Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1862)
- Date
- 1862-07-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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angehören, noch nie Aufruhr oder auch nur Unfrieden darin angestistet haben; Leute, welchen selbst der erste Vorsteher der christlichen Gemeinde Endingen in Beziehung aus ihre Verträglichkeit hin öffentlich das beste Heugniß geben muß — ich glaube, solche Leute paffen als Mitbürger und Miteidgenoffen bester zu uns, als diejenigen, welche sie so schmähe lich herabwürdigcn, wie eS seit einiger Zeit in rohen Flugschriften geschehen ik Das Gesuch sagt: »Die Schweiz ist geschichtlich ein Vaterland der Christen. Wo waren die Juden, als Gott sprach: ES werde die Schweiz?" — Ich, meine Herren! frage: Wo war der Verfasser, als Gott sprach: Es werde die Schweiz? Jedenfalls war er mit seinen Leuten nicht dabei, als er sprach: ES werde Licht! Ohne Zweifel hat Gott der Herr die Schweiz zugleich mit der übrigen Welt erschaffen; wenigstens muß man das nach der Schöpfungsgeschichte der hl. Schrift also glauben. Will man nun die Ncberlieferung der hl. Bücher nicht geradezu in Frage stellen, so muß man annehmen, daß die Juden jedenfalls näher als die christlichen Schweizer und selbst naher als der christliche Verfasser in Klingnau bei der Schöpfung der Schweiz waren. Ebenso weiß jedes Schulkind deS Kantons, daß Gott der Herr die Schweiz keineswegs'non Anfang an ünd ganz besonders als ein Vaterland der Christen erschaffen hat, indem bekanntlich dieselbe Jahrtausende ein Vaterland der Heiden war, und sogar später als viele andere Länder erst die Heimath einer christlichen Bevölkerung wurde. And wenn »bei Sempach, bei St. Jakob, bei Grandson der Christengott der Herr der Schlachten war, vor dem unsere Vater in ihrer Noth auf die Knie gesunken, so war eS derselbe Gott und Herr der Schlachten, den Jahrtausende früher auch oaS Volk Israel, und zwar in seinen Nöthen, um Hilfe anrief und der eS erhörte. Oder hat er dieses Volk nicht äuS Aegypten geführt? Hat er ihm nicht unter Josua, nicht unter den Makkabäern im Streite geholfen und den Sieg gegeben? Hat nicht derselbe Gott das zerstreute unglückliche Volk bis auf den heutigm Tüg in allem- Elend wunderbar erhalten und aus allen Drangsale» zu einem allmälig glücklichem Dasein unter den Bökern gerettet? Ferner sagt das Gesuch: »Die Juden bete» nicht mit uns!" Aber, meine Herren! wir bete« mit ihven. Wir beten und singen in Kirche Schule und Haus ihre herrlichen Psalmen. Die katholische Geistlichkeit ist täglich zu Gebeten und Andachten verpflichtet, mit denen jeder JSraelite alle Morgen den Herrn, seinen Gott, anrust. Und die Klagelieder ihrer Propheten gehören mit zu den Herrlichkeiten des katholischen Kultus. Allein die Anklage ist auch sonst nicht wahr, sondern die Juden beten mit uns, und zwar beten sie mrt unz. B.: am hohen eidgenösischen Betrage in der erhebendsten Weise gerade für da- Glück und die Wohlfahrt deihnen mißgönnten Vaterlandes, während so viele christliche Prediger, namentlich von der Partei der Ankläger, jenen festlichen Anlaß benutzen, um das Vaterlgnd und seine Institutionen zu beleidigen. Mehr sagt das Gesuch: »Sie Heirat he» nicht mit uns!" — Ja, meine Herren! auch dakaun man wieder umkehren. Ich behaupte, wir heirathen nicht mit ihnen (Gelachter). Denn wo wäre im Kanton das christliche Pfarramt, das mich kirchlich kopuliren, oder vielleicht nur ohne Beanstandung verkünden würde, wenn ich eine jüdische Braut HM«. Uebrigens ist wohl auch diese Anklage nicht richtig; wenigstens zweifle ich nicht, daß eS hie und da Israeliten gäbe, welche schöne und reiche Christentöchter zu heirathen Anstand nehmen, wenn ihnen diese dar Jawort gaben. Allein zum Herraths» müssen bekanntlich immer zwei sein. — Aus die andem Sonderheiten. welche den Juden zum Vorwürfe gemacht werden, komme ich später zurück. Weiter sagt das Gesuch: »Die Juden können durch kein einziges sittUch-edleSBanl^ unserer Gesellschaft angehören.* —. Me, Herr Präsident, meine Herren! der JSraelite» ehrliche Treue, ihre sorgfältige und gewissenhafte Kindererziehung, ihre Sorge für die Armen, ihre gewissenhasteGotteSverehrung, ihre menschenbrüderliche Liede gegen die Christen in Unglück und Noth, wie sie das jüngst auch beim Brande von GlaruS h bewiesen — find das keine »sittlich-edlen Bande,* 4 welche die Israeliten würdig machen, unserer Gesellz schast anzugehören? Oder seit wann habe» den» 4 > die Christen eine so neue und absonderliche Moral, daß alle jene Tugenden mit diesen in absolutem Widerspruche sich befinden? (Fortsetzung folgt). Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, Juli. Am mein Verspreche» z« erfüllen, muß ich Ihnen mittheile», daß der besprochene Herr M arr — so ist nämlich der wirkliche Name unseres Judensreundes — eine vollständige Niederlage erlitten und zum Schweigen gebracht ist;