Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1863)
- Date
- 1863-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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s Zeituugsaachrichte« und Correspoudenzen. Deutschland. Erlangen. Das Bayreuther Tagblatt schreibt : „Aus einer der letzten Nummern des Korrespondenten v. u. f. D. erfuhr man auch in weitern Kreisen, daß der Universität Erlangen ein Mann entzogen werden soll, der überall, wo man ihn kennt, mit der größten Achtung genannt wird und bei dem man nicht weiß, wer größer und bedeutender sei: der Mensch oder der Arzt. Hr. I)r. Herz, um den es sich handelt, ist ein Kind unserer Stadt, wurde auf dem hiesigen Gymnasium gebildet, ist vielfach gekannt und in vielen verzweifelten Fällen auch hier als letzte Hoffnung für die Angehörigen herbeigerufen worden, und so erheben denn auch wir unsere Stimme, um zu sagen, daß eine tiefe Indignation alle Kreise erfüllt, die diesen Mann kennen, wenn sie es für möglich halten, daß man ihn ziehen läßt und ihm nicht die Professur verleiht, die für solches Wissen und solche Humanität, wie sie hier in der seltensten, edelsten Weise in einem Menschen vereinigt sind, noch gar keine besondere Auszeichnung ist. Israeliten von den Eigenschaften eines vr. Herz sind sehr (?) selten — solche Charaktere sind auch sehr selten unter den Christen — und wahrlich die Regierung wäre zu beklagen, wenn Sie für diesen Mann nicht die Ehre fände, die er verdient!" sWir erfahren übrigens, daß Herr vr. Herz in Folge eines Nebels, das er sich in seinem Beruf als Prosektor zugezogen (Blutvergiftung durch Leichengift) die letzten Monate über nicht unbedenklich erkrankt war j (N. K.) Preußen. Aus Königsberg schreibt man der „Voff.- Ztg.": Vor ungefähr zwei Jahren beantragte unsere Universität Streichung des §. 105 ihres Statuts, der Nichtevangelische von akademischen Lehrämtern ausschließt. Herr v. Bethmann-Hollweg erwiderte: Die Majorität für den Antrag im eoneiliura Asnsrals sei zu gering gewesen, um ihn beim Könige befürworten zu können. Das Concilium erklärte sich darauf mit einer an Einstimmigkeit gränzenden Majorität für einen engeren Antrag auf Zulassung zu medicinischen, naturwissenschaftlichen, philologischen Lehrfächern. Für denselben — als den evangelischen Charakter der Albertina nicht im Geringsten tangirend — stimmten die orthodoxesten Docenten, selbst Mitglieder der theologischen Facultät. — Herr v. Bethmann, der seine Bereitwilligkeit, diesen bescheidenen Wünschen entgegenzukommen, schon durch seine schnellen, meist innerhalb 3—4 Wochen eingehenden Bescheide erkennen ließ, verlangte noch eine Präcisirung des Antrags in Bezug auf den Genuß korporativer Rechte, Decanat, Stipendien-Curatorien rc. Von diesem, beschloß die Universität, nach dem Bericht einer Commission, die Urkunden und Stiftung aufs Sorgfältigste geprüft hatte, Nichtevangelische auszuschließen. Sie hatte somit das Votum erneuert, das sie im Januar 1848 abgegeben, als der damalige Cultusminister Eichhorn nach Emanirung des Judengesetzes vom Juli 1847 sämmtliche preußische Universitäten aufforderte. sich gutachtlich zu äußern, „ob eine Modifikation ihrer Statuten zulässig und angemessen sei," nachdem er in der Herren-Curie des Vereinigten Landtags sich damit einverstanden erklärt hatte: „daß durch das Gesetz die Möglichkeit gegeben werden solle, in so fern Seitens der Universitäten keine erheblichen Schwierigkeiten gemacht würden, auch die Juden als ordentliche Professoren unter den von der Abtheilung angegebenen Modalitäten aufzunehmen." — Daß Herr v. Bethmann einem solchen Votum, zu dem Eichhorn schon die Initiative gegeben, das Ladenberg laut Erlaß vom 14. Juli 1848 nach dem Gesetz vom 6. April 1848 als erledigt angesehen und demgemäß Juden angestellt hatte, seine Unterstützung gewährt haben würde, dafür bürgte nicht nur seine Verfassungstreue und Gewissenhaftigkeit, sondern auch seine wiederholten Erklärungen in der Kammer über Z. 12 der Verfassung. Inzwischen war kurze Zeit vor Absendung des letzten Universitäts-Beschlusses Herr v. Mühler Cultusminister geworden, und bis jetzt — nach Ablauf von 7 Monaten — ist keine Antwort auf denselben angelangt. Pose». In den jüngsten Tagen, berichtet die „Fckft. Pstztg.", ist in Posen der merkwürdige Fall vorgekommen, daß ein junger katholischer Geistlicher