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Der Israelit · 1862-09-24 · Heft 39 (24.9.1862) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 39 (24.9.1862)
Date
1862-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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306 Geschick und verzeichnet uns im Buche des Lebens; möge es also Sein heiliger Wille sein! Zehn Ursachen zählt Rabbenu Saadja Gaon ans, um derentwillen Gott uns das Schofar Blasen am Nosch haschanah besohlen habe, wir können diese Gründe in drei große Gesichtspunkte zusammensassen: 1) am Schöpfungstage soll uns der Posannenton daran erinnern, daß Gottes Cigenthnm die ganze Welt; 2) am ersten der zehn Baßtage will uns der Schosarton daran mahnen, daß diese Welt von Gott abgesallen und zu Ihm zurnckkehren muß; 3) daß dereinst Alles zu Gott und zu Seinem Dienste znrückkehren wird und daß dann die Erlösung statthaben wird von Knechtschaft und Tod. I. Zuerst also soll uns der Posaunenton daran erinnern, daß das Neujahrsfest der Jahrestag der Schöpfung, daß Gott nicht allein Schöpfer, sondern auch Erhalter und Regierer, daß er der König des Weltalls sei. Als König sitzet er zu Gericht — wenn Gott richtet unser Thun, uns vergilt nach unlern Handlungen, welch strenges Urtheit würde da über uns gesprochen werden! wenn wir plötzlich gefordert würden vor den Thron eines irdischen Richters, angellagt schwerer Verbrechen, würde uns da der Muth nicht entsinken? Mit Thränen im Auge würden wir Abschied nehmen Hon unfern Lieben, die wir vielleicht niemals wieder erblicken; und wenn sie naht, die Stunde des Gerichts, dann würden wir zusammenraffen all unsere Kräfte, uns angstvoll zu vertheidigen, würden ergreifen alle Mittel, den strengen Richter zum Mitleid zu bewegen, denn das Schwert des Todes schwebt über unserem Haupts. Aber der Richter ist nur ein irdischer Richter, vielleicht zu bestechen, vielleicht zu täusche»; sein Urtheil, wenn auch gefällt, wird vielleicht nicht vollführt, unsere Schuld bleibt vielleicht uncrwiesen Am Rosch haschanah aber fordert uns vor seiner: Thron der allmächtige Gott, Er selbst, der Allwissende, ist Ankläger, Zeuge und Richter, klar steht vor Ihm verzeichnet unsere Schuld, aus seiner Hand kann Niemand erretten — und wir sollen nicht zittern, nicht zagen? Aber wenn der Schosarton ertönt, sagen unsere Weisen, steht der Allgewaltige auf vom Stuhle des Gerichts und setzt sich auf den Stuhl des Erbarmens. 'pw' vpn '-wx Heil dem Volke, das den Schosarton erkennt, in dessen Herz des Schofars Klang den entsprechenden Wiederhall findet, es ist gerettet vom Verderben. So wolle» wir denn huldigen unserem Könige! Gott ist König der Welt, das ist des Schofars erster, ernster, jubelnder Zuruf; es ist der Geburtstag der Welt, den der Schosarton feiert. „Heute vor Jahrtausenden, ruft er, entstand auf Gottes schöpferischen Werdcruf das gan^e Weltenheer. -2^ id,2 -22N2 .-I2P2 npd, damals als das All durch fehlen Willen ins Dasein trat, ward König Sein Name genannt. Was ist des Mächtigen Macht Ihm gegenüber und der Könige Herrschaft?" Umgeben von Myriaden seiner Engelschaarensch klütern: höchster Kvnigspracht einher nnd Alles jauchzt Ihm entgegen 1^2' 'i, Gott wird ewig regieren, nnd vor Ihm beugt sich alle Pracht der Erde, die hohen, stolzen Berge schwinden, düstre Nacht hüllt Nationen, Er aber strahlt in Siegesglanz als König; Seinen Ruhm verkündet das Firmament nnd die Zahl der Sterne seine stolze Schöpfung, Abend- und Morgeuroth erscheint, um Ihn als König zu grüßen. Auch der Mensch ergreift die Harfe, singt begeistert seinem Könige Lieder, Fürsten, die mit mächtiger Hand die Erde beherrschen, erkennen, daß ihm gegenüber nichtig ist Krone und Scepter, mit lautem Zuruf bekennen sie, daß Er ist der Herrscher, der einzig wahre König, denn siehe, vor Ihm erbebet die Erde, und Angst und Grauen und Furcht ergreifet ihre Bewohner, wenn er einherschreitet, gehüllt in Schrecken, die mächtigen Elemente schleudernd mit Seiner Hand (Zacharias 9,14): und der Herr erscheint ihm, wie ein Blitzstrahl fährt sein Geschoß dahin und der Allherr, der allgewaltige Gott, wird einherschreiten auf Teman's Sturm. Sein ist die Erde, und was sie trägt, Sein ist der Himmel und der Himmel Himmel. Sein das Meer und was es füllt, Seinen: Winke gehorchen alle Erschaffenen, und wie in die Posaune gestoßen wird, wenn dem irdische» Könige man huldigt, so verkündigt der Schofar uns heute, Gott ist der König der Könige. Aber uns hat der Allgewaltige erwählt zn seinem Volke, und daß wir sind die Auserwählten des Herrn, das zeigt uns der Schofar selbst an, das Widderhorn, das da erinnert an das Horn jenes Widders, der für Jizchak geopfert wurde, als er sich geduldig binden ließ, bereit sein Leben hinzugebe!». Welch hohes, schönes Bild führt der Schofar unserem geistigen Auge vor; Vater und Sohn, Abraham und Jizchak, gleich bereit den Allgütigen zu verherrlichen, einträchtig dahinwandernd, der Vater im Begriff das höchste Kleinod, den geliebten Sohn auf Geheiß des Allherrn zu opfern, der Sohn dem Vater willig folgend, wiewohl er bereits erfahren, daß als Lamm zum Opfer ihn selbst Gott ausersehen. Und da alsdann Gott gnädig Schonung verhängt, da der mit den Hörnern im Dickicht verstrickte Widder dargebracht ist auf dem Altar, auf welchem gebunden Jizchak schon gelegen, da ertönt Gottes Stimme vom Himmel und erwählt Abrahams, erwählt Jizchaks Nachkommen zum Gottgeweihten Volke für alle Zeiten. Und auch an hie Erfüllung dieses Wortes, an das große

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