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Der Israelit · 1863-01-07 · Heft 1 (7.1.1863) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 1 (7.1.1863)
Date
1863-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 „Wie Herr M. die Historie verhunzt, so mißhandelt er auch die gesunde aristotelische Logik. „Die Propheten — sagt er S. 21 — sind von A bis Z ein donnernder Katalog der Sünden der Juden und man sucht umsonst nach einem ähnlichen halsstarrigen Volke in der Geschichte," worauf er eine kleine Blumenlese von betreffenden Schriftstellern, oder wie er sich hartnäckig ausspricht: aus der jüdischen Tradition auf's Gerathewohl veranstaltet. Welche Begriffsverwirrung! Aus den Ermahnungen der göttlichen Seher auf die durchgängige Schlechtigkeit einer ganzen Nation zu schließen! Mich wundert, daß er diese Schlußfolge nicht schon aus der bloßen Existenz der einfachen Zehngebote gemacht hat, daß er beispielsweise nicht behauptete: weil der Gesetzgeber Vater und Mutter zu ehren befohlen habe, müsse die Kindesliebe im alten Israel gänzlich verschwunden gewesen sein. Oder man gehe doch nur heute an einem Sonntage — in Gedanken wenigstens — in sämmtliche christliche Kirchen der Erde und höre wie dort von den Kanzeln gegen die Gottlosigkeit der Zeit gedonnert wird, und folgere daraus nach Marr'scher Logik die völlige Sündhaftigkeit der ganzen heutigen Christenheit. Diese Demonstrationsmethode hat eine nahe Verwandtschaft mit der bornirten christlichen Gewohnheit, alle Fehler eines Juden der Gesammtheit aufzubürden, seine Tugenden aber ihm selbst als „Ausnahmen" zuzuschreiben. Da haben Sie, meine Herren, ein recht häßliches Zerrbild eines Christenspiegels, zu welchem ihr neuester Wortführer in Hamburg die Veranlassung gegeben hat." Ein würdiger Genosse des Marr'schen Judenspiegels ist die bereits in siebenter Auflage von einem Anonymus herausgegebene Schrift „Die Juden und der deutsche Staat." Da uns dieselbe erst unlängst zugesandt worden, so haben wir bis jetzt nur Hineinblicken können; aber dieser eine Blick hat genügt, uns von der rein verleumderischen Absicht des Verfassers zu überzeugen. Während der Verfasser sagt: „daß derjenige deutsche Staat, welcher die Juden besonders hätscheln wollte, sich den größten Theil der Judenschaft auf den Hals ziehen würde," beschuldigt er dieselben andrerseits, daß sie nicht der Industrie und dem legitimen Handel nachgehen und führt zum Beweis ihre geringe Zahl in England, Belgien und Bremen an. Nun ist es aber feststehende Thatsache, daß die Juden sehr ungern dasjenige Land verlassen, in welchem sie geboren und erzogen sind, und gerade dafür ist der Beweis ihre geringen Anzahl in England, Belgien und Bremen. In England wurden die Juden durch Eduard II. ausgetrieben und kehrten erst seit verhältnißmäßig kurzer Zeit dahin zurück. In Belgien, den ehemals spanischen Provinzen, durften bis zur französischen Occupation keine Juden wohnen, und in Bremen ward ihnen das Aufenthaltsrecht erst im Jahre 1848 gestattet. Das ist also die Logik des Verfassers! Um zu verleumde» stellt er vage Bermuthungen als Wahrheiten auf, um zu verleumden stellt er für Thatsachen falsche Gründe auf! Wir werden auf dieses Machwerk vielleicht später noch zurückkommen. Es ist allerdings das Aufsehen, welches diese Schriften erregten, vielfach durch die Juden selbst hervorgerufen, welche, da sie natürlich besonderes Interesse daran hatten, dieselben gekauft, gelesen und widerlegt haben. Nichtsdestoweniger sind diese Stimmen aus dem Volke in Verbindung mit anderen judenfeindlichen Preßerzeugniffen und Zeitungen, ein sehr trauriges Zeichen der Zeit. Uns aber mahnen sie daran, daß das Galuth noch nicht aufgehört hat und daß wir uns auf Niemanden verlassen können und sollen, denn auf unfern Vater im Himmel. Das Vertraue nauf Ihn, der Gehorsam gegen Sein heiliges Gesetz und der Wandel in Seinen Wegen sei uns Schirm und Schild gegen alle Stimme und Gefahren: „Denn es wird nicht verlassen der Ewige sein Volk, um Seines großen Namens willen!" Grtkoäox-Lsr. MbLlsnMll. Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohfeiler hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln: Bei einer Chanuka-Gesellschaft gespendet 1 st. Gesammtsumme: 7559 fl. 11^ kr. Hm Milcher Armen- und WgerdnhmmgeL in Jerusalem. Frau Wittwe Leser in Mainz 1 fl.; Jos. R. Landauer in Hürben 18 fl.; Frl. E. M. das. 1 fl. 10 kr. — Durch Lehrer A. Opppenheim in Theilheim: Schasmin das. 1 ft. Die isr. CuLtuspflege in Aschbach 12 fl. 51 kr.; bei der Verlobung von Benjamin Oppenheimer mit Ernestine Lichtenauer aus Brünan 1 fl. 39 kr.; zusammen 14 fl. 30 kr.

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