Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1863)
- Date
- 1863-01-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Bankiers, und zwischen diesen und den christlichen Kaufleuten gibt es keinen wesentlichen Unterschied, hier find die guten und schlechten Seiten dieselben, die Wirkung auf die Gesellschaft ist die gleiche. Insofern sie schlecht ist, sind wir daran schuld. Warum haben wir seit 1790 nicht unsere Institutionen und Gesetze langsam resormirt, warum wissen wir nicht unsere Begierden zu zügeln, unsere Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht zu halten? Wir würden seltner den Bankier brauchen. Einen schädlichen Einfluß auf das Volk haben indeß jene der niederen Klaffe angehörenden Juden, welche ihre schlechtere Waare theuer verkaufend, herumvagirend und hausirend, das Volk auf hunderterlei Arten demoralisiren. Die spezifischen Juden üben in dieser Beziehung auf unsere gesellschaftlichen Zustände einen schädlichen Einfluß aus. Das Uebel besteht, durch Klügeln und Jnvectiven werden wir es nicht beseitigen. Die Juden sind nicht emanzipirt, die niederen Judenklaffen werden auch jetzt verspottet und zuweilen auch geschlagen, indem die Betreffenden vergessen, daß man große gesellschaftliche Krankheiten nie durch große Ungerechtigkeiten wird heilen können. Das Interesse der christlichen Gesellschaft erfordert die Emanzipation der Juden; auf die niederen Klaffen der Juden werden wir nie einwirken, wir werden sie weder moralisch machen, noch bilden, noch werden wir ihr Ehrgefühl steigern, das werden nur die höheren Klaffen der Juden thun können, diese müssen wir zu uns dadurch erheben, daß wir sie an allen unseren Rechten theilnehmen lassen; und zum Ersatz dafür fordern wir von ihnen, daß sie auf ihre Stammes- und Glaubensgenossen derartig wirken, daß diese den Sitten und Gewohnheiten der christlichen Gesellschaft sich anschmiegen, auf den Schacher und die niedere Handelspraktik verzichten, den Boden bebauen und Handwerke ausüben. Emanzipiren wir also die Juden, verschweigen wir aber nicht aus liberaler falscher Scham ihre Fehler, und verlangen wir von ihnen, daß sie ihren alten Ansichten entsagen; von den höheren Judenklassen aber müssen wir fordern, daß sie auf die Umwandlung ihrer niedern Klassen hinarbeiten sollen." Das bedarf doch keines Kommentars; der Kommentator wäre also überflüssig. Es wäre unnütze Arbeit, solchem Gerede ein ernstes Wort der Entgegnung gegenüberzustellen, unnütz, zwischen dem „bscsülotei-LüIet" (Ehrgefühl) der untern Klassen (?) der Juden und dem der entsprechenden (?) der Nichtjuden eine Parallele zu ziehen, ganz überflüssig, die „Unredlichkeit" in den Häusern dieser „untern" Klasse einfach auf die Unsauberkeit in den Gesinnungen des Hrn. Trefort zurückzuführen. Tiefer ganzen Mühe hat uns die öffentliche Meinung, d. h. die wirkliche, nicht tendentiöse, enthoben. — Originalität, sollte man jedoch meinen, wäre dieser Abhandlung des Hrn. T. nicht abzusprechen. — So wenig Ursache wir nun hätten, Hrn. T. um diese Originalität zu beneiden, so müssen wir doch der Wahrheit die Ehre geben, und sagen: da, wo Hr. T. die Juden hinsichtlich ihrer polit. und moral. Reife nach dem Vollmaße des Geldbeutels in obere und untere Klassen theilt; da ferner, wo er die Juden Nr. 1. durch die christl. Gesellsch. und die Juden Nr. 2. nur die von Nr. i erzogen, „erhoben" wünscht, damit auch die untere Klasse sich den Sitten und Gewohnh iten der christl. Gesellschaft anschmiege rc., da verliert der betreffende Theil der Abhandlung den Reiz der orig. Neuheit, also das Beste, was er verlieren kann. Es ist nämlich noch kein Jahr her, daß diese hohe Weisheit dem Kopfe einiger H. H. von Nr. 1 entsprungen ist. Wir meinen jenen genialen, seelenhirtlichen Vorschlag, nach welchem man es vor der Hand mit der Emanzipation der jüdischen Töpfe und Schüsseln versuchen sollte, in der Voraussetzung, daß ja endlich auch die armen Leute von Nr. 2 solchen Reizen nicht widerstehen würden, wenn die Herren von Nr. 1 ihre „Pflicht" thun; was sich aber seitdem, trotz dem bekannten, vom Pester Naw Aw-beth-din, im Cultustempel feierlich eingesegneten, Schüsselverschwisterungs-Feste, im Hotel Europa, als irrig erwiesen hat. Wir glauben schließlich, daß die Juden Nr. 2 gut daran thäten, Hrn. T. und Konsorten — den verbindlichsten Dank zu votiren, mit der Erklärung daß es für diese Juden Nr. 2 gar nicht so schlimm kommen könne, als daß sie sich entschlössen, einer solchen, beantragten Klassenlotterie ihr Heil anzuvertrauen. OM' (Hierbei eine Beilage.)