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Der Israelit · 1862-09-10 · Heft 37 (10.9.1862) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 37 (10.9.1862)
Date
1862-09-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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290 gebürt Judäas durch seine!stets nutzlose Gegenwart gestört. Wir würden noch im neunzehnten Jahrhundert Prediger gehört haben, welche das Ende der Welt prophezeit, und den. Antichrist angekündigt hätten. wenn das edle und unglückliche Jerusalem durch jüdisches Geld wieder aufgebaut worden wäre. Ja, dar hätten wir erlebt, heute besonders, wo der Ul- Lramontanismus nur noch in dieser zänkischen Beredsamkeit seine letzte Zufluchtsstätte hat. — Im heiligen Bienenstock würden wir ein unaufhörliches Gesumme jener Insekten vernommen haben, welche lieber das Schwert in der Hand des Barbaren, als die Auferstehung der Völker mit dem Banner eines freien und großen Gedankens begrüßen. — Das ist ohne Zweifel der Grund, der Israel von jedem Versuche abgehalten hat, Herr an seinem eignen Herde zu werden, die Ursache, weshalb es nach einer zweitausendjährigeil Wanderung noch immer Anstand nimmt, den Staub von seinen Füßen zu schütteln. Die unaufhörlichen Reklamationen, die pran sehr wohl voraus sah, die vexatorischen und beleidigenden Haussuchungen, die kein Ende genommen hätten und schließlich in eine Judenverfolgung allsgelaufen wären, in welcher fanatische Christen und Mohamedaner sich brüderlich die Hand gereicht haben würden, dieses Alles war es weit mehr noch, als die bloße Herrschaft der Türken, welches den Juden den Murh genommen hatte, den Tempel Salomons, ihr Haus und ihre Stadt wieder aufzubauen. Erklärt dieses aber auch die Muthlosigkeit der patriotischen Juden, so können wir doch andrerseits die modernen Juden nicht von einem tadelnswerthen JndisserentiSmus frei sprechen, den sie bei jeder Gelegenheit, die sich zur Wiederherstellung des Reiches bietet, mit einer Naivetät krmdgeben, die weder ihrem Verstände, noch ihrem Herzen Ehre macht. Die von ihnen in dieser Beziehung abgegebenen Erklärungen sind weder in moralischer, noch in politischer Hinsicht zulässig. — Es exisiirt eine voll Frankfurt aus datirte, von den modernen Juden abgefaßte Erklärung, welche folgenden Artikel enthalt: „Wir erkennen als unser Vaterland nur dasjenige Land an, in welchem wir geboren, mit welchem wir durch bürgerliche Beziehungen verbunden sind? Man kann nicht auf das unbestreitbarste und nnverjährlichste Recht Verzicht leisten, nicht zugleich seine Vergangenheit und seine Ettern verleugnen, besonders in einem Augenblicke nicht, wo die europäischen Verhältnisse einer Nestauration des jüdischen Staates nicht nur keine Hindernisse mehr in den l Weg legen, sondern sie erheischen. Welche europäische Macht würde sich heute dagegen noch opponiren, daß dir Juden, in einem Congreß vereinigt, die Loskaufung ihres Vaterlandes beriethen und beschlössen? Wer würde noch etwas dagegen haben, daß sie der dekrepiten Türkei einen Hansen Göld hinwürfen und zu ihr sagten: Gib mir meinen eignen Herd zurück llnd consolodire mit diesem Gelds, was Dir noch von Deinem Reiche übrig bleiben wird. Nein, eS würde nichts mehr dagegen eingewendet werden, und Judäa könnte seine Grenzen ausdehnen von Suez an bis zum Hafen von Smyrna, die ganze Breite des westlichen Libanonabhanges einschließend. Denn wir wollen uns nicht ewig befehden. Kommen muß die Zeit, in welcher diese allgemeine Abschlachterei, dieser Kanonen- und Trompetenlärm laut genug verurthcilt sein wird, daß Derjenige, der noch Händel sucht, eS nicht mehr wagen darf, vor der Welt zu erscheinen. Wir haben daher für die friedlichen Kämpfe der Arbeit einen weiten Boden zu eröffnen. Die europäische Industrie muß ihren Markt jeden Tag mehr ausdehnen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Der Augenblick ist gekommen, die alten Völker wieder ins Leben zu rufen, damit sie überall die Heerstraßen der europäischen Civilisation groß und weit eröffnen.". An einer andern Stelle spricht der Verfasser mit einer Begeisterung, Liebe und Hochachtung von un-, die Alles in Schatten stellen, was jemals das patrio tische Hochgefühl einem Juden über seine eigne Nation eingegeben hat: „lieber die veränderlichen Geschicke der Menschheit waltet unbeweglich eine geheimnißvolle Macht. — Hat die Hand des Unendlichen ein Volk für immer von der Erde weg getilgt, hat sei» Finger das Siegel auf das Grab einer Nation gedrückt, dann ist dieses Volk unwiderruflich verurthcilt, daun wird diese Nation nicht mehr das Licht der Welt erblicken; sie ist alsdann der ewigen Vergessenheit verfallen. Wird aber eine Nation im Kindesalter aus ihrer Wiege gerissen; wird ihr dann noch einmal, nachdem sie alle Bitternisse des Exils gekostet hat, das Land ihrer Väter gezeigt, damit sie sich dessen noch erinnere, wann sie sogleich in der ganzen Welt zerstreut umher irren wird; hat diese Nation dann in ihrer Arstreuung die Kraft, ein Märtyrerthum von achtzehn Jahrhunderten auszuhalten, ohne das Feuer des Patriotismus in ihrer Brust erlöschen zu lassen: dann stehen wir hier vor einem rurendlichen Geheimniß ohne Beispiel irr der Geschichte der Menschheit. In diesen wenigen Worten liegt die ganze Geschichte Judäa'S. Welch' ein Beispiel! Welch' eine Rare! Ihr habt Eure Legionen gegen das in Ruinen liegende Zion geführt, römische Eroberer, und die Kinder Israels ans ihrem Lande vertrieben. — Europäische, asiatische und afrikanische Barbaren, Ihr habt der Stimme des Aberglaubens Euer Ohr ge-

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