Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1862-07-30 · Heft 31 (30.7.1862) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 31 (30.7.1862)
Date
1862-07-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447036-2447067--01386-2456643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

244 EZ naht jener Tag, welcher der Erinnerung an die traurigsten Ereignisse geweiht ist. Vor unser geistiges Äuge treten all jene erhabenen Güter, die wir besessen, die wir verloren, die wir noch nicht wieder erlangt haben durch unsere Schuld. Möge am vorhergehenden Sabbate das strafende Wort vernommen werden überall, damit der Mahnung die Besserung folge, xdr« -022 xdx xd 1020, .11 rur ,-n 17,'vr.n Jerusalem ist nur deshalb zerstört worden, weil das mahnend: Wort gefehlt hat, und weil die zum Ermahnen Berufenen den Blick nicht frei zu erheben wagten; Jerusalem ist nur deßhalb noch nicht aufgebaut, weil noch immer der freie Blick und das freie Wort selbst denen fehlt, welche ernstlich das Gute wollen. Warum schaut ihr die Verletzung der Gotteszebote auf allen Gassen und schweiget? Jirmijahu ward berufen umzureißen, einzustürzen, zu vernichten und zu zertrümmern. zu bauen und zu pflanzen: es erging an ihn der Nnf des Allmächtigen: „Und du umgürte deine Lenden und stehe auf und rede zu ihnen Alles, was.-ich .dir befehlen werde; zage nicht vor ihnen, damit ich dich nicht ängstige vor ihnK?" JiMijah« fürchtete nicht die Unannehmlichkeiten, die dem unbequemen Mahner so vielfach erwachsen; er litt und duldete, aber Gott stellte ihn hin als eine feste Stadt, als eine eiserne Seule, als eine eherne Mauer. „Und sie werden kämpfen wider dich, werden dir aber nicht bekommen können, denn mit dir bin icch spricht Gott, dich zu retten." (Jeremias c. 1.) Es gibt noch eine andere Art brr Mahnung, und diese stellt uns der Midrasch im Könige David dar; sie ist der täglichen Erfahrung entnommen. Stündlich hat der Fromme zu ringen, im Innern mit den eigenen Leidenschaften, draußen mit der Menschen Bosheit. Im köstlichen Psalmbuch finden! wir die glühenden Schilderungen dieser Leiden und Kämpfe. Wir sehen dort, wie der Fromme Herr wird über jeden bösen Trieb, wie er mit sich selbst zu , Nathe geht, um sich zu seinem Gotte zu erheben, wie für Augenblicke Wolken seinen Horizont u.ndüstern, damit nachher die Sonne desto klarer und schöner scheine: wir sehen dort, wie böse Menschen das reine Glück oeS rüstigen Gottesstreiters zu zerstören trachten, wie aber all ihre Falschheit an der Hilfe Gottes zerschellet, bis der Fromme aus allen Kämofeu grkrästigt und gestärkt hervorgeht. Auch uns steht diew Erfahrung zu Gebote, auch wir können uns umschauen überall und stets das Rechte finden. Ist der Bösewicht wahrhaft glücklich, selbst wenn er uns noch so glücklich scheint? Vergällt werden ihm alle Genüsse durch die quälende Stimme des Gewissens, uns kennt er, selbst wenn das Gewissen schläft, etwas Höheres alz ein Mensches Klück? WM er von der Seligkeit im Gefolge von Thorr und M'.jwotZ? Hrt er je empfunden die Wonne, welch; das Stadium der Totteslehr: durch 8 'eoo lko m u run g der Ecken atmß bringt? Wird ihn die innere Befrieoiguug zn Theit, die dem Fro n neu wird, der da Gott.s Gebot erfüllt, weil Gottes Gebot? Selbst der tiefste Schmerz, der Schmerz um die Zerstörung des H.iligthaus unseres Gottes, um den Verlust unseres Volksthums gewährt uns beseligende Empfindungen, die der vom wahren Jnoenthune Abgsmllene nicht kennt, nicht kennen kann. Wenn wir uns hingeben diesem Schmerze, so sind wir schon im Wiederausöauen thätig. Dieser Schmerz selbst wirkt veredelnd auf uns; er reizt uns vom Arteriellen los und macht uns empfänglich für da- Jdsale. Dieser Schmerz macht unser Herz weit und erhebt unser Gemüth; er löst uns von den Fesseln der Selbstsucht und läßt uns unser wahrhaftes Heil im Wohls des Allgemeinen erblicken. — Mit solche« Erfahrungen mag uns der Fasttag des fünfte» Monats bereichern. Die fünfte Art der Mahnung, welche uns der Midrasch vorführt, ist die wissenschaftliche, die beweisende. König Salomo sagt im Buche Kohelet alle Erscheinungen der irdischen und geistigen Welt zummmeu, Weisheit und Thscheit, Vergnügen und Schmerz, Licht und Finsterniß. Als eitles und zweckloses Mühen bezeichnet er das Treiben der meiste« Menschen; denn sie steuern nicht nach einem einzige« Vorgesetzten Ziele, sie haben keinen das AL umschließenden Zweck. Die Thorheit bringt ihnen Schmerzen, ihre 'Weisheit vermehrt des Lebens Bitterkeit; in rauschenden Vergnügungen vergeude« sie die Jugend, und das Älter bringt ihnen Math und Qual. Nur durch Eins kann die Welt begriffen und i« ihrer Gemmmtheit nusgefaßt werden, und dieses Eine ist Gott, und was mit ihm in Verbindung setzt ist fei« Gebot: „das Ense der Sache — das M wird begriffen — fürchte Gott und beobachte seine Gebote, denn das ist des Memchenthums Ganzheit." Gott hat ewiges Leben in uns gepflanzt, damit wir uns nicht ad mühen nutzlos und nicht geboren sind zwecklos. Des Lebens wahrhafte« Endzweck, den Zielpunkt alles würdigen StrebenS nachzuwesie» i und succh sie geförderte Erkenntnis zur enrsprechen- > den Thal zn führen, das ist sicherlich die vollkom»! menste Mahnung.—! Daß nach Jahrtausenden noch die große Menge! unserer Brüder am Fasttage des fünften Monats i»! Traaerkleidern auf der Erde sitzt, um das längst! Eut'chwunoeae zu beweinen, auch das kann nuferem! Herzen tröstend sem und die Wiederkehr der Dee- I löcenen verbürgen. Ader mit der Trauer allein ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.