Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1862)
- Date
- 1862-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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258 terrichten, und die ausschließlich oder fast ausschließ-i lich nur von Kindern jüdischen Glaubens besucht werden, die sich sogar auch jüdische Realschulen oderisraelitische Schulen nennen, und doch — wir möchten sie nicht zu den jüdischen Realschulen zahlen. Lediglich von dem Geiste, in welchem die Lehrgegenstände trackirt werden, hängt es ab, ob eine Schule das Prädicat „jüdische" verdient. Eine jüdische Realschule ums; gegründet sein auf den Geist des wahren Judentbums, auf die Einheit des Gottesgedankens der jüdischen Lehre; von diesem müssen sämmtliche Lehraegenstände durchläutert und durchgeistigt sein. Zu diesem Zwecke ist es nothig, daß die jüdische Religion, nicht aus Katechismen und Tractatlcin, sondern aus dem Urquell derselben, aus den heiligen Schriften selbst geschöpft, als Fundament diene für den weitern Unterricht, damit, alles übrige Wissen vom Standpunkte des Judenthums aus angeschaut, die in den heiligen Schriften dargelegten Gedanken nicht mit allem andern in den, Gegensatz treten, sondern vielmehr als Hedankensormen und Denkgesetz für die Auffassung aller Erscheinungen der Welt und der Wissenschaft dienen. Wir wollen hiermit aber keineswegs sagen, daß es nun eine jüdische Weltgeschichte, eine jüdische Mathematik, eine jüdische Physik als Gegensatz zu einer christlichen Weltgeschichte, einer christlichen Mathematik, einer christlichen Physik gäbe; wir sagen nicht, daß ConfessionelleL in die außerreligiösen Lehrgegenstände eingekochten werden sollte: das nicht, aber wir wollen alle Lehrgegenstände von dem Standpunkte der großen jüdischen Grundwahrheit, die im Ganzen betrachtet, doch das Fundament jeder positiven Religion bildet und als solches anerkannt wird, von der Anerkennung des göttlichen Wesens als Ursache alles Gewesenen, Seienden; und Werdenden aus, angeschaut wissen. Auf gleicher Stufe stehen alle Lehrer, weß Glaubens sie auch seien, welche Ueberzeugung sie auch haben, welcher philosophischen Richtung sie angehören mögen, ob Sensualist oder Naturalist, ob Materialist oder Idealist, ob Deist, Pantheist oder Monotheist, in dem Unterrichte der rein mathematischen Studien, der politischen Geographie, wie in dem Schulunterrichte fremder Sprachen. — Hier hat die Phantasie nicht ju arbeiten, hier liegen die trockenen Regeln vor, hier sind nicht Prämissen zu erfinden oder Folgerungen zu ziehen, die einerseits im Unerkannten beginnen, andererseits in das Unerkannte auslaufen. Anders hingegen gestaltet sich die Meinungsverschiedenheit und somit auch die Verschiedenheit der Lehrweise, oder besser gesagt, des geistigen Inhalts oder Begriffs der Lehrgegenstände, welcher geboten wird, je nach der verschiedenen subjektiven Anschauung des betreffenden Lehrers in dem Unterricht der Geschichte und der Naturwissenschaften. Hrer sucht die rege Phantasie zn schaffen, hier werden Prämissen aufgestellt, nach welchen Systeme ' gebildet werden, die alle verschiedenartig sich gestalten müssen nach den verschiedenen Voraussetzungen, auf denen sie ausgebaut sind. Hier will der Geist die dunkeln Tiefen des Vorgeschichtlichen und Borweltlichen erspähen um die schwindelnde Höhe des Nachgeschichtlichen und Nachweltlichen zu erklimmen. — In der Weltgeschichte nimmt der Eine dem Menschen jeden freien Willen und vindieirt alles Gott, der Ändere macht es umgekehrt; der Eine bringt aller in feste Formen des Denkens, schnitzt sich daS Vergangene nach seinem System zurecht und formulirt nach einer für alles passenden Schablone, ein Verfahren, das einerseits zur Lüge wird, indem alle-, was nicht in dieses Prokrustesbett paßt entweder ausgereckt oder gekürzt wird, andererseits wiederum entsittlicht, indem er jede Lüge, jeden Treubruch, jedes Vergehen als nothwendiges Moment sanctioairt; der Andere hingegen geht noch einen Schritt weiter und stellt alles dem Zufall anheim, erklärt nur dafür berechtigt, was da ist und fürchtet sich nicht, die früheren Blätter der Geschichte zu tilgen. Jede dieser Unterrichtsweise» widerstrebt der jüdischen Denk- und Anschauungsweise. Nach dieser müssen die Thaten ausgenommen werden, wie sie sind, das Gute muß seine Anerkennung und Belobung, das Schlechte seine Verurtheilung finden. Nach der jüdischen Anschauung gibt eS auch in der PolM Verbrechen, jede Lüge, jeder Treubruch, jeder verletzte Eid in der Politik ist ein gleich verdammungswürdiges Verbrechen, wie es einein dem Privatleben eines Menschen ist. Nach der jüdischen Anschauung wird dem Menschen nicht der freie Wille genommen, aber er ist auch verantwortlich für den Mißbrauch, den er mit demselben treibt. Aber in den einzelnen Thaten und Begebenheiten ist alsdann das einigende Band zu suchen, ist alsdann die Vorsehung Gottes auszufinden, wie sie in den Thaten der Geschichte waltet, wie sie de» Frevel doch endlich zn Boden tritt, aus dem Unheil Heil er sprießen und die Unschuld und die Tugend endlich das Haupt wieder erhebe» läßt. Weiter als im Geschichtsunterrichte weicht oft von der jüdischen Anschauungsweise der Unterricht ln den Naturwissenschaften ab. Hier find es die Fragen über die erste Ursache alles Seins, über die Kosmogonie, über die Jmmutabilttät der Species, über die Abstammung der Menschen von einem oder mehreren Paaren, welche heroortreten, und da ist e-wohl von der wichtigsten Bedeutung, ob der Lehrer die ersten Kapitel der Genesis als Antwort auf alle diese Fragen gelten läßt, oder ob er, in einen Gegensatz mit die»