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Der Israelit · 1863-01-07 · Heft 1 (7.1.1863) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 1 (7.1.1863)
Date
1863-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 Verein zu denjenigen, deren Zweckerfüllung ein Ausfluß der edelsten Humanität ist, und es dürfte von Interesse sein, einige seinen Mitgliedern erwachsende Wohlthaten (im wahrsten Sinne des Wortes) kennen zu lernen. Für den geringen, wöchentlichen Beitrag von 20 Nkr. hat das Mitglied folgende Nutznießungen: Im Falle einer Erkrankung bestreitet der Verein für dasselbe, die Kosten des Arztes und der Apotheke (die Wahl eines der anerkanntesten Professoren steht d-m Patienten frei) und übergibt ihm außerdem ein Wocl engeld von 3 fl. durch die ganze Dauer der Krankheit; der betreffende Ausschuß des Vereins ist verpflichtet, dem Kranken täglich einen Besuch zu machen, und sich um dessen Verhältnisse auf das Angelegentlichste zu erkundigen. Im Sterbefalle zahlt der Verein die Begräbnißkosten, und übergibt der Hinterbliebenen Wittwe einen Betrag von 130 fl. Bleiben Waisen zurück, so wird für dieselben vom Vereine gesorgt, sind es Mädchen, so werden denselben mit erreichtem 18. Lebensjahre 300 Gulden zur Aussteuer gegeben. Braucht irgend ein armes Mitglied einen Geldvorschuß, so erhält es denselben, augenblicklich, (ohne zur einer Zinsenzahlung verpflichtet zu sein) und kann denselben in den kleinsten Beträgen zurückzahlen. In diesen kurzen Andeutungen, erkennt man das Wirken eines der wohlthätigsten Institute unserer Stadt, welches nach vier Seiten hin (Krankenpflege, Begräbnißkosten, Waisenversorgung, unverzinsliche Darlehen) seine helfende Hand darreicht. Der Verein zählt 800 Mitglieder. MrrS U»garrr. Das Plaidiren für Judenemanzipation ist Mode. Dieser muß man sich fügen. Aber Mancher fügt sich ihr — weil er ^ben muß — mit saurer Miene, und das modisch weite Kleid wirft oft, indem es ein enges Herz bedeckt, so viele Falten und Fältchen, daß sich darin noch immer ein Paar neckische Koboldchen von Hep, hep rc. besser oder schlechter verbergen können. — Am possierlichsten nimmt sich dieses Mannöver auf dem Katheder der Wissenschaft aus, wo ihm der, den Effekt des Komischen allerdings bedeutend herabstimmende Hintergrund der praktischen Wirklichkeit fehlt, und die Komödie, als solche, sogleich in die Augen springt. In den jüngsten Tagen hat ein Hr. August Trefort, in einer akademischen Vorlesung über „die Gesellschaft in Ungarn" gleichfalls den modisch kosmopolitischen Faltenwurf seiner Idee von Mensch und Menschenrecht etwas unbedacht — wahrscheinlich weil er ihn im natürlichen Gange hinderte — zu knapp an sich gezogen, und da sprangen sogleich so ein Paar fatale Geisterchen aus den Falten und fielen plump — und darum mit Geräusch — zu Boden. Hr. Trefort sagt in seiner „akademischen Abhandlung über die Wissenschaft der Gesellschaft" unter Anderem: „Die Juden hingegen bilden in Ungarn eine ganz besondere gesellschaftliche Gruppe. Diese Gruppe vollkommen zu studiren und zur Kenntniß zu bringen, wäre eine nützliche Arbeit', sowohl für die Juden selbst, als auch für die ganze Gesellschaft. Es fragt sich, ob die Juden in Ungarn so sind, wie anderswo. Ich glaube, daß sie einen speziellen Charakterzug haben, und zwar den bemerkenswerthen, daß sie obgleich sie trotz ihrer Anhänglichkeit an ihren Glauben und ihre alten Sitten überall die Sprache der betreffenden Heimath angenommen und ihre eigene Sprache vergessen haben, in Ungarn dennoch mit wenigen Ausnahmen Deutsche sind, deutsch sprechen, deutsche Bildung besitzen. Ferner werden sie anderswo und hauptsächlich in Deutschland für ein revolutionäres Element gehalten; in Ungarn ist der Jude konservativ, der Anhänger jedes bestehenden Status guo. Davon/abgesehen, haben die Juden in Ungarn dieselben Eigenschaften wie diejenigen in Deutschland: Scharfsinn, ein besonderes Talent zum Handel und Geldverkehr, großen Fleiß und Ausdauer, Energie in Bekämpfung der Hindernisse, Wohlthätigkeit, Solidität in den Familienverhältnissen; hingegen schwaches Ehrgefühl, Oberflächlichkeit, Eitelkeit, Aversion vor schwerer physischer Arbeit, Mangel an Reinlichkeit. Wenn wir übrigens von den Fehlern und Tugenden der Juden sprechen, so müssen wir vorausschicken, daß es auch unter ihnen zahlreiche Individuen gibt, die mit der christlichen Gesellschaft innerlich verschmolzen sind, unsere Tugenden und Fehler besitzen, und mit dem spezifischen Judenthum nur dem Namen nach verbunden sind; ferner, daß es auch unter den Juden höhere und niedere Klassen gibt, die von einander sehr verschieden sind. Die der reicheren und höheren, gebildeteren Klasse angehörenden Juden sind hauptsächlich Kaufleute und

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