Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1862)
- Date
- 1862-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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270 Das zahlreiche Gefolge bei dem heutigen Leichenbegängnisse bekundete eine Theilnahme, wie sie des Verblichenen würdig war. Friede seiner Asche' (Kuj. Wchbl) Oesterreichischer Kaiserstaar. Pefth, im Aw: (Der ungarisch-israelitische Landesschulfond, ein Wort an die ehrs. Cultusvorstände, Nabbinen und Lehrer in Ungarn.) (Schluß.) Vor Allem scheint cs uns nvthig, darin uberein zu kommen, die Benennung „Schulfond" sestzuhalten- Diese Bestimmung ist um so dringenden, als gar häufig die Idee aufgetaucht ist, für andere gemeinnützige Anstalten aus dem Landesschulfvnde Vorschüsse zu verlangen. Ist hingegen Obiges allgemein angenommen, so können nur diejenigen Wünsche auf Berücksichtigung Anspruch machen, die sich von dieser Benennung nicht entfernen, wogegen alle hievon abweichenden Forderungen schlechthin unter die Rubrik: j'Uv verwiesen werden müssen.? Ist dies geschehen, dann glauben wir die Ansprüche an den „Landesschulfond" etwa folgendermaßen formuliren zu dürfen: a. Die Errichtung einer Hochschule für angehende Nabbinen in Verbindung mit einem Lehrerseminare. r». Die Unterstützung solcher Volksschulen deren Gemeinden außer Stande sind, die nöthigen Schulanslagen ans eignen Mitteln zu bestreiten. o. Die Penfionirnng der im Lehramte ergrauten, resp. erkrankten Lehrer und Ver- I sorgungderLehrerwittwenundWaisen. j . Diese drei Gegenstände sind es vorzugsweise,; deren Ansprüche an den „Landesschulfond" für den > ersten Augenblick als gleichbegründet, gleichbedeutend! gleichberechtigt und sohin — als gleichunabweiS-! bare erscheinen. Etwas anders jedoch dürste es! sich Herausstellen, so wir selbe ein wenig schärfer ins > Auge fassen. Versuchen wir's einmal! „Die Errichtung einer Hochschule für angehende Nabbinen in Verbindung mit einem Lehrers e m inarc ist eine vom Fortschritte unseres Jahrhunderts dringend gebotene Angelegenheit. Sie würde die Wissenschaft des Judenthums aus die Höhe der Zelt stellen, die Ehre Israels nach Innen und Außen thatkräftig wahren; sie würde . . sie würde.. So ungefähr lauten die stereotypen Phrasen unserer professionellen Zeitgeister, auf deren vollständige Reproduktion wir um so eher Verzicht leisten können; als die Hohlheit derselben ohnehin nicht leicht zu verkennen. Wie aus der fast viertausendjährigen Geschichte unseres Stammes zu ersehen, war Israel nie*) im Besitze einer systemistrten Schule für jüdische Wissenschaften mit eigens hiezu bestellten Professoren und dies war eben sein unschätzbarer Vorzug, der es in Tagen drohender Gefahr vor dem Untergange geschützt. Israel war stets sich selbst und seinem Berufe treu geblieben: es war und blieb ein Volk von Priestern, das das ewige Gotteswort durch die Welt trug belehrend, ermahnend Und erleuchtend. Die Mitglieder dieses in der Weltgeschichte beispiellosen Stammes bildeten gleichsam lben so viele ambulante Universitäten, deren Kanzel jeder betreten durfte, der den Beruf in sich fühlte, die heil. Lehre zu verkünden. Die Schaar der Hörer war nicht nach Klassen getheilt: fie umfaßte eine Zuhörerschaft im Alter von ungefähr fünf bis siebenzig Jahren. Das Honorar war ein überaus glänzende-: der Erfolg in der Verbreitung des göttlichen Namens. In dieser Eigenschaft finden wir unfern Stamm thätig vom Augenblicke seines ersten Auftretens in der Person Abraham's bis auf den heutigen Tag. Gar oft begegnen wir auf den Blättern der Geschichte der traurigen Erscheinung, wo die Verkündung der Gottcslehre unter Androhung der Todesstrafe unterlagt wurde. Wäre eine öffentliche Hochschule die alleinige Trägerin unserer Religion gewesen — sie würde rettnngsleS verloren gegangen sein. Sie würde es, weil der eisernen Hand oft unmöglich zu widerstehen war; sie würde es möglicherweise auch dadurch, da die jeweiligen Lehrer vielleicht nicht immer den Muth gehabt hatten, die unurmvandelbare Wahrheit derselben durch den Märturertod zu besiegeln.**) Anm. der R-.d.: Corresxondent ist hier etwas unklar; allerdings standen an der Spitze Israels leitende Hochschule». '*) Anm. der Red. r Die Argumente deS <5vrr. spreche» nur