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Der Israelit · 1862-08-20 · Heft 34 (20.8.1862) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 34 (20.8.1862)
Date
1862-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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würde sich sagen: »Die frommen Juden, die ich kenne, schließen sich gegen die allgemeine Bildung ad, in den jüdischen Schulen wird die Wissenschaft gemieden, folglich muß nach Ansicht der Orthodoxie die Wissenschaft mit der Religion sich nicht vereinigen lassen; eine Religion aber, welche dir Wissenschaft furchtsam meidet, kann keine Wahrheit sein, weit Wahrheit nicht Wahrheit ausschließen würde: also sagt mir meine Vernunft, daß ich den orthodoxen Standpunkt im Judenthume als den unwahren und unberechtigten nicht einnehmen darf." Allen diesen Emwendungen und Bedenken entgegnen wir aber, wenn wir durch Ausbildung solcher Schüler, die wahrhaft jüdisch erzogen und mit einer gründliche» Wrltbildung ausgerüstet sind, practisch zeigen, daß man Jude, d. h. Jude wie es das schriftliche und mündliche Gesetz verlangt, und zugleich tüchtig mit weltlichem Wissen versehen sein kann. Aber auch noch ein anderer Grund veranlaßt uns auf den Unterricht in allen Fächern des Wissens in einer jüdischen Realschule zu dringen, nämlich der, den Menschen, den wir nun für das Lebe» erzogen Haben, in dem Leben nicht mit sich in Conflict gerathen zu lassen. Es gibt noch einen größeren Conflict als denjenigen, den wir oben berührt haben, in dem der Ungebildete sich von dem Gebildeten zurtzckgestoßen sieht, und dies ist der Conflict mit sich selbft. — Würden wir vor dem Kinde alles, was an Wissenschaft grenzt, ängstlich verstecken, so würden aus den Erwachsenen, sobald er ins Leben getreten, alle Anschauungen der Wissenschaft, die sich im Leben geltend machen, als unvorbereitete eindringen und ihn leicht verwirren können. Nicht Jeder ist aber dazu angethan selbstdenkend alles einer kalten, besonnenen Prüfung zu unterwerfen, nicht Jeder ist so fest, den Glauben stets als Stützpunkt zu bewahren, und in einen solchen Widerspruch gerathen, würde wohl bei de» Meisten die Religion allem andern geopfert werden. Bedenken wir aber auch ferner, dap die jüdische Schule auch gute und tüchtige Staatsbürger anszu bilden berufen ist, die mit all ihren Kräften, materiell len wie geistigen, dem Staate dienen und nützen sollen: so müssen wir doch gewiß eingestchen, daß wir solches nur durch eine tüchtige und gediegene! Weltbildnng erlangen. Nachdem wir nun Wenn und Zweck der jüd. Realschule beleuchtet haben, müssen wir noch um Mißverständnissen vorzubeugen, ein Wort über die Lehrer sprechen, nämlich die Frage zu beantworten suchen, ob an einer jüd. Schule auch nichtjüdische Lehrer angestellt werden dürften; dann müssen wir aber auch noch zum Schluß uns näher über die Gründe anssprcchen die wir für die Nothwendigkeit über den Unterricht in weltlichen Gegenständen angeführt haben. Was nun die Lehrer betrifft, so können wir uns sehr kurz fassen. Wir haben als Wesen der jüd. Realschule die Art und Weise des Unterricht angeführt; wir haben gesagt, sämmtkiche Lehrgegenstände müßten von dem Grundbegriff des Judenthums durchgeistigt und durchlautert sein, als Grundbegriff haben wir aber den Gedanken der Einheit Gottes und dessen Weltenlenkung und Leitung gesetzt. Dieser Begriff ist aber ein allgemeiner und die Bedingung jedes vernünftigen positiven Glaubens, dieser Begriff ist in den Büchern de- Pentateuch gegeben, welche die Basis jeder vernünftigen Religion find. Daraus erhellt, daß für die außerreligiösen Lehrgegenstände die Anstellung eines jüdischen Lehrers nicht notwendig ist, daß jeder andere, dem die Bücher des Pentateuch eine Wahrheit sind an einer Mischen Schule placirt werden kann. Selbstverständlich ist es, daß man dem Mischen Lehrer den Vorzug zu geben hat, weil man ihn doch von den nichtjüdischen Schulen fortweist; nimmt man aber eine» Juden, so sehe man darauf, daß es ein wahrhafter Jude sii, dessen religiöses Leben dem Kinde nicht als schlechtes Beispiel diene. (Fortsetzung folgt). Ue Iuäenjrsze vor äem ff. Grossen Isiffe äes Hrmtons Asrgsu. In zweiter Berathung am 15.Mai 1862. (NaS den stenographischer, Berichten) (Fortsetzung.) Die Christenheit feiert jede Woche Gott dem Herr» zu Ehren einen festlichen Ruhetag, den Soun tag. Die Israeliten feiern dem gleichen alleinigen Gott zu Ehren ebenfalls allwöchentlich, aber Tags vorher, einen festlichen Ruhetag, den Sabbath. Sollte es nun den Israeliten in den christlichen Ländern, als der Minderheit der Bevölkerung, nicht möglich sei», ihren Sabbath aus den christlichen Sonntag vorzurücken, um mir Len Christen den gleiche» alleinigen Gott auch am gleichen Tage zu verehren? Hat doch Pabst Gregor XUI. im Jahre 1582 den christlichen Kalender auch ohne Sünde und Strafe Gottes um cm Größeres verrückt, und, mit Ueberspringung eines Sonntags, auf den 4. Weinmonat gleich den 15. folgen lassen, welche Aendernng später nach und nach von der ganzen Christenheit angeüommeu wurde!*) I *) Anm. der Red. Lieber keine bmancipation als die Vrr sürnmg unserer i'libzen Religion, Nt wer,r Pabst nvkb Rabbiner o rkäugrn vermag, rech irgend eine Gewalt der ürre.

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