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Der Israelit · 1862-07-30 · Heft 31 (30.7.1862) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 31 (30.7.1862)
Date
1862-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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24S spendete HimmelLbrod schmährien, wie sie für Aoroch Partei ergriffen in offener Empörung gegen Gott und seine Auserwählten, wie sie bald nach der Offenbarung am Sinai dem goldenen Kalbe huldigten. Also wird die Mabnrede unseres großen Lehrers Mosch eh mit wenigen Worten eingeleitet. Die Geschichte ist die große Lehrerin der Menschheit; die Geschichte lehrt uns, wie die Sünde die Saat ist, aus der die Strafe cmporwächst. Tu darfst nicht Sünde säen, willst Tu nicht Strafe ernten. Der nahende Festtag des Monats Aw bringt uns in Erinnerung die furchtbaren Schicksale unseres Dolles. Um der Sünde unserer Väter willen hat Gott sein HeiligtLum zweimal zerstört, um der Sunde unserer Vater willen wußte unser Volk sich zerstreuen Über den ganzen Erdboden, um der Sünde unserer Vater willen haben unsere Voreltern Verfolgungen erdulden muffen, die an Furchtbarkeit und Ausdehnung ihres Gleichen nicht finden; um unserer Sünden willen sind mir noch nicht zurüSgelehrt in das heilige Land unserer Väter — eine geschichtliche Erinnerung, eine geschichtliche Mahnung sei uns der neunte Tag des Monats Aw. H. Die zweite Art der Ermahnung, welche unser Midrasch uns vorführt, ist die vergleichende: „Höret dieses Wert, ihr Kühe von Vaschan auf dem Gebirge Echomror.L" das, fügt der Midrasch erlcuternd hinzu, sind die Gerichtshöfe Israels. Es ist die Art und Weise der Propheten, aus her uns naheliegenden Natur Vergleichungspunkte herauszuheben, um uns auf die Größe unserer Schuld aufmerksam zu machen. So spricht auch Jesaias in der Haphthara des kommenden Sabbats: „Cs kennt der Ochs denjenigen, der ihn erworben und der Esel die Krippe seines Eigentümers — Israel erkennt Nichts, mein Volk merkt auf Nichts." Siehe, das Thier, welches nur seinem Naturtriebe folgt, wird durch den elben sicher geleitet; der Mensch ober, mit Verstand und Vernunft begabt, dem Gott das hohe Vorrecht der freien Wahl geschenkt, mißbraucht Verstand und Vernunft, um der Sünde zu fröhnen und dem Laster zu huldigen; und unter den Menschen ist es Israel, das seinem Namen entsprechend berufen ist zum Gcttcsstreiter, welches nicht erkennt den zu wandelnden Weg, und unter den Israeliten ist cs mein Volk, spricht Gott, sind es die, welche da berufen sind, für Meine Lehre einznsiehen, die meinen Willen nicht achten. „Deine Propheten haben für dich geschämt Trügerisches und NeUnsüchliches und haben nicht aufgedt.ckt deine Sünde, zurückzuführen deine Gefangenen, nnd haben d r geschämt Prophezeiung des Truges und der Verführung!" (Echah lll, V. Also geschieht es auch jetzt; die modernen Rab- " , binen und Prediger schauen nur ^ern wo Trügerisches und Nebensächliches; den Kern der Mahnung» die Hinweisung auf die Urberlretung von Gotte-Geboten wagen sie nicht avSzusprechen oder wolle« sie nicht aussprechen; sie wollen unser Volk nicht zurückführen zu seinem Vater im Himmel; ja noch mehr, zum Truge, zum Luge, zum eitlen Geschwatze gesellt sich noch die Verführung. Nicht genug, daß dar Volk so schon so viel Gefallen findet an b'p rip^s, am Abschütteln des himmlischen JocheS; sie werden dazu noch von ihren geistlichen Führern verleitet. So wurde uns neulich berichtet, daß bei Gelegenheit eines Volksfestes der Prediger die Kanzel bestieg, um in begeisterten Worten da- Glück dejetzigen Geschlechtes zu schildern, das bei derlei Belustigungen nicht mehr wie ehedem ausgeschlossen sei. Er ermahnte dann die andächtigen Zuhörer, sich auch dieses Glückes würdig zu zeigen, so recht an der Freude - Anthnl zu nehmen, ja auch bei den veranstalteten Ban-! ketten nicht zu fehlen, (d. h. mit andern Worten, i Trephoth und Nebeloth zu essen) dann aber auch ihrem Gotte den angemessenen Tribut zu zollen und am Sabbat zahlreich in der Synagoge zu erscheinen, um bei Orgelklang und Meidersang recht andächtig zn beten. „Wehe, deine Propheten schauen dir Trug und Nebensächliches und decken nickt auf deine Sünden, zurückzusühren deine Gefangenen, ja, sie schauen dir Prophezeiung des Truges und der Verführung.* Ach, wann wird wieder ein Elijahn erscheinen, um diesen Baalspriestern den verdiente» Lohn zu gedenk M. Die dritte Art der Mahnung, welche der Midrasch uns vorsührt, daist die strafende. Er zeigt uns den Propheten Jeremias, wie er mit glühenden Worten die furchtbare Strafe schildert, welche dasündige Volk trifft: „Denn also spricht Gott: Eine Stimme des Schreckenhaben wir vernommen, Angst und nicht Frieden. Fraget doch und sehet, ob wohl ein Männlrchcs gebiert; warum habe ich gesehen einen jeden Mann seine Hände auf seinen Lenden wie eine Gebärerin und umwandelt die Farbe jedes Gefichtezur Farbe des Schrecken-. Wehe, denn groß ist dersclbige Tag, keiner gleicht ihm, denn eine Zeit der Noth ists für Jakob, aber es soll ihm davon geholfen weiden." (Jerem. c. 30 v. 5—7.) Wer hat heute noch den Muth, hinzuweisen auf die Strafe, die da der Sünde folgt? Es scheint, wie wenn da- Bewußtsein vom Walten der göttlichen Vorsehung dem Menschen entschwunden wäre. Allem, waS sich ereignet, wird der Zufall als Ursache untergeschoben, und wer von dem Walten eines allmächtigen Willen spricht, wird verhöhnt und verlacht, so daß selbst der Fromme sich scheu zurückzieht und sich fürchtet, dastrasende Wort »uszusprechen.

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