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Der Israelit · 1862-08-06 · Heft 32 (6.8.1862) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 32 (6.8.1862)
Date
1862-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vor Allem, gleich einem verständigen Hrzte, der, bevor er zu Heilmitteln schreitet, nach der Ursache der Krankheit forscht, weil, wenn jene noch fortbestehen, diese umsonst angewendct sind, worin eigentlich das HnuptÜbel der Volksschulen wurzelt, und es zeigt sich, daß nicht etwa JndifferentiSmus für das Hebräische den Verfall herbeigcführt, sondern die Hauptschuld tragt der Geldmangel. In Folge der Freizügigkeit wurden die meisten Landgemeinden von den Wohlhabenderen verlassenwer nur über Capitalien oder über Capitälchen zu verfügen hatte, verließ die Muttergemeinde, und ließ sich ln einer Stadt oder in einem Städtchen bleibend nieder, ohne sich ferner zu bekümmern, was aus der von den Kindern verlassenen Mutter werden wird; Was soll nun das kleine Häuflein der Zurückgebliebenen beginnen? Unterrichten wollen sie ihre Kinder lassen, sie sind bereit Opfer zu bringen, sie wollen ihren Kindern, die sie nicht mit Erdengütern versorgen können, nicht auch noch die Himmelskost entziehen. Die armen Familienväter treten zusammen, berathen und beschließen, einen Lehrer für ihre 40—50 Kinder aufzunehmen. Vom Beschlüsse wird rasch zur That geschritten, die dem Lehrer zu zahlende Summe repartirt und der ConcurS zur Besetzung dieses Postens ausgeschrieben. Wohl lautet es in demselben, daß der Lehrer, der des Hebräischen kundig ist und darin unterrichten kann, bevorzugt wird, acclptirt wird aber gewöhnlich derjenige, der mit einem guten Lehrerzeugnisse für den deutschen Unterricht versehen ist; hat nun ein solches Individuum um den vacanten Posten sich beworben, da wird auch nicht lange gezaudert, es wird ihm ein Anstellrmgsdecret auf 2, wenn's hoch kömmt, auf 3 Jahre übersandt, mit dem Wunsche zur bestimmten Zeit sich gewiß einznfinden. Der sehnsuchtsvoll Erwartete kömmt, prüft in Gegenwart der Eltern, die zu unterrichtenden Kinder, findet sie selbstverständlich gänzlich vernachlässiget, und verspricht, daß seine Schüler auder vierten Klasse Prüfung ablegen werden. Vom Unterrichte im Hebrüstchen spricht der Herr Lehrer gar nicht. Da faßt sich ein Gemeindemitglied ein Her- und stellt an den Lehrer die Frage: „was versprechen Sie unS denn hinsichtlich de- Hebräischen?" Hebräisch, Hebräisch lehren, dazu habe ich keine Zeit, antwortete der Herr Lehrer — eS könnte so mancher auch sagen, dazu habe ich kein Wissen — ich habe gesiug mit der Beibringung der 4. Klasse zu thun — die Worte: „vierte Klasse" werden stark betont — znm hebräischen Unterrichte, müssen Sie einen hebräischen Lehrer aufnehmen. Mas bleibt den Armen zu thun übrig? einen zweiten Lehrer aufzunehmen, dazu reichen ihre Mittel nicht aus; die vierte Kl? muß vor Allem gerettet werden. Aus dieser Calamität hilft ein Vorstandsmitglied, daS den köstlichen Einfall hat, den Schulklopser zum hebr. Lehrer avanciren zu lassen, mit Beibehaltung seines früher» Amtes. — Thatsache. Wir fragen H. Lederer, dem wir das Zeugniß nicht versagen können, daß er auch im Hebräischen Erkleckliches leistet: „Wird eine Lehrerconferenz im Stande sein, dahin zU wirken, daß die finanzielle Lage der Gemeinden sich bessere? Oder wird eihr möglich sein, die Gemeinden zu überzeugen: daß die vierte Kl. nicht die allein seligmachende ist? Wenn dies in ihrer Macht läge, dann möchten wir mit Freuden eine Lehrerconferenz begrüßen. Da ihr aber hiezu die Mittel fehlen, so glauben wir, daß eS g:- rathener wäre, mit einer' Aufforderung zu seiner Lehrerconferenz zu warten, bis die politische Lage der Gemeinden festgcstellt sein wird. s. Atts Ostungarn, im Juli. Welche drohende Gestalt die Zerfahrenheit und Zerklüftung in den hierländischen Gemeinde» in letzterer Zeit angenommen, ist leider nur allzubekannt. Zerwürfnisse unter Gemeinden und Nabbinen, Gemeinden und Lehrern und in noch höherem Grade unter den verschiedenen Parteien einer und derselben Gemeinde sind — wir spreche» dies mit tiesinnigem Bedauern aus — fast überall an der Tagesordnung. Aehnliche Erscheinungen sind unstreitig an und für sich schon überaus bedauernSwerth. Ihre nächste Folge ist: innere Erschlaffung und Ermattung der betreffenden Gemeinde und der in ihrem Schooße bestehenden religiösen, erziehliche» und WohlthätigkeitLinstilrrte. Die Entzweiung, wo sie nur Platz greifen kann, influirt lähmend, vernichtend auf die gedeihliche Entfaltung im Innern der Gemeinde und läßt eine starre Stagnation an de» Tag trete«. Doch dieß ist noch nicht Alle-. Die MißheMgkeiten nehmen gar oft solche Dimensionen an, daß

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