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Der Israelit · 1862-09-10 · Heft 37 (10.9.1862) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 37 (10.9.1862)
Date
1862-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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294 seines hohen Alters, und seiner Körperschwäche stundenlang bei den öffentlichen Prüfungen. Mit Bangigkeit fahrn wir daher seinem Scheiden als einem schweren Verluste entgegen, mm: drängte sich hinzu, Nachtwachen bei dcm Leidenden zu halten, und erzählte sich von der ergebenen Ruhe des Frommen und von der Fülle der Schriftstellen, mit denen er seine Wärter unterhielt. Während seines Begräbnisses waren alle Geschäftslokale der Israeliten geschlossen. Alles folgte dem Verblichenen auf dem letzten Wege. An seinem Grabe sprachen die beiden Herren Nabbinats-Assessor«. Wocte der Ermahnung in Bezug auf die hohen Verdienste des für uns viel zu früh Heimgegangenen, und auch dem Referenten war es vergönnt, sich denselben anzuschließen. Möchten wir uns der Hoffnung hingeben können, daß die Wirksamkeit des Seligen lange nachhaltig bleibe, und der Geist des Friedens und der Frömmigkeit den er zu erhalten wußte, noch lange unter uns walte, in'.' Onnnn ll'p.-m — Gewiß Wird diese Achtung und Liebe der Gemeinde für den Verstorbenen nicht so früh erkalten und sich auch in einer Berücksichtigung der trostlosen Wittwe bethätigen, deren Sorgfalt und Pflege eS, nächst Gott, zu danken war, daß wir ihn bei seiner Körperschwäche so lange erhalten konnten. 6. Königsberg. 26. Aug. Unser schönes Universitätsfest vom vorigen Monat, das alle jetzigen und ehemaligen Genossen der Albertina in freiem geselligem Verkehr froh vereinte, ist auch für das Judenthum nicht ohne Interesse vorübergegangen. Die philosophische Facultät, eingedenk ihrer Würde, verlieh auch eurem Israeliten, Hrn. Prof. Jaffe irr Berlin, ihr Docterdiplom, um Zeugniß davon abzulegen, daß die Schranken, welche die Universitatöstatuten für Nichtevangelische bisher gezogen, endlich fallen müssen. Die Freiheit der Wissenschaft ist somit an jenem Ehrentage der Albertina in der Stadt der Vernunftkritik proklamirt worden. — Auch unsere berühmten Abgeordneten in Berlin, Rupp und Kosch, fahren fort jüdische Interessen in der Kammer gegenüber denr reaktionären Ministerium männlich zu vertreten. Wie unser vr. Kosch neulich wieder als Mitglied der Marinecommission der Negierung ihre Sünden gegen seine Glaubensgenossen vorgeworfen, so hat Hrn. Vr. Nupp in der bekannten Angelegenheit der posener Realschule zu 'Gunsten der jüdischen Lehrfreiheit eine glänzende Rede gehalten. Dieser ehrenwerthe freievangelische Prediger ist längst als entschiedener Vertheidiger der Emancipation der Juden bekannt. Sein jüngster Ausspruch: „Die Taufe hat noch niemals orientalisches Blut in germanisches verwandelt." — hat ihm von Neuem unsere Herzen gewonnen. - Von der projectirten Cult ns re form ist, wieder Alles still, wenigstens höre ich jetzt nichts weiter. Aber von einem Mitglied derselben, dem schon einmal genannten Hrn. L. muß ich Ihnen doch ein Geschichtchen erzählen, wie durch ihn beinahe ein unschuldiger Mann ins Unglück hätte gestützt werden können. Ein junger Cantor aus Brody halt sich hier zeitweilig auf, der auch bei jenem orthodoxen Reformer (contra ckictio in ackn-cio!) Visite machte. Der Zufall wollte, daß bei ihm einige Werthsachen verschwanden, der Verdacht lenkte sich auch durch seine Anzeige auf den unglücklichen Cantor, der vier Wochen eingesperrt wird, bis sich seine vollständige Unschuld herausstellte. Cantor G. hat weder den Diebstahl begangen, noch ist er der vermeintliche Flüchtling aus Wien, wohin erst sein Porträt abgesendet werden mußte. Wir wollen nicht wünschen, daß sich der talmudische Ausspruch auch hier realisire: iLn.-n Wir Orthodoxe sind in der That humaner als die sogenannten freisinnigen Reformer, die nur von Herrsch- und Modesucht, nicht aber von wahrer Gottesfurcht bestellt find. — Unter unfern drei englischen IudenmLfsionSren, deren wir unhier seit dem Krimkriege zu erfreuen haben, ist eine Art innerer Krieg ausgebrochen. Die Veranlassung dazu soll der Druck und die Verbreitung christenfeindlicher Schriften von Abarbanell durch einen derselben gegeben haben. Eine Londoner Unteifuchungskommission hat die Sache in die Hand genommen und es wird wohl dem Kläger wie dem Verklagten an den Kragen gehen. -- In diesen Tagen verstarb einer unserer konservativsten. Frommen : Herr Geh. Rath und Rittmeister a. D. H. Hirschberg, bei dessen Oheim (^Li Schreiber dieseeinst als Knabe in Krotoschin talmudische Studien getrieben hat. N. Limoul.

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