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Der Israelit · 1863-01-07 · Heft 1 (7.1.1863) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 1 (7.1.1863)
Date
1863-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Rr. 1 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspovden cn. Deuts chland. Crl«iAe«, 13. Dezember. Die hiesige medizinische Fakultät ist mit einem Verluste bedroht, von welchem nicht blos diese, sondern auch die Stadt, ja selbst die Bevölkerung eines weit über der letzteren Weichbild sich erstreckenden Umkreises empfindlich berührt werden wird: einer der hervorragendsten medizinischen Dozenten, dem insbesondere von Kollegen wie von Hörern ein entschiedenes Lehrtalent zugesprochen wird, einer der vorzüglichsten Aerzte, ausgezeichnet als solcher nicht blos durch Wissen und Geschick, sondern ebenso sehr durch seltene Menschenfreundlichkeit und Uneigennützigkeit, der Prosektor vr. Herz, rüstet sich, wie verlautet, die Universität und wohl auch sein Geburtsland Bayern zu verlassen, um anderwärts die Anerkennung seines Verdienstes und die Sicherung seiner Zukunft zu suchen, die ihm seine Heimath versagen zu wollen scheint. Sie fragen, wie es kömmt, daß in einem Lande, dessen Negierung mit Recht sich rühmen darf, der Wissenschaft eine breite Stätte zu bereiten und sie in ihren Trägern zu ehren — daß die maßgebenden Gewalten dieses Staates einen Mann von solchen Talenten und Leistungen, noch dazu ihr eigenes Landeskind, gleichgiltig ziehen lassen; ob denn im Gegensatz zu seiner von mir eben hervorgehobenen Uneigennützigkeit seine Ansprüche so groß, oder sonst ein Grund vorhanden sei, der es nicht zulasse, ihm die Anerkennung zu gewähren, die ihm nach allen sonstigen Verhältnissen gebührt? Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach, wenn auch wohl für Manchen in ihrer Einfachheit sehr überraschend: mau ist für die Verdienste des vr. Herz weder blind «och indifferent, die Ansprüche eines Mannes, der seit 15 Jahren gegen ein Gehalt von einigen hundert Guldeu, ohne je mehr begehrt zu haben, mit Freuden der Universität seine Kräfte als Dozent und Posektor widmete, find sicherlich keine übertriebenen; «Ler vr. Herz ist — Jude, und darum muß ihm die Frucht seines Wirkens, die jedem Andern unter gleichen Umständen längst reif in den Schooß gefallen wäre, muß ihm die Professur versagt bleiben. Dr Herz gehört, wie schon bemerkt, unserer Universität seit einer langen Reihe von Jahren an und lehrt als Prosektor an' der Anatomie neben dem trefflichen Vorstande derselben, dem ausgezeichneten Anatomen Professor Verlach. Dem einträchtigen Zusammenwirken Beider ist es zu danken, daß die Universität Erlangen in Bezug auf den anatomischen Unterricht zu den besten deutschen Hochschulen gerechnet wird und die Ausbildung der dortigen Studirenden in diesem Fache allenthalben als eine vorzügliche anerkannt ist — ein Umstand, der die Frequenz unserer medizinischen Fakultät jedenfalls mitbedingt. Was Herz als Arzt und Chirurg betrifft, so zählt er in weitem Umkreis zu den angesehensten Namen; sein Rath wird aus und nach großen Entfernungen gesucht und seine Hilfeleistung von den Bedürftigen um so höher geschätzt, als sich in ihm mit außergewöhnlichem Geschick ein ebenso hoher Grad von Opserwilligkeit und Humanität paart. Schon früher war es in den Kreisen der Universität wiederholt zur Sprache gekommen, daß ihm eine Professur gebühre; sein konfessionelles Berhältniß gewährte zu jener Zeit keine Aussichten. Seitdem ist jedoch in dieser Beziehung in Deutschland ein gründlicher Umschwung eingetrelen. Fast in allen deutschen Staaten sind Juden als ordentliche und außerordentliche Professoren, und nicht bloß in den Fächern der Medizin und Naturwissenschaften, sondern auch für Jurisprudenz, Geschichte u. s. w. zugelaffen, und in Oesterreich, hat sogar kürzlich ein Jude, vr. Wessely, an der Universität Prag als Ordinarius der Juristenfakultät ohne irgend welchen Anstand als Promotor sungirt. Als nun im vorigen Jahre auch in der bayerischen Abgeordnetenkammer — in welcher bei anderer Gelegenheit des vr. Herz speciell ehrende Erwähnung geschah — der Minister des Innern auf eine deßfalls gestellte Anfrage die Auskunft ertheilte, der Anstellung von Juden im Staatsdienste stehe ein gesetzliches Hinderniß nicht im Wege, da schien es dem Lehrkörper der hiesigen Universität endlich kan der Zeit, Schritte zu tyun, auf daß seinem lange zurück-

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