheiden und lebte in intimstem Verhältnisse mit dem Dichter Friedrich Schlegel; später ließ sie sich taufen und ward die Gattin desselben. Ihre beiden Söhne aus erster Ehe ließen sich ebenfalls taufen. Und für diese Dorothea namentlich hatte Mendelssohn seine „Morgenstunden" geschrieben! Der zweite Sohn des Philosophen ließ sich ebenfalls laufen und nannte sich von da ab Mendelssohn-Bartholdy. Diesem entstammte der berühmte Componist Felix Mendelssohn Bartholdy und der Banquier Paul Mend.elssohn-Bartholdy; während Joseph, der Gatte der jüngst verstorbenen Frau mit dieser im Judenthum beharrte. Welcher Art aber.und wie intensiv war dieses Judenthum? Hierauf gewährt die eine Thatsache genügende Antwort: Es geschah mit Zustimmung der Großeltern, daß deren Sohn, der Commerzienrath Alexander Mendelssohn, seine Kinder sogleich bei deren Geburt taufen ließ. Demnach beharrt von der ganzen Nachkommenschaft Moses Mendelssohns Niemand mehr im Judenthume, als der eben erwähnte Alexander Mendelssohn, dessen Judenthum sich aber kaum noch auf den Namen beschränkt, da er, wie ja bereits erwähnt, seinen Kindern und Enkeln den Uebertritt dadurch erspart hat, daß er sie gleich von vornherein einer fremden Religion überantwortete.