Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1862)
- Date
- 1862-08-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447036-2447070--01416-2456676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S-L Die Oeffentlichkeit der religiösen Belehrung wurde > verboten. Israel wurde dadurch nur noch starker. In tiefer Zurückgezogenheit, im Kreise der Familie! wurde mit um so größerem Eifer gelehrt, ge- , lernt und geforscht. I Gottlob! diese herrliche Sitte ist uns im Laufe der Zeiten nicht abhanden gekommen. Jeglicher Rabbiner,! der in den bescheidensten Verhältnissen lebende selbst, widmet gerne seine Zeit der Unterweisung! junger ^eute in der Thora Heute wie ehedem fin-! den wir noch zahlreich besuchte „Jeschiboth", deren Professoren keine besoldete, keine Söldlinge find. UeberdieS ist in unserer Religion, wo der oberste Grundsatz lautet: wpo.1 -hrr ->p'p rrd der Vortrag eines fungirender Nabbinen gewiß vorzüglicher als der eines außerhalb der seelsorglichen Thätigkeit stehenden, bestellten Lehrers. Unsere Geoinin haben ihre Gelehrsamkeit und Frömmigkeit einer Jeschiboh alten Schlages und keiner modernen Hochschule zu verdanken. Aber woher die profanen Wissenschaften? wird man uns tausendstimmig erwiedern. Nun recht, wir gestehen es gerne, daß auch diese erforderlich, sind. Doch scheint uns, daß dies mehr Sache der betreffenden Rabbinatskandrdaten, als die Israels ist. Das Judenthum als solches hat blos für das speciell Jüdische Sorge zu tragen; dafür ist aber vorläufig genügend gesorgt dadurch, daß wir keine — Hochschulen für Rabbinen errichten. Für eine zeitgemäße Ausbildung mögen die Rabbinatsaspiranten gleich andern Studirenden selbst trachten.*) Haben wir bis jetzt dargethan, daß die Errichtung von öffentlichen Nabbinerschulen dem. Wesen und Charakter des Jndenthums im Allgemeinen wenig entspricht, so wäre ein ähnliches Institut für Ungarn überdies auch ans rein praktischen Rücksichten — eine überaus unglückliche Idee. Wie bekanntlich die Bereinigung der verschiedenartigen Nationalitäten ans politischem, eben so bildet die Verschmelzung der mannigfachen Schatticungen aus religiösem gtgtn lirw Höchst ule, an deren Spitze Männer stehen, Ue nicht von echt jüdischem Äcisie drseelr sind. echt jüdijcbe Hochsilmlt ist der größte S.-ge-i, der unZ werden kann. *) Aiun. der Rcd.: W.r muss a gegen diese Ansicht entschieden pierelUren; d-.c U'rekl.che Z-rfrörenh.-it ker G.-ge.iwart wurzele ,n solchen Zustänren Die nährre Auseinanverietznnz lehatten wir uns vor. Gebiete eine schwer Zu lösende Frage. Die strengste Orthodoxie, Reform, ChaßidismuS nebst ihren Neben- und Unterabtheilungen liegen hier seit undenklichen Zeilen im Kampfe gegen einander. Welche Richtung sollte sonach die zu gründende Rabbinerschule einschlagen? Zu welcher dieser elnander schroff gegellüberstehenden Parteien sie sich auch hirrneigen würde, sie hätte ein ganzes Heer unversöhnlicher Feinde gegen sich. Oder sollte sie sich von all' und jeder dieser Parteien entschieden fern halten? Nun dann hat sie sich den Boden für ihre Thätigkeit eigenhändig entzogen. UeberdieS ist ja Religion keine Politik, wo man um der lieben Ruhe willen, auch neutral sein kann. Hier heißt's: 'v ^21 *rr rr2ä' rrd! — Es liegt übrigens außerhalb der Absicht dieser Zeilen hier für eine dieser Parteien eine Lanze zu brechen. Konftatiren wollen wir bloß die unumstößliche Thatsache, daß eine Nabbinerschnle in Ungarn — eine mathematische Unmöglichkeit ist! — Weit mehr berechtigt ist aber: die Unterstützung solcher Volksschulen, deren Gemeinden außer Stand sind, die nöthigen Schulauslagen aus eigeneuMitteln zu bestreiten. Die praktische Ausführung ist eS hier nur, die uns fast unüberwindliche Schwierigkeiten bietet. Es muß nämlich darauf gesehen werden, daß die Mittel bei einer ähnlichen Vertheilung nicht zu sehr zersplittert werden. Wollte man jeder Gemeinde ohne Ausnahme die nach Verhältniß der geleisteten Zahlungen ihr'gebührende Quote znkommen lassen, wir würden hierdurch wenig Ersprießliche» zu Tage fördern. Ein Anderes wäre es freilich, so man blos die mittellosen Gemeinden berücksichtigen wollte.! Allein abgesehen davon, daß dieser Begriff ein ganz j relativer, setzen wir uns hiedurch der gräßlichen l Gefahr aus, im schönen Ungar nlande plötzlich lauter ' mittellose Gemeinden zu erblicken. Sie würden j — wir sprechen offen — ohne Weiteres summt und - sonders als solche sich repräsentiren. UeberdieS scheint! cs uns nicht einmal rechtlich, die mittellosen Gemeinden auf Kosten der Bemittelten zu begünstigen. Einem solchen Verfahren müssen wir das: dm -r?.?-.! entgegeichalten. Daraus aber in Vorhinein zu rechnen daß >die reichen Gemeinden zu Gunsten der armen ans ihre diesfällsigeu Ansprüche spontan verzichten würden ist unseres Erachtens