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Der Israelit · 1862-09-24 · Heft 39 (24.9.1862) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 39 (24.9.1862)
Date
1862-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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307 Ereigniß am Berge Sinai, erinnert uns der Schofarton. An jenem größten Tage, den die Welt je gesehen hat, ertönte der Schofarton immer stärk r und stärker, als der Allmächtige im Feuer sich seinem Volke offen barte und selbst ihm verkündete seinen heiligen Willen. Damals wurde Israel berufen Träger der GottcSidee auf Erden zn sein, damals lat Er, ewiges Leben gepflanzt in uns, möchte er doch wiederum öffnen unser Herz für Seine Lehre! II Ach, gar vielen Israeliten ist die Hingebung an Gott abhanden gekommen; das Neujahrsfest erinnert uns an den Tag, als Gott den Abraham versuchte und dieser freudig sprach: hier bin ich. Auch wir leben in einer Zeit der Versuchung Täglich, stündlich tritt der Versucher an uns heran, ims abzuziehcn von unserem Gotte, uns loszurcißen von unserem liebevollen Vater im Himmel. Die lockendsten Mittel braucht der Verführer, mit den reizendsten Farben schildert er Sünde und Abfall Aber wo ist der Mann, der sich seinem Gott ganz zur Verfügung stellt und spricht: '^.n, hier bin ich, wo ist der Manu, der Kraft und Much besitzt, seinem Gotte zu opfern des Lebens Tand und Eitelkeit, dahiuzugeden Genuß und Bequemlichkeit, um in Erfüllung des Gottes Wortes Ersatz zu finden für Alles, was das Leben zu bieten vermag? Es ist eine Zeit der Versuchung und Verführung, wie sie Israel jemals gesehen. Macht und Ehre und Neichthnm blühen im Lager derer, die Gottes Gebot verachten. Schon lange hat es anfgehört, in den Augen der Menschen eure Schande zu sein, sich loszusagen von Gottes Wort, es zu verletzen, es zu verhöhnen. Kein irdisches Drittel, keine irdische Triebfeder ist da, das wahrhaft Gute zu fördern, Leidenschaft und Genußsucht zu mäßigen Jetzt zeigt cs sich, wer hanget an Gott aus reiner Liebe, wer einzig und allein durch Gottesfurcht und Gotteslieke bewogen widersteht der lockenden Sünde, um zum allgütigen Vater zn sprechen: 'aü.-r, hier bin ich. Schon ähnliche Zeiten bat Juda gesehen, schon ähnliche Zeiten sind über Israel gekommen; damals wie heute tönte des Mahners Stimme bitter wie der Posaune Ton, und über das Volk, das nicht hören wollte, kam Gottes Strafgericht. O, aus fernen Jahrtausenden tonet zu nnS der Posaune dumpfe Klage. Es ist die Erinnerung an die Kriegstrommelte des Feindes der auf den Trümmern Jerusalems in die Posaune stößt, der Gottes Strafgericht bringt über das sündige Volk, mordet Greise und Kinder, Jünglinge und Jungfrauen! Und Wir sollen nicht zittern am Tage des Gerichts, nicht beben vor der Hand des Allmächtige!«, die uns zu treffen vermag in jedem Augenblicke, vor der kein Entrinnen? Sollen lucht denken an jenen großen Tag, an dem alle Erdenbewohner vor Ihm erscheinen müssen, aus Seiner Hand ihr Urtheil zu empfangen. Oder sollen wir etwa sprechen mit kecker Stirne: wir sind gerecht und haben nicht gesündigt? Traut Er doch seinen Dienern nicht, findet Tadel an engelgleichen Männern! - Blicken wir zurück in die Geschichte der Vorzeit — sind selbst die Edelsten vsr Ihm gerecht, von Ihm ganz ohne Fehl gefunden worden? Abraham wird bestraft um verzweifelnden Frage willen, Jizchak erblindet ob der Laster seines Sohnes Esaw, Jakob wird getrennt vom lieben Sohne, da er des Allmächtigen Schutz verkannt bat, die beiden Ahronssöhne sterben dahin, weil sie im srom meu Eifer gethan, was der Herr ihnen nicht geboten hatte, selbst Mescheh, der treue Hirt, der Erhabenste aller Erschaffenen muß büßen sein zürnend Wort — Wenn die Stützen -er Erde wanken, sollten wir fest z,«stehen vermeinen, wenn das Feuer die snschkrä'tigcn Eedcrn des Libanon ergreift, wie kann taS vertrock nete Reisig ihm entgehen? Wir, die wir leben in Schuld und Sünde, in Laster und Unreinheit, aus Fehl Vergehen Hausen, mit Hinterlist nnsenn Nächsten begegnen, sollten nicht zittern am Tage des Gerichts, sollten uns mit Straflosigkeit schmeicheln, da Gott langmüthig und erbarmungsvoll nicht immer die Strafe der Sünde folgen läßt! Am Neujahrsfeste gedenkt der Allherr des von uns längst Vergessenen — wenn Er uns vergilt nach unserem Thun, was sollen wir da beginnen? — Wohlan, wir wollen uns demüthigen vor Ihn« beim Tone der Posaune, wollen greisen in unsere Brust, heransreißen jeden sündigen Wunsch; jede sündige Begierde mag schwinden vor dcm Gedanken an den Tag des Gerichts, vor dem Gedanken, daß wir später oder früher vor Gott erscheinen müssen, nm Rechenschaft abzulegeu. Ach, gar Mancher, d«r vor einem Jahre blü hend qn unserer Seite einherschritt, ist schon gefordert worden zum Gericht durch den Boten Gottes, den Todcscngel. Wer bürgt uns dafür, daß nicht alsobald er klopfet an unsere Pforte und unerbittlich Einlaß verlangt? Wohl dem, der dann ruhig ihm znzmusen vermag 'i.n, hier brn ich, bereit vor meinem Vater im Himmel zu erscheinen, die strenge Prüfung zn bestehen. Aber wehe dem, welcher jenem unvermeidlichem Tage entgegcnschanen muß voll Furcht und Qual und Zittern, der Nichts zu erhoffen wagt, als grause Vernichtung, vor dem leine gute That als sürsprechcnder Engel einherwandclt, der da verfällt der ganzen Strenge des Gerichts — o, möchte nicht also sein unser Loos, möchte Gott gedenken des Wldderhornes, das damals im Dickicht sicb verwickelt hatte, gedenken all der Verheißungen dev Liebe und des Erbarmens. . Die Tage der Buße sind herangerommen, die Tage der Rückkehr; mögen wir sie ergreifen, benutzen,

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