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Der Israelit · 1862-09-03 · Heft 36 (3.9.1862) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 36 (3.9.1862)
Date
1862-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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282 ar aus einen christlichen verlegt werden. Voreter und Sänger dürsten mir keine seelenlose Instrumente sein; ich würde vielmehr streng darauf halten, daß die Gebete und Gesänge von frommen Männern und Knaben vorgetragen würden, die nicht nur den Ansprüchen der Kunst, sondern auch der Religion genügten. Das Bethaus ist kein Theater, und die Vorsänger, wie die Prediger, sollen etwas Anderes, als gute Komödianten sein. Las nicht aus dem Herzen kommt, kann nicht zu den Herzen gehen. Die Gebete, Gesänge und Predigten Solcher, die unfern heiligen Nationalcultus für eine veraltete Institution halten, können nicht erbauen; sie erregten in mir stets nur einen unüberwindlichen Ekel. — Kurz, ich würde alles begünstigen, was zur Erbauung und Belehrung der Gemeinde beitragen kann, ohne unfern alten Cultus zu untergraben. Im Schooße meiner eigenen Familie würde ich streng daraus halten, daß unsre Traditionen beobachtet würden, wenn ich auch keinem dogmatischen Eiferer nach christlichem Zuschnitt das Recht einraume, mir seine Satzungen oder Glaubenssätze auszudrängen."! Der Verfasser ist jedoch noch weit davvn entfernt, zum positiven Judenthume zurückgekehrt zu sein; er selbst nennt sich einen Spinozisten und zählt sich zu den strebsamen Geistern, die der starren Orthodoxie längst entwachsen sind; die Religion Israels ist ihm nichts als eine Selbstoffenbarung des göttlichen Genius der jüdischen Familie. Freilich gibts im Geistesleben ebensowenig wie in der Natur craffe Uebergänge, oder Sprünge von Extrem zu Extrem. Der V-rfasser war 20 Jahr lang seinem Volk und dessen Religion entfremdet; nunmehr „steht er wieder in der Mitte seines Volkes und nimmt Antheil an seinen Freuden- und Trauerfesten an seinen Erinnerungen und Hoffnungen, an seinen geistigen Kämpfen in seinem eigenen Hause und mit den Culturvölkern, in deren Mitte , es lebt mit welchen es aber, trotz seines zweitausendjährigen Zusammenlebens und Strebens nicht verwachsen kann." Der Verfasser betrachtet die Aufgabe des JudenthumS gleichsam vom naturwissenschaftlichen Standpunkte; er ist ein Anhänger des Nationalitätsprincips und hat die, von dem ehemaligen Lordschatzkanzler D'JSraeli erschlossene Idee, daß die jüdische Rare die bevorzugteste des Menschengeschlechts sei und daß dieselbe, weil sie siche rem erhalten zur Herrschaft über die ganze Wett berufen, zur Grundlage des vorliegenden Merkchens gemacht. Er hat diese Idee, in Briefen an eine Freundin gerichtet, ausgeführt und am Schlüsse derselben erläuternde Noten hinzugefügt. Diese Briefform hat nun zwar das Gute, daß jede Trockenheit und Langweiligkeit vermieden wird; hingegen verliert die Klarheit der Darstellung; der Faden wird zu oft abgerissen und es wird zu Vieles hineingemischt, was eigentlich sehr wenig in die Darstellung gehört. Nachdem der Verfasser in allgemeinen Zügen seine Aufgabe unklar gezeichnet, läßt er sich über den deutschen Judenhaß aus und sucht die Ursachen desselben im Racenantazonismus. Sehr richtig urtheilt der Verfasser über deu Einfluß, welchen dieser Judenhaß auf den aufgeklärten deutschen Inden übt: „Der deutsche Jude ist wegen des ihn von allen Seiten umgebenden Judenhasses stets geneigt, alles Jüdische von sich abzustreisen und seine Nace zu verleugnen. Keine Reform des jüdischen Cultus ist dem gebildeten Juden radikal genug. Selbst die Taufe erlöst ihn nicht von dem Alpdruck des deutschen Judenhasses . Weder Reform noch Taufe, weder Bildung noch Emancipation erschließt dem deutschen Juden vollständig die Pforten des socialen Lebens. Sie suche» daher ihre Abstammung zu verleugnen .... Aber so wenig die „radikale" Reform, richtig so genannt, weil sie die Axt an die Wurzel des JudenthumS, an seinen nationalen Geschichtscultus legte, so wenig sage ich, diese Reform ihren Zweck erreichte, so wenig erreicht auch das Streben der Juden nach Verleugnung werden ihrer Abstammung sein Ziel. Die jüdischen Nase» nicht reformirt und das schwarze, krause Haar wirb durch keine Taufe in blondes , durch keinen Kamm in schlichtes verwandelt. Die jüdische Rare ist eine ursprügliche, die sich trotz klimatischer Verhältnisse i» ihrer Integrität reprvduzirt. Der Mische Typus ist sich im Laufe der Jahrhunderte stets gleich geblieben." Der Verfasser weist nun nach, daß man sogar auf alten egyptischen Denkmälern den Typus von Juden erkennt, deren Aehnlichkeit mit unfern heutige» Stammesgenossen frappant ist. H. Heß hat wohl Recht, aus diesen Erscheinungen auf die große Kraft und Unverwüstlichkeit des Mischen Stammes z» schließen; doch läßt er in dieser Auseinandersetzung unserer Ansicht nach ein sehr bedeutendes Moment aus. Es ist der Geist, der sich sein Gefäß bildet, die Thora mrt ihren Gesetzen und Verboten, mit ihren Bestimmungen und Beschränkungen, die Thora, welche veredelnd und äbsondernd der eigentliche Stempel des jüdischen Typus ist. Bon dem Vorurtheile gegen die eigene Rare, „welche die größte Rolle in der Wett gespielt hat und in der Zukunft eine noch größere zu spiele» berufe» ist," geht der Verfasser dazu über, ein anderes ähnliches Vorurtheil zu geißeln, nämlich das gegen die heilige Sprache unserer Vater, in Folge dessen man das Hebräische aus dem ganzen Mische» Leven und zuletzt auch noch aus dem Friedhofe durch deutsche Inschriften verdränaen möchte. — „Die hebräische» Gebete, sagt er, haben mich stets erbaut. Das Echo von tausend Generationen, die sie täglich aus de»

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