Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1862)
- Date
- 1862-12-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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386 „rit kühner: Widerstandskraft des Geistes; mit Be-!,mrlichkeit und — Märtyrermnth. So wüßte das s Zildenthilm, mitten im Getümmel der geräuschvoll , bewegten, praktisch materiellen Welt! sich eine ideale! Welt zu scharfen, ein stilles Geistesreich, verklärt durch ' die feierliche Ruhe des Gedankens, geweiht und geheiligt durch die erhabene Herrschaft der Religion.! Äus diesem stillen Heiligthnme waren alle weltliche» 's Zorge ir und Bekümmernisse gebgnnt; hier fristete^ man ein rein inneres contemplativeä Hben,j da^ vom')! O.'wüyle des lärmend chtfaeregten Weltlebeüs. zstrnckgezogen, und dessen kaltrcuchen ÄDihru!ngen nsiaus-! i gesetzt, gleich einer, gegen die ungünstigen EmMsss?^ der wechselnden Temperatur gesicherten, im geschützten!. Dnme eines Treilchänses üppig noachsenden Pflanze, in ungeschwächter,-; jugendlich Mischer Triebkraft gedeihlich sich entfaltete. Dieses - ideale Reich,! immer- Mbr änsznbauen und dessen Ungestörten friedlichen Pesiy ' sich immermehr züZ sichern, war in allen Lebenslagen des Indenthnms heiligstes Streben, sein höchstes, einziges Ziel. In seinem Glanze wie in seiner Niederlage, ans der Mittagshöhe des Glückes , wie in -er Nacht des Mißgeschickes, waren es einzig - und allein geistige Güter, Momente religiöser Erhe-! bnng und Seelenbegeisternng, deren Besitz es mit s himmlischer Freude und deren Velnst es mir tiefer s Trauer erfüllte. All' die heiteren Klänge und Weisen s seiner zahlreichen gottbegeistsrten Sänger, all' die ' srendigfeurigen Gemüthssrgüsse seiner erhabenen himmi lischbeschwingten Dichter ans der Glanzperiode seines! geschichtlichen Lebens, sie waren nicht, wie dies bei ' ändern Nationen der Fall, dem vergänglichen Rahme eines sterblichen Heldenkönigs geweihet, der glückliche! Schlachten geschlagen, Siege erfochten, des Landes - Grenzen erweitert und dessen irdische 'Wohlfahrt gefördert; '.rein, sie waren dem unvergänglichen, ewig-! lebenden Weltentönige, dem Herrn der Heerschaaren, dem erpigen Gotte Zebaoth geweihet, für das Gnadengeschenk der Thora, für den Besitz erhabener religiöser Institutionen und des begeisternden Tempclcnltns. lind als das eiserne Zeitalter das goldene verdrängte, Israel, seiner politischen Selbstständigkeit wie seilles Aesitzthnms beraubt, ans der süßen Heimath in aller Herren Länder verjagt, ans fremder Erde trauernd saß, „an den Flüssen Babet's weinte, und an deren Trauerweiden seine Harfe anshängte", da galten die glühendheißen Thronen und herzzerreißendeil Aiwbrüche des fürchterlichsten Schmerzgefühls keineswegs der Einbuße seiner körperlichen Freiheit, seines herrlichen materiellen Besitzes, sondern dem Verluste des heiligen Tempels nnd des nationalen Gottesdienstes. Nur nach diesen unvergänglichen, religiösen Gütern war das nationale Trachten und Streben Israels gerichtet; alle anderen Gefühle, die sollst die Völker so mächtig bewegen nnd drängen, Ware» ihm fremd, werth- und bedeutungslos. Es hätte feine eigene Freuden und feine eigene Leides fcsine eigene Weltanschauung, und daher auch — W«Ä! eigene Wett. Was kümmerte Israel, nach dD»> Heberzeüglrng. die Gegenwart blos eine Vorhalle ztM Tempel deri'Znknnft mrd all' hie coucrekeu Gestatten find Ecschfinnugen der Welt kein: ügentlichr» Zmzckie > an sich, sondern vorbereitende Wittel zum großen Welkzwecke; der allgem-inm A lerke>mnng des eiirzigernfgen Gottes, ww sich^rrchefi M Ledeu dif Bechaltmffö gestalteten, weck» es nrc rn feiner gWgen! ^Arbeit, in feinem religiösen Wirken nicht gestöe^ ans seinem.Seelenfrieden nicht aufgernttelt wurde? Was Mmmerts Israel, ob die wandelbare Laune feiner! MitiN-rtschän ihm ein freundliches oder grollendes GästM! zeigte; sie konnte ihm! doch^ was ess eigenMch? erstrebe,!nicht geben und —fiichh nehmen; Askortnte? ihm, doch sein Mdziet weder n^hee noch ferner rücken.!! -EineNätionder die Lösung einer rein geistigen Huf-!'! gäbe als nationales Ziel vocschwsbt, die für Ms höhere, göttliche Idee lebt und wirkt, findet in ihrem eigenen Innern, in der Heiligkeit ihres Berufes genügende Befriedigung und Ermunterung; mag anch ihre materielle Lage eine, noch so ungünstige, mag chr physisches Wohl noch so hart bedroht und gefährdet seilt. Was haben nicht Alles die mächtigsten Nationen der Erde zn allen Zeiten angewandt, um Israel seinem nationalreligiöfen Berufe abtrünnig zn machen? Einschmeichelnd verführerische, süßlich glatte Neberrednngskünste und teuflisch ersonnene Martergnaken wetteiferten miteinander um den würdigen Preis des religiösen Verderbens Israels. Allein alle Anstrengungen scheiterten an der unerschütterlichen Beharrlichkeit seines Hottoertcanens, an der allgewaltigen Macht der Wahrhaftigkeit seines begeisternden Glaubens. Und die reizendsten Vorspiegelungen irdischen Glückes wie die unmenschlichsten Quälereien vermochten nicht nur nicht, den Inden seinem Glauben ab--! wendig zn machen, sondern es gelang ihnen auch i nicht, seinen regelt Sinn abzustnmpsen, sein eifriges . Streben zn lähmen, den Flüge (schlag seines Geistes! zn hemmen uns fein Wesen zu thattosem Hinbrnten - zn verdammen. Die Energie und Neakrionrkrast seines Geistes, gehoben und geweihet durch das Be- ' wußtsein seines hohen Berufes, seine unerschütterliche Zuversicht, feine liebevolle Hingebung an Gott, sein ungebrochener -vertrauensvoller Much, getragen von - innerer Freudigkeit nnd dem beseligenden Gefühle i himmlischen Triumphes, höhnten allen vergänglichen irdischen Glanzes, spotteten nnd trotzten aller Qiral,! die seinen Körper zn Boden drückte und sein äußeres l Leben zerknickte. Daher ist die, ans jedem Blatte Bilder des schrecklichsten nationalen Jammers darstellende, und ein unübersehbares Gewebe von Trauecscenen bildende